Locker verknüpftes Episodenkino, mit dem sieben bekannte Regisseure jeweils einen zehnminütigen Blick auf die Vergänglichkeit der Zeit werfen. http://images.kino.de/flbilder/max02/mbiz02/mbiz45/z0245546/b150x150.jpg Ten Minutes Older - The Trumpet

Filmdetails

Ten Minutes Older - The Trumpet

Locker verknüpftes Episodenkino, mit dem sieben bekannte Regisseure jeweils einen zehnminütigen Blick auf die Vergänglichkeit der Zeit werfen.


Ten Minutes Older - The Trumpet
Start: 19.12.2002

Episodenfilm

Deutschland/Großbritannien 2002
Laufzeit: 93 Min.
FSK: ab 6 Jahre

Markku Peltola
Kati Outinen
Ana Sofia Liaño

Regie: Aki Kaurismäki, ...
Verleih: ottfilm

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Humor
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Inhalt

Ein Verlierer findet am Bahnhof innerhalb von zehn Minuten die Frau seines Lebens. Nach zehn Jahren Pause beendet der spanische Regisseur Victor Erice seine Filmabstinenz. Die Uru Eus am Amazonas-Oberlauf leben wie vor zehntausend Jahren. Zehn Minuten Drehpause im Leben einer Schauspielerin. Zehn Minuten Zeit bleiben dem Überdosiskonsumenten, bis er die Aptheke erreicht haben muss. Innerhalb von zehn Minuten entscheidet sich das politische Schicksal Al Gores (und das seines Landes). Ein alter Mann muss sich im modernen Peking zurecht finden.

Die Zahl Zehn ist Dreh- und Angelpunkt für diese Episodensammlung, zu der sieben hoch geachtete Regisseure (Jim Jarmusch, Victor Erice, Wim Wenders, Spike Lee, Aki Kaurismäki, Werner Herzog und Chen Kaige) jeweils zehnminütige Beträge bereiteten.


Kritik

Ten Minutes Older - The Trumpet

Da Film ohne die Zeit, die vergeht, nicht möglich ist, liegt das locker vorgegebene Leitmotiv des "Un Certain Regard"-Episoden-Beitrags eigentlich auf der Hand. Verknüpft wird der individuelle Blick von sieben Regisseuren auf die Vergänglichkeit mit dokumentarischen Aufnahmen eines Flusses. Fließendes Wasser als Sinnbild für die verrinnende Zeit ist natürlich nicht sonderlich originell, wird aber in Verbindung mit der frei improvisierenden Musik einer Trompete (Untertitel: The Trumpet) seiner Funktion als stimmungsvolles Bindeglied gerecht.

Einen guten Start liefert der Minimalist Aki Kaurismäki mit "Dogs Have No Hell". Seine Loser-Lovestory um einen Gestrauchelten, der sein letztes Geld in eine Fahrkarte nach Sibirien umsetzt und dem es in den zehn Minuten bis zur Abfahrt des Zuges gelingt, die Frau seines Herzens zum Mitkommen zu bewegen, erfüllt die Erwartungen, die man an den Finnen hat. Fast mutet die kleine Episode an wie eine Fingerübung zu seinem Festivalsieger "Der Mann ohne Vergangenheit", auch wegen der gleichen Schauspieler-Besetzung.

Der zweite Beitrag liefert auch schon den Höhepunkt der Zeit-Variationen: Mit "Lifeline" beendet der spanische Regisseurs Victor Erice ("The South") seine zehnjährige Filmabstinenz. Gedreht in schwarzweiß erhält die friedlich-ländliche Szenerie ihre Dynamik durch hinreißend eingefangene Details aus dem Alltagsleben der Bauernfamilie, durch den sich rasch ausbreitenden Blutfleck auf der Wäsche des schlafenden Babys, auf den immer wieder zurückgeschnitten wird, und nicht zuletzt durch Einblendung eines Zeitungsfoto von drei Nazis, das auf den Einmarsch von Hitlers Truppen am 28. Juni 1940 ins Franco-Spanien verweist. Zwei Tage später wurde der Regisseur geboren, was seiner intensiven Betrachtung über das Leben am seidenen Faden eine zusätzliche Dimension verleiht. Dramatisch stringent erzählt und wunderschön gefilmt besticht diese Lebenslinie als die künstlerisch eindrucksvollste Episode.

Nicht zehn Minuten, sondern "Ten Thousend Years Older" sind die Eingeborenen vom Stamm der Uru Eus am Amazonas in Werner Herzogs Ethno-Doku. Er zeigt die Folgen der Entdeckung der "letzten Wilden" dieser Erde und des Zusammenpralls ihrer Steinzeitwelt mit der Neuzeit.

Jim Jarmusch lässt Chloé Sevigny zehn stressige Drehpausen-Minuten erleben in "Int. Trailer. Night", die, in der klaustrophobischen Enge eines Wohnwagens schwarzweiß gedreht, wenig Eindruck hinterlassen.

Wim Wenders, Experte für den "Lauf der Zeit", schickt einen jungen Mann, der eine Überdosis erwischt hat, auf einen halluzinatorischen Wettlauf gegen die Uhr durch die kalifornische Wüste in dem Versuch, noch rechtzeitig das nächste Krankenhaus zu erreichen. Sein Roadmovie mit einem rettenden Straßenengel hat den Titel "Twelve Miles to Trona".

Spike Lees schwarz-weiße Agit-Prop-Doku "We Wuz Robbed" schildert die spannenden zehn Minuten des amerikanischen Wahlkampfs, die nicht nur das Schicksal von Al Gore, sondern auch das der Nation und der restlichen Welt beeinflussten. Demokraten aus Gores Wahlkampfteam kommentieren die Ereignisse um Bushs umstrittenen Wahlsieg in Florida.

Den würdigen Abschluss bildet Chen Kaiges "100 Flowers Hidden Deep", eine stilistisch sichere, zarte lyrische Parabel um einen geistig verwirrten alten Mann im sich rasant verändernden modernen Peking.

Locker zusammengefügtes Episodenkino erfreut sich momentan einiger Beliebtheit, offensichtlich "erholen" sich immer mehr Regisseure zwischen ihren Filmprojekten gern beim kleinen Format. In Vorbereitung sind zwei Filme über Paris und den 11. September, und "Ten Minutes Older-Part II" ist bereits abgeschlossen, mit Beiträgen von u. a. Bernardo Bertolucci, Mike Figgis und, als erster Frau, Claire Denis. Showtime wird die Filme in den USA im TV ausstrahlen.

Alle Episoden der von Ulrich Felsbergs Road Movies finanzierten Produktion sind zwischen 9 und 12 Minuten lang - das sind aber auch schon alle Gemeinsamkeiten. Klar, dass bei völliger künstlerischer Freiheit die einzelnen Beiträge qualitativ durchaus unterschiedlich ausfallen. Am Ende sind wir 91 Minuten älter, aber auch um einige beglückende Filmminuten reicher. boe.

Ten Minutes Older - The Trumpet

Darsteller:  Markku Peltola   als Der Mann
  Kati Outinen   als Die Frau
  Ana Sofia Liaño   als Mutter
  Pelayo Suarez   als Das Neugeborene
  Tari  
  Wapo  
  Mauro Oliveira  
  Chloë Sevigny   als die Schauspielerin
  Charles Esten   als der Autofahrer
  Amber Tamblyn   als Kate
  Feng Yuanzheng  
  Geng Le  
  Li Qiang  
  Zhang Jin  
  Wim Wenders   als Doctor #1
 
Regie:  Aki Kaurismäki  
  Victor Erice  
  Werner Herzog  
  Jim Jarmusch  
  Wim Wenders  
  Spike Lee  
  Chen Kaige  
Drehbuch:  Aki Kaurismäki  
  Victor Erice  
  Werner Herzog  
  Jim Jarmusch  
  Wim Wenders  
  Zhang Tan  
Produzent:  Ulrich Felsberg  
  Nicolas McClintock  
  Nigel Thomas  
  Aki Kaurismäki  
  Lucki Stipetic  
  Cecilia Kate Roque  
  Samson Mucke  
  Spike Lee  
  Chen Hong  
Ausf. Produzent:  Ulrich Felsberg  
Kamera:  Timo Salminen  
  Olli Varja  
  Angel Luis Fernandez  
  Vincente Ríos  
  Frederick Elmes  
  Phedon Papamichael  
  Christopher Norr  
  Yang Shu  
Schnitt:  Aki Kaurismäki  
  Julia Juaniz  
  Joe Bini  
  Jay Rabinowitz  
  Mathilde Bonnefoy  
  Barry Alexander Brown  
  Li Fang  
Musik:  Paul Englishby  
  Eels  
  Zhao Lin  
Produktionsdesign:  Javier Mampaso  
  Cao Juiping  
  Lou Luyi  
Kostüme:  John A. Dunn  
  Wang Hong  
Ton:  Tero Malmberg  
  Jorge Sánchez  
  Walter Saxer  
  Drew Kunin  
  Lee Orloff  
  Michael Boyle  
  Wang Danrong  

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