Keine Berührungsängste vor menschlichem Unrat dürfen die Kölner Kommissare in diesem Fall haben. http://images.kino.de/flbilder/max08/mbiz08/mbiz17/z0817402/b150x150.jpg Tatort: Müll

Filmdetails

Tatort: Müll

Keine Berührungsängste vor menschlichem Unrat dürfen die Kölner Kommissare in diesem Fall haben.


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Inhalt

Nach einem Brand auf einem Kölner Wertstoffhof wird eine Frauenleiche gefunden. Eine Identifizierung ist unmöglich: Der Leichnam ist verkohlt, die Arme sind abgetrennt. Der Betreiber der Anlage war unlängst in einen Müllskandal verwickelt und ist unter Druck gesetzt worden; die Tote könnte seine verschwundene Sekretärin sein. Ein Motiv findet sich allerdings auch in einer nahegelegenen Gärtnerei: Der Besitzer hat eine neue Freundin, seine Frau ist verschwunden.


Kritik

Tatort: Müll

Vor 18 Jahren standen Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär erstmals gemeinsam vor der Kamera. Der Mehrteiler hieß "Leo und Charlotte", der Regisseur Kaspar Heidelbach. Damals ahnte das Trio vermutlich noch nicht, dass dies der Auftakt einer regen Zusammenarbeit sein würde. Ein knappes Dutzend Filme hat Heidelbach seither mit den beiden Freunden gedreht, darunter die Zweiteiler "Das Wunder von Lengede" und "Der Untergang der Pamir". Entscheidender aber war die gemeinsame Prägung der Kölner "Tatort"-Kommissare.

Von Heidelbach stammt nicht nur der Auftakt ("Willkommen in Köln", 1997) sondern insgesamt fast ein Viertel der Kölner Krimis. Kaum einer kam jedoch so beinahe bescheiden daher wie dieser; selbst wenn Autor Achim Scholz ein bisschen Müllskandal in seine Geschichte verwebt. Er behandelt das vermeintliche Hauptthema allerdings so beiläufig, dass man es rasch als übliches Ablenkungsmanöver durchschaut: Ein windiger Geschäftemacher lässt radioaktiven Abfall so lange kreuz und durch Europa reisen und immer wieder umdeklarieren, bis das Zeug schließlich als Bioschlamm entsorgt werden kann. Als nach einem Brand auf einem Wertstoffhof eine Frauenleiche gefunden wird, deutet einiges darauf hin, dass die Müllmafia ihre Finger im Spiel haben könnte. Der Besitzer der Firma ist offenbar von den großen Anlagen massiv unter Druck gesetzt worden. Bei der verkohlten Leiche könnte es sich um seine verschwundene Sekretärin handeln. Da die Arme entfernt wurden, ist eine Identifizierung unmöglich.

Versierte Krimifreunde wissen natürlich, dass es sich bei den meisten Morden um Beziehungstaten handelt. Und auch für dieses Motiv gäbe es Kandidaten: In der nahegelegenen Gärtnerei Weber vermisst ein Junge (Frederick Lau) seine Mutter. Auf dem Betrieb hat jetzt Kaja Krumme (Elena Uhlig), die neue Freundin seines Vaters Frank (Wotan Wilke Möhring), das Sagen. Kaja hatte den Brand entdeckt und die Feuerwehr gerufen. Frank Weber hat ein windelweiches Alibi: Er ist in der Mordnacht nach einem Handballspiel versackt und hat angeblich im Auto geschlafen.

Heidelbach inszeniert den Film fast schon aufreizend unspektakulär. Wichtiger als mögliche Effekte sind ihm die kleinen Gesten zwischen den Figuren. Mit viel Liebe wird daher beispielsweise ein alter Müllsammler (Hans Diehl) eingeführt, der Ballauf regelmäßig morgens um fünf mit seinem knatternden Moped nervt. Trotzdem mag der Kommissar den alten Mann, dessen Wohnungseinrichtung ein Fest für den Ausstatter (Stefan Schönberg) gewesen sein muss. Auch Schenk hat alsbald einen Narren an dem Alten gefressen, zumal die Vehikel der beiden aus einer Zeit stammen, als man derlei noch "fahrbaren Untersatz" nannte: Willy fährt eine alte NSU, Freddy eine Corvette, beide Jahrgang '64. entsprechend groß ist die Trauer der Polizisten, als auch der alte "Messie" ermordet wird.

Selbst wenn die Idee makaber ist, eine Leiche ausgerechnet auf einem Recyclinghof zu entsorgen: Wer genau hinschaut, ist den beiden Kommissaren schon nach einer halben Stunde einen gewaltigen Schritt voraus. Dass man mit der Vermutung tatsächlich goldrichtig liegt, schmälert zwar nicht den Genuss, zumal der Film mit viel Lokalkolorit ausgestattet ist; aber raffinierter ist es doch, wenn ein Autor mit genau dieser Gewissheit spielt. tpg.

Tatort: Müll

Darsteller:  Klaus J. Behrendt   als Max Ballauf
  Dietmar Bär   als Freddy Schenk
  Tessa Mittelstaedt   als Franziska Lüttgenjohann
  Joe Bausch   als Dr. Joseph Roth
  Christian Tasche   als Staatsanwalt von Prinz
  Wotan Wilke Möhring   als Frank Weber
  Frederick Lau   als Dennis Weber
  Elena Uhlig   als Kaja Krumme
  Hans Diehl   als Willy
  Matthias Redlhammer   als Peter Esser
  Dirk Martens   als Thomas C. Abel
  Caroline Schreiber   als Dr. Eckermann
  Hildegard Krekel   als Jutta
  Josef Tratnik   als Leiter Umweltdezernat
  Jürgen Rißmann   als Brandermittler Mühl
  Gigi Herr  
  Volker Büdts  
  Ludwig Hansmann  
 
Regie:  Kaspar Heidelbach  
Drehbuch:  Achim Scholz  
Produzent:  Sonja Goslicki  
Schnitt:  Hedy Altschiller  
Musik:  Arno Steffen  
Produktionsdesign:  Stefan Schönberg  
Kostüme:  Regine Bätz  

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