
Zum vierzigjährigen Bestehen der Reihe zeigt die ARD einen außergewöhnlichen "Tatort" mit einem höchst untypischen Ermittler: Ulrich Tukur brilliert als LKA-Ermittler Felix Murot.
Eigentlich ist er nur ein Lückenbüßer, bis das neue "Tatort"-Team des Hessischen Rundfunks seinen Dienst antritt; aber Ulrich Tukur macht seine Sache als Stellvertreter so gut, dass man ihm unbedingt weitere Fälle wünscht. Die Qualität des Films beruht allerdings zu großen Teilen auf dem Drehbuch. Innerhalb weniger Wochen beweist Grimme-Preisträger Christian Jeltsch nach "Kreuzter kommt" und "Rosannas Tochter" zum dritten Mal sein herausragendes Talent. Die besondere Faszination der Geschichte beruht auf der geschickten Verquickung aus Gegenwart und Vergangenheit, aus persönlichem Schicksal und jüngerer Zeitgeschichte: Hauptfigur Felix Murot, mittlerweile beim LKA, war Ende der Achtziger als Ermittler des BKA mit der Aufklärung eines RAF-Attentats betraut. Die Terroristen hatten einen Wirtschaftsführer ermordet. Weil der Beamte damals die falschen Fragen gestellt hat, ist er von dem Fall abgezogen worden. Als sich auf dem nordhessischen Edersee ein Mann erschießt, wird der Ermittler gleich doppelt von der Vergangenheit eingeholt: Murot ist in der Gegend aufgewachsen; und die Pistole stammt aus dem Umfeld der RAF. Der Tote, ein Sensationsreporter, hat früher mit den Terroristen sympathisiert und war angeblich einer heißen Story auf der Spur. Die Geschichte ist originell und großartig erzählt (Regie: Achim von Borries); viele verblüffende Momente sorgen für eine ganz eigene und eigenartige Stimmung. Gerade Tukur profitiert von einem ausgefeilten Rollenentwurf. Gleich zu Beginn des Films wird in Murots Kopf ein haselnussgroßer Tumor entdeckt, eine Diagnose, die Anagrammliebhaber allerdings nicht überrascht. Weil Murot in einer Pensionswirtin (Martina Gedeck) seine alte Jugendliebe Lilly sieht, setzt er sich irgendwann ans Klavier und spielt "Lili Marleen". Außerdem hat Jeltsch diverse Nebenfiguren ersonnen, die nicht nur der Handlung, sondern auch Murot zusätzliche Komplexität verleihen. Die undurchsichtigste Rolle spielt dabei der frühere Vizechef des BKA (Vadim Glowna). Er will offenbar um jeden Preis verhindern, dass bestimmte Details öffentlich bekannt werden; Parallelen zu den jüngsten Erkentnissen im Fall Verena Becker sind unverkennbar. Die schönste Rolle aber hat Barbara Philipp als Murots Assistentin Magda Wächter, die ihrem Namen gleichfalls alle Ehre macht und mindestens freundschaftlich über ihren Chef wacht. Wunderbar wie immer ist auch Martin Brambach als örtlicher Polizist, dem der "Lackaffe" vom LKA gehörig auf die Nerven geht. tpg.
| Darsteller: | Ulrich Tukur | als Felix Murot | |
|---|---|---|---|
| Martina Gedeck | als Jana Maitner | ||
| Barbara Philipp | als Magda Wächter | ||
| Fritzi Haberlandt | als Kirsten Vegener | ||
| Vadim Glowna | als Paul Krafft | ||
| Lars Rudolph | als Matz Roloff | ||
| Martin Brambach | als Alfred Thönnies | ||
| Friederike Linke | als Jenny Döring | ||
| Holger Handtke | als Brauer | ||
| Fritz Roth | |||
| Regie: | Achim von Borries | ||
| Drehbuch: | Christian Jeltsch | ||
| Kamera: | Bernd Fischer | ||
| Schnitt: | Stefan Blau | ||
| Musik: | Bertram Denzel | ||
| Produktionsdesign: | Börries Hahn-Hoffmann | ||
| Kostüme: | Nicole Fischnaller | ||
| Ton: | Majid Sarafi | ||
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