Seth Rogen
Jay Chou
Cameron Diaz
Regie: Michel Gondry
Verleih: Sony Pictures
Britt, Sohn des Zeitungsmagnaten James Reid, lebt sein Leben als künftiger Erbe eines Multimillionenvermögens sorglos und verantwortungslos auf der Überholspur. Die Ermordung seines Vaters rüttelt ihn wach: Gemeinsam mit dem Firmenangestellten Kato fasst Britt den Entschluss, künftig etwas Vernünftiges zu machen und aus dem Schatten des Vaters zu treten. Um Helden werden zu können, geben sie sich als Bösewichte aus und nehmen mithilfe der attraktiven Sekretärin Lenore Kontakt zu dem Gangführer Chudnofsky auf. Dem ist allerdings schnell klar, dass ihm die Grüne Hornisse gefährlich werden könnte.

Alles ein bisschen anders als erwartet: Michel Gondry - erzählt die legendäre Fernsehserie mit Bruce Lee als Big-Budget-Actionkomödie der etwas anderen Art.
Auf den ersten Blick scheinen es unvereinbare Größen. Die etwas angestaubte Sechzigerjahre-Fernsehserie, mit der Bruce Lee das Kung Fu in den Westen trug. Das Konzept einer modernen Big-Budget-Actionkomödie mit Allem, was anno 2011 dazugehört: Stunts, Spektakel, Gadgets, 3D. Die verspielte, drollige Sensibilität des französischen Regisseurs Michel Gondry, der sich mit Filmen wie "Vergiss mein nicht" oder "The Science of Sleep" einen Namen gemacht hat als vermeintlicher Gralshüter altmodischer und doch zutiefst innovativer Effekte. Dabei ist es gerade der unwahrscheinliche Mix, der dem lange in unterschiedlichsten Inkarnationen entwickelten Projekt seinen ganz individuellen Reiz und Charme verleiht. Dass in dem Wirbelwind aus Explosionen und penibel choreographierten Kämpfen die ureigene Handschrift Gondrys nicht mehr zu erkennen wäre, wie diverse Kritiker unmittelbar nach der Pressevorführung bemängelten, kann der Rezensent nicht bestätigen.
Im Gegenteil: Wenn man besagte Handschrift nicht bequem mit rührigen Independentproduktionen gleichsetzt, dann steckt dieses Superheldenabenteuer mit Helden, die gar nicht mal so super und zunächst auch weit davon entfernt sind, Helden zu sein, voller typischer Gondry-Elemente und -Schnörkel. Seine Liebe zu allen Dingen, die old school sind, und Figuren, die sich in ihrer Haut nicht so recht wohl fühlen, spiegelt sich ebenso wider wie das Bedürfnis, sich als Filmemacher neu zu erfinden. Wie schon der zuvor von Hauptdarsteller Seth Rogen und seinem Kreativpartner Evan Goldberg geschriebene "Ananas Express" folgt auch "The Green Hornet" den Parametern eines lupenreinen Actionfilms, nur dass sich die Autoren - und mit ihnen der Regisseur, der spät in der Vorbereitung den eigentlich vorgesehenen Stephen Chow ersetzte - erlauben, eher von der Seite so manchen schrägen Blick zu erlauben.
Britt Reid ist ein ungelenker Tagedieb, ein Kind im Manne mit Teddybäraugen, wie man ihn von Rogen seit seinem Durchbruch in "Beim ersten Mal" erwartet. Der mysteriöse Tod seines reichen Vaters, eines Zeitungsmoguls von altem Schrot und Korn, weckt ihn aus seiner Stasis. Gemeinsam mit einem Angestellten, dem Tausendsassa Kato, erfindet er sich, zunächst ausgesprochen ungelenk, als Grüne Hornisse neu. Was nicht nur unerwartete Verantwortung mit sich bringt, sondern auch die Feindschaft mit dem neurotischen Bösewicht Chudnofsky, gespielt von Oscar-Gewinner Christoph Waltz, der augenzwinkernd seinen Hans Landa variiert. Cameron Diaz schaut auf ein paar Szenen als Britts neue Sekretärin vorbei, James Franco hat einen unvermeidlichen (und grandiosen) Cameo-Auftritt. All den berühmten "Hornet"-Gimmicks, insbesondere ihr in bester Bond-Manier manipulierter Superwagen, wird viel Platz eingeräumt, wie auch der blendenden Chemie zwischen Rogen und seinem Kato, Jay Chou, der aufgrund seiner ständigen Rivalität zu seinem Chef eher an den Namensvetter in den "Rosarote Panther"-Filmen als an Bruce Lee erinnert. Ein diebisches Vergnügen bereitet es Gondry, den Hang zur Ultragewalt im amerikanischen Kino mit ein paar drastischen Todesfällen wie aus "Ein Fisch namens Wanda" zu persiflieren, und 3D garantiert so einzusetzen, wie man es nicht erwartet. Die Geschichte, die hier erzählt wird, mag man schnell vergessen. Nicht aber, dass man hier bestens unterhalten wurde, wie man es erwartet hat, aber doch eben anders. ts.
| Darsteller: | Seth Rogen | als Britt Reid | |
|---|---|---|---|
| Jay Chou | als Kato | ||
| Cameron Diaz | als Lenore Case | ||
| Christoph Waltz | als Chudnofsky | ||
| Edward James Olmos | als Michael Axford | ||
| David Harbour | als Scanlon | ||
| Tom Wilkinson | als James Reid | ||
| Edward Furlong | als Tupper | ||
| Eddie Rouse | als Crazy Eddie | ||
| Chad Coleman | als Chili | ||
| Analeigh Tipton | als Anna Lee | ||
| Regie: | Michel Gondry | ||
| Drehbuch: | Evan Goldberg | ||
| Seth Rogen | |||
| Produzent: | Neal H. Moritz | ||
| Koproduzent: | Raffi Adlan | ||
| Ausf. Produzent: | Evan Goldberg | ||
| Seth Rogen | |||
| Michael Grillo | |||
| Ori Marmur | |||
| George W. Trendle | |||
| Kamera: | John Schwartzman | ||
| Schnitt: | Michael Tronick | ||
| Musik: | Danny Elfman | ||
| Produktionsdesign: | Owen Paterson | ||
| Kostüme: | Kym Barrett | ||
| Ton: | John Patrick Pritchett | ||
| Casting: | Francine Maisler | ||
Mit "The Green Hornet", der Verfilmung der klassischen Fernsehserie aus den Sechzigerjahren, hat sich der für seine innovativen Independentfilme bekannte Kultregisseur Michel Gondry erstmals einer Hollywoodgroßproduktion angenommen.
Indie-König Michel Gondry gibt mit dem Comic-Kracher "The Green Hornet" sein Blockbusterdebüt (Foto: Sony)
Haben Sie "The Green Hornet" als neue Herausforderung begriffen?
MICHEL GONDRY:Unbedingt. Ich habe noch nie einen Film in dieser Größenordnung, unter diesen Voraussetzungen gedreht. Wichtig ist für mich, dass ich einen ganz persönlichen Zugang zu dem Stoff finde, den ich verfilmen soll. Die Herausforderung war also, einen Film zu machen, der mich anspricht, aber eben auch ein großes Publikum. "The Green Hornet" ist ein Film, der von vielen Menschen gesehen werden soll.
Mit "The Green Hornet" verbindet Sie eine lange Geschichte. Bereits in den Neunzigerjahren hatten Sie versucht, eine Verfilmung der Serie in Angriff zu nehmen.
Damals habe ich mit einem Autor an einer Filmfassung gearbeitet und hatte viele Ideen. Rückblickend muss ich sagen, dass sie vielleicht etwas zu verrückt waren. Ich hätte den Film damals gern komplett auf dem Studiogelände von Universal gedreht. Ich hatte es als Tourist mit meinem damals noch sehr jungen Sohn mehrfach besucht und mir immer ausgemalt, dass es toll wäre, einen Film komplett dort spielen zu lassen - die Straße, die man mit Wasser fluten kann, das Erdbeben, der Lavatunnel. In Hollywood fand man die Idee nicht so gut. Sie wurde abgelehnt.
Weshalb Sie aufmerksam wurden, als der Stoff wieder bei Ihnen landete.
Ich fand, dass ich es meinem Sohn schuldig sei. Ich muss lächeln, wenn ich darüber nachdenke: Die ursprüngliche Version war ganz seinem damaligen Alter entsprechend, sehr liebenswert und cartoonhaft. Der Film, den wir jetzt gemacht haben, entspricht mehr seinem jetzigen Alter. Er ist erwachsener, gewalttätiger. Als ich ihm erzählte, dass ich "The Green Hornet" jetzt doch machen würde, freute er sich. Und sagte mir: Papa, nimm kein neues Auto, nimm das alte Auto aus der Serie. Das habe ich beherzigt.
Auf Ihnen lastet ein enormer Erfolgsdruck. Haben Sie das bei Ihrer Arbeit gespürt?
Beim Dreh geht es um einen anderen Druck: Man muss seine Termine halten, man muss aus den Schauspielern das Beste herausholen. Wenn man mit guten Technikern und einem gut vorbereiteten Drehbuch arbeitet, liegt der ganze Fokus auf der Abwicklung. Natürlich gab es Momente, bei denen mir die Absurdität eines so großen Filmprojekts bewusst wurde. Aber da muss man durch.
Haben Sie den Eindruck, dass man Ihre persönliche Handschrift in dem Film wiederfindet?
Ich habe den Film nicht für mein persönliches Vergnügen gemacht. Ich will, dass viele Menschen ein Ticket dafür kaufen und Spaß daran haben. Es gibt ein paar verrückte Szenen, um die ich kämpfen musste, weil ich sie unbedingt so umsetzen wollte, wie ich sie im Kopf hatte. Aber nicht weil es um mich ging, sondern weil sie gut für den Film waren. Natürlich könnte es mehr Momente geben wie die Splitscreen-Sequenz, in der sich die Leinwand in 16 Teile aufspaltet. Aber wenn man den Kontext bedenkt, ist "The Green Hornet" durchaus auch ein abgefahrener Film geworden.
Sie haben den Film nachträglich in 3D umgewandelt. Wie waren Ihre Erfahrungen?
Wir hätten auch in 3D drehen können, aber ich bin kein Freund von digitalen Kameras. Mir gefällt die Textur von Film. Deshalb musste der Film nachträglich umgewandelt werden. Mir war es wichtig, nicht einfach dreidimensionale Räume zu schaffen. Ich wollte kreativ mit 3D umgehen, das war bei der Konversion gegeben. Gerade bei der Konversion von Film kann man interessante Sachen -machen. Film ist von Natur aus immer etwas körnig. Wenn man das räumlich auflöst, ist es, als könnte man sehen, wie dick die Luft ist. Konversion ist ein Werkzeug, und wie bei jedem Werkzeug muss man wissen, wie man damit umgeht, wenn man gute Ergebnisse erzielen will.
Im Mittelpunkt Ihrer beiden letzten Filme stehen Medien, die von der Zeit überholt werden: VHS in "Abgedreht", Zeitungen in "The Green Hornet". Wie sehen Sie die Zukunft von Film?
Ich bin mir nicht sicher. Musik werden die Menschen immer brauchen. Sie wollen Sex haben und Kinder kriegen. Aber Filme? Filme gibt es nur noch, weil sie von einem System gestützt werden, das nicht will, dass es sie nicht mehr gibt. In einzelnen Ländern gibt es die klassische Auswertungsabfolge Kino, DVD, Fernsehen schon nicht mehr. Hollywood ist eine mächtige Industrie. Wer in dieser Filmfabrik arbeitet, erlebt hautnah mit, wie alles getan wird, um das aktuelle System aufrechtzuerhalten. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es noch zeitgemäß ist. Lebensnotwendig ist Film jedenfalls nicht.
Kanadischer Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent. Als Schauspieler gehört er zu den liebenswerten, lockenköpfigen Tollpatschen mit rauer...
Hollywoods härteste und heißeste Blondine seit Sharon Stone ist ein Kraftpaket purer Körperlichkeit, wenn sie als Partnerin von Jim Carrey...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.