Tom Everett Scott
Liv Tyler
Johnathon Schaech
Regie: Tom Hanks
Verleih: Fox
Im Jahr 1964 landet die Garagenband The Wonders mit "That Thing You Do" einen Riesenhit, weil der Ersatz-Schlagzeuger Guy, ein besessener Jazzfan, das Lied aus Langeweile doppelt so schnell spielt wie geplant. Auf lokale Berühmtheit folgen ein Plattenvertrag, eine Tour und schließlich der Ruf Hollywoods. Doch der Rummel ist ebenso schnell vorbei, wie er begonnen hat.

Die Qualitäten des Schauspielers Tom Hanks sind auch die Merkmale seines Regiedebüt, das der zweifache Oscar-Gewinner und Publikumsliebling obendrein eigenhändig verfaßte: Charme, Aufrichtigkeit und Wärme zeichnen "That Thing You Do" aus, Hanks' melancholisches "American Graffiti", in dem er die kurze Erfolgsgeschichte der Beatles-artigen Garagenband "The Wonders" im Jahr 1964 beschreibt, von ihren bescheidenen Anfängen bei einem Talentwettbewerb bis zur plötzlichen Auflösung nach einem triumphalen Auftritt in einer national ausgestrahlten TV-Show.
Hanks ist die Manipulation von Geschichte nicht fremd: In "Forrest Gump" stolperte er durch mehr als 30 Jahre amerikanische Historie, die Filmemacher Robert Zemeckis nach Belieben zurechtbog. Jetzt bemächtigt sich Hanks der frühen sechziger Jahre auf ähnliche Weise - hätte Scorsese nicht schon einen Film mit eben jenem Titel realisiert, "Zeit der Unschuld" träfe den Nagel auf den Kopf. In pastellfarbene Töne getaucht, erweckt der Regisseur die Space Age als eine Ära des Aufbruchs und der Hoffnung, frei von Gefahren und Bedrohungen. Die naive, fast schon surreale Bodenständigkeit von Hanks' liebevoll geschaffener Good clean fun-Welt irritiert nur anfangs: Schnell fühlt man sich pudelwohl in dieser unverschämt gut gelaunten Hommage an die unbesungenen Garagengruppen Amerikas, die im Zuge der Poprevolution der Beatles den Ruhm eines Hits genossen, um danach wieder in der Versenkung zu verschwinden. Die fiktiven Wonders mögen stellvertretend stehen für Bands wie die "Standells" oder "Shadows" of Knight. Im Sommer 1964 landen sie mit ihrem "That Thing You Do" einen Hit, nachdem der Ersatz-Schlagzeuger Guy, ein besessener Jazzfan, das Lied aus Langeweile doppelt so schnell spielt wie geplant. Auf lokale Berühmtheit folgen ein Plattenvertrag, eine Tour und schließlich der Ruf Hollywoods. Hanks findet für den Aufstieg und plötzlichen Fall der Wonders einen ähnlich unbekümmerten Stil wie Richard Lester für den ersten Beatles-Film "Yeah, Yeah, Yeah" aus eben dem Jahr 1964, der hier in einer schönen Collagensequenz zitiert wird. Der Song "That Thing You Do", ein enthusiastischer, kleiner Popsong im Stil der frühen Fab Four, dient als Leitmotiv: Achtmal wird er im Verlauf der Handlung angestimmt, und jedes Mal klingt er anders: erst bescheidener Lovesong, dann euphorischer Stampfer und schließlich überproduzierte Hülse - ein Symbol für den stetigen Verlust der Unschuld der Wonders. Während Bandmitglied Lenny (komisches Talent: Steve Zahn) und ein namenlos bleibender Bassist für die Lacher sorgen, bildet das Dreieck zwischen dem arrogant-ambitionierten Songschreiber Jimmy (Johnathon Schaech aus "The Doom Generation"), dessen hingebungsvoller Freundin Faye (Liv Tyler erneut als Stealing Beauty) und Drummer Guy Hanks, der sich selbst eine kleine Rolle als aalglatter Manager gegeben hat, favorisiert beim Kampf um das Mädchen Guy. Kein Wunder: Tom Everett Scott, den man bestenfalls aus der TV-Serie "Grace Under Fire" kennt, sieht aus wie Hanks zu "Big"-Zeiten - und hat ein ähnlich unbedarftgewinnendes Wesen. Das darf man dem gesamten Film attestieren: Denn obwohl weder Story neu noch ihr Ausgang überraschend sind, trifft Hanks, der für Gastauftritte Ehefrau Rita Wilson, Produzent Jonathan Demme und Rockstar Chris Isaac gewinnen konnte, mit überraschend sicherer Hand einen Nerv: Sehr viel beschwingter kann Eskapismus kaum sein - und das ist ein großes Kompliment. ts.
| Darsteller: | Tom Everett Scott | als Guy Patterson | |
|---|---|---|---|
| Liv Tyler | als Faye Dolan | ||
| Johnathon Schaech | als Jimmy | ||
| Steve Zahn | als Lenny | ||
| Ethan Embry | als The Bass Player | ||
| Tom Hanks | als Mr. White | ||
| Charlize Theron | als Tina | ||
| Obba Babatundé | als Lamarr | ||
| Giovanni Ribisi | als Chad | ||
| Chris Ellis | als Horace | ||
| Alex Rocco | als Sol Siler | ||
| Bill Cobbs | als Del Paxton | ||
| Peter Scolari | als Troy Chesterfield | ||
| Rita Wilson | als Margueritte | ||
| Chris Isaak | als Uncle Bob | ||
| Kevin Pollak | als Boss Vic Koss | ||
| Robert Torti | als Freddy Fredrickson | ||
| Regie: | Tom Hanks | ||
| Drehbuch: | Tom Hanks | ||
| Produzent: | Gary Goetzman | ||
| Jonathan Demme | |||
| Edward Saxon | |||
| Kamera: | Tak Fujimoto | ||
| Schnitt: | Richard Chew | ||
| Musik: | Howard Shore | ||
| Produktionsdesign: | Victor Kempster | ||
"That Thing You Do!" war der erste Kinofilm, bei dem Tom Hanks Regie geführt hat - und wird wohl auch sein letzter bleiben. Wie der mehrfache Oscargewinner in einem Interview verriet, möchte er auf den Part hinter der Kamera in Zukunft nämlich verzichten. Grund für seine Entscheidung sei jedoch nicht mangelnde Motivation oder gar mangelndes Talent, sondern seine Familie: "Ich ziehe immer noch meine Kinder groß und will einfach mehr bei ihnen sein - nicht nur physisch, sondern auch mental", erklärte er, "wenn du Regie führst, bist du in Gedanken ständig woanders."
Hanks stand außer bei der von ihm selbst geschriebenen Komödie "That Thing You Do!" lediglich sporadisch bei einigen von ihm produzierten TV-Serien hinter der Kamera.
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