
Entweder hat es keiner bemerkt, oder man hat beim Bayerischen Rundfunk auf die Vergesslichkeit des Publikums vertraut; beides wäre leichtfertig. Man muss nicht mal ein sonderlich gutes Gedächtnis haben, um irritiert auf das Auftauchen eines alten Mannes gleich zu Beginn dieses Krimis zu reagieren. Der Name des Schauspielers, Fred Stillkrauth, mag einem nichts sagen, aber das Gesicht ist unverwechselbar. Im Frühjahr 2008 gab er im Münchener "Tatort"-Beitrag "Der oide Depp" den Gastkommissar "Opa Siersch", einen vermeintlich senilen, tatsächlich aber hellwachen Kollegen, der die Lösung eines uralten Falles vereiteln wollte.
Nur kurz fragt man sich, ob Opa Siersch den Münchener Ermittlern Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl) erneut im Weg stehen soll, da beginnt der alte Herr schon wieder, Spuren zu verwischen: Er heißt nun Greedinger und ist ein Gewerkschafter von altem Schrot und Korn, dem die Methoden und Sprüche seines Sohnes Leo (Thomas Sarbacher, wie schon kürzlich im Odenthal-Krimi "Vermisst" als sympathischer Verdächtiger) verhasst sind. Trotzdem hilft er ihm aus der Patsche, als ein Journalist aufs Leos beim Vater vergessenen Telefon anruft und seinen Selbstmord ankündigt; ein Bild vom Todesszenario an einer Isarbrücke samt Strick um den Hals schickt er gleich mit. Leo ist auf dem Sprung zum Gewerkschaftsvorsitzenden und hat außerdem geholfen, einen milliardenschweren Deal mit der vietnamesischen Regierung einzufädeln. Auf diese Weise hat er zwar 5.000 Arbeitsplätze gerettet, aber ohne Bestechung hätte das nie geklappt; kein Wunder, dass sich Panini (Leonardo Nigro), der italienische Gastermittler, bald wie zuhause fühlt. Dank Leos guter Verbindungen in die Politik sollen die Kommissare den Fall als geklärt betrachten, aber zu Batics Unmut lässt Leitmayr nicht locker: Leo ist ein alter Kumpel von Ivo.
Christian Jeltschs Geschichte besticht vor allem durch ihre Vielschichtigkeit. Der undurchsichtige Greedinger ist nur ein Idealist, der an der Realität scheitert, doch der Funktionär, der als Berater im Hintergrund die Fäden zieht, ist in seinem kaltschnäuzigen Opportunismus und in der Verkörperung durch Hannes Hellmann eine fast schon diabolische Figur. Die Freundschaft zwischen dem Kommissar und dem Gewerkschafter sorgt naturgemäß für zusätzliche emotionale Spannung. Der Fall selbst wäre schon verzwickt genug, zumal der Journalist homosexuell war; private Filmaufnahmen deuten an, dass Greedinger und er eine Beziehung hatten, was den Gewerkschafter vermutlich die Gefolgschaft seiner traditionell konservativen Mitstreiter gekostet hätte. In Wirklichkeit sind die Dinge allerdings noch viel komplizierter, und dass Batic nun seinerseits Beweise verschwinden lässt, macht Leitmayrs Arbeit nicht gerade einfacher. Und dann ist da ja noch Panini, der einem zunächst ebenso auf die Nerven geht wie den beiden Einheimischen, sich aber mit seinem lustigen Deutsch zunehmend in die Herzen spielt. Ganz zu schweigen von den Seitenhieben auf den Boulevardjournalismus, repräsentiert durch eine fuchsrote Reporterin, der Jeltsch, Regisseur Peter Fratzscher und natürlich die Schauspielerin Petra Berndt mit wenigen Klischeeszenen so viel Format verleihen, dass sie unbedingt ins Ensemble aufgenommen werden sollte. tpg.
| Darsteller: | Miroslav Nemec | als Ivo Batic | |
|---|---|---|---|
| Udo Wachtveitl | als Franz Leitmayr | ||
| Thomas Sarbacher | als Leo Greedinger | ||
| Fred Stillkrauth | als Hans Greedinger | ||
| Leonardo Nigro | als Luca Panini | ||
| Bettina Redlich | als Sabine Greedinger | ||
| Tanja Schleiff | als Dörte Truss | ||
| Alexander Duda | als Horst Bergmann | ||
| Christian Springer | als Dezernatsleiter | ||
| Petra Berndt | als Ute Kropp | ||
| Christian Maria Goebel | als Dr. Erwin Rohpe | ||
| Claudia Lössl | als Inge Greedinger | ||
| Martin Stührk | als Moritz Greedinger | ||
| Berfin Öztoprak | als Esther Greedinger | ||
| Nikolaus Benda | als Rainer Truss | ||
| Hannes Hellmann | als Max Janussen | ||
| Petra Einhoff | als Dr. Suska Droemer | ||
| Regie: | Peter Fratzscher | ||
| Drehbuch: | Christian Jeltsch | ||
| Produzent: | Kirsten Hager | ||
| Schnitt: | Vera van Appeldorn | ||
| Musik: | Joachim J. Gerndt | ||
| Produktionsdesign: | Thorwald Kiefel-Kuhls | ||
| Kostüme: | Natascha Curtius-Noss | ||
| Maske: | Martine Flener | ||
| Mechthild Schmitt | |||
| Ton: | Frank Hoyer | ||
| Casting: | Daniela Tolkien | ||
Seit Mitte der achtziger Jahre kennt das deutsche Fernsehpublikum Miroslav Nemec aus den unterschiedlichsten Fernsehproduktionen. Als "...
Udo Wachtveitl ist seit 1991 als Hauptkommissar Franz Leitmayr ein Teil des kultigen Ermittler-Duos im Münchner "Tatort".
Geboren wurde...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.