August Diehl
Christian Redl
Nadeshda Brennicke
Regie: Robert Schwentke
Verleih: Tobis
Marc Schrader hat es nur knapp geschafft, die Polizeischule abzuschließen. Einer Razzia in einer Disco kaum entgangen, erpresst ihn der eigenwillige Hauptkommissar Minks, für ihn in der Jugendszene zu recherchieren. Leichen, denen Teile der Haut entfernt wurden, führt das ungleiche Duo auf die Spur von skrupellosen Tattoo-Sammlern.
Töten Menschen für nackte, tätowierte Haut? Kann ein deutscher Thriller spannend sein? Ja, lautet die definitive Antwort dieses Regiedebüts.
Nachts auf den Straßen einer Stadt. Niemand nimmt Notiz, als eine junge Frau über den Asphalt taumelt - nackt und blutüberströmt. Ein kurzes Innehalten, hilflos und verzweifelt, dann rauscht ein Bus aus dem Nichts vorbei und fegt den Körper aus dem Bild. Eindrucksvoll beginnt dieser Thriller, mit dem "Tatort"-Autor Robert Schwentke kraftvolles Genrekino auch in Deutschland realisiert.
Was nach diesem Schock-Entree in den nächsten knapp zwei Stunden folgt, bestätigt die Ambitionen des Anfangs: visuell und auch dramatisch. hart, schonungslos und spannend zeigt "Tattoo" den Albtraum einer Welt, in der ähnlich wie in "Anatomie" die Faszination für den menschlichen Körper alle Grenzen überschreitet. Grausam verstümmelte Leichen werden entdeckt, denen der Mörder Teile ihrer Haut entfernt hat.
Partner wider willen
Hauptkommissar Minks (Christian Redl) leitet die Ermittlungen mit der ihm eigenen Besessenheit und Methodik. Er erwischt Marc Schrader (August Diehl), einen jungen Polizeischulabsolventen, nach einer Discorazzia mit Drogen. Um seine berufliche Zukunft nicht zu ruinieren, muss Schrader nun für Minks arbeiten: In der Aufklärung der Mordserie, aber auch als Zugang zu einer Welt, in die Minks" Tochter Marie vor zwei Jahren spurlos abgetaucht ist.
[IMG#111620_3.jpg#Die Angst wird dem jungen Cop zum ständigen Begleiter
#LEFT]
Aus der erzwungenen Partnerschaft reift bald gegenseitiger Respekt. Der mürrische Veteran zeigt Verletzlichkeit, der Neuling Leidenschaft und Verantwortungsgefühl. Gemeinsam dringt das ungewöhnliche Team in eine Szene vor, die sich mit guten Gründen vor der Außenwelt verbirgt. Hier wird für menschliche Haut teuer bezahlt. Mit Geld und der Ermordung derer, die die seltenen Tattoos eines berühmten japanischen Künstlers auf ihren Körpern tragen.
[IMG#111620_4.jpg#Albtraum im Labor
#RIGHT]Ist diese pervertierte Obsession von Sammlern nur ein Albtraum oder vielleicht schon Wirklichkeit? Die Befürchtung, dass "fantastisch" längst "realistisch" sein könnte, macht "Tattoo" noch beklemmender.
Hochspannung garantiert
Mit drastischer Offenheit streift der Blick von Regisseur Schwentke über Tatorte und durch Pathologiesäle, baut eine gespenstische Atmosphäre auf, die Entspannung bis zum Finale nicht zulässt. Ausweglosigkeit und Verlorenheit dominieren diesen Thriller, der seine Geheimnisse gut dosiert enthüllt.
"Tattoo" demonstriert Spannung und Atmosphäre und in einer Liebesszene mit der undurchschaubaren Eisblondine Maya (Nadeshda Brennicke), dass auch lebende Körper sehr ästhetisch wirken können. Ein Trost!
| Darsteller: | August Diehl | als Marc Schrader | |
|---|---|---|---|
| Christian Redl | als Hauptkommissar Minks | ||
| Nadeshda Brennicke | als Maya Kroner | ||
| Ilknur Bahadir | als Meltem | ||
| Jasmin Schwiers | als Marie Minks | ||
| Johan Leysen | als Frank Schoubya | ||
| Monica Bleibtreu | als Oberkommissarin Roth | ||
| Joe Bausch | als Günzel | ||
| Gustav Peter Wöhler | als Scheck | ||
| Fatih Cevikkollu | als Dix | ||
| Florian Panzner | als Poscher | ||
| Ingo Naujoks | als Stefan Kreiner | ||
| Regie: | Robert Schwentke | ||
| Drehbuch: | Robert Schwentke | ||
| Produzent: | Jan Hinter | ||
| Roman Kuhn | |||
| Koproduzent: | Wiebke Toppel | ||
| Ausf. Produzent: | Verena Herfurth | ||
| Kamera: | Jan Fehse | ||
| Schnitt: | Peter Przygodda | ||
| Musik: | Martin Todsharow | ||
| Christoph M. Kaiser | |||
| Produktionsdesign: | Josef Sanktjohanser | ||
| Kostüme: | Peri de Bragança | ||
| Ton: | Tom Weber | ||
Robert Schwentke ist auf dem Regie-Olymp von Hollywood angekommen. Jetzt hat der Schwabe für den Thriller "Red" unterschrieben.
Mit dem Nervenkitzel "Tattoo" machte Robert Schwentke die mächtigen Studiobosse der Traumfabrik auf sich aufmerksam. Mit "Flightplan - Ohne jede Spur" bestätigte er die Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden. Im September kommt nach langem Hin und Her die Romanverfilmung "Die Frau des Zeitreisenden" in die Kinos. Es sollte nur ein kurzer Abstecher ins ernstere Fach gewesen sein, denn nun kehrt der Stuttgarter in actionreichere Gefilde zurück: Der 41-Jährige wird die Regie zum Thriller "Red" übernehmen.
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