Borowski und Jung ermitteln im Fall eines vermeintlichen Selbsmordopfers, dargestellt von US-Star Helen Schneider. http://images.kino.de/flbilder/max09/auto09/auto34/09340130/b150x150.jpg Tatort: Borowski und die Sterne

Filmdetails

Tatort: Borowski und die Sterne

Borowski und Jung ermitteln im Fall eines vermeintlichen Selbsmordopfers, dargestellt von US-Star Helen Schneider.


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Kritik

Tatort: Borowski und die Sterne

Einmal im Jahr gibt es einen "Tatort", der all die Vorzüge dieses Sendeplatzes auf herausragende Weise bündelt. Die Sender bemühen sich ja immer wieder, einerseits zwar den Erwartungen gerecht zu werden, andererseits aber auch mit ihnen zu spielen und den vorgegebenen Rahmen in Maßen zu sprengen. Nicht zuletzt dank Axel Milberg und der kreativen Arbeit bei der Produktionsfirma Studio Hamburg nimmt der "Tatort" aus Kiel ohnehin eine Sonderstellung ein.

Der Film "Borowski und die Sterne" aber hat gute Aussichten auf den inoffiziellen Titel "Bester 'Tatort'

des Jahres": weil er anders ist als die anderen. Die Anerkennung muss auf viele Schultern verteilt werden, aber Angelina Maccarone (Buch und Regie), die für den NDR zuletzt zwei Krimis aus Hannover beigesteuert hat, ist sicherlich hervorzuheben.

Schon die Geschichte ist ungewöhnlich, zumal sie gespickt ist mit Anspielungen auf lebende Vorbilder. Zusätzlichen Reiz erhält der Film durch die überraschende Besetzung: Sat.1-Moderator Hugo Egon Balder, im früheren Leben erst gelernter Schauspieler und später Musiker, spielt Bodo, einen gealterten Rock-Star, der ein Comeback erlebt. Margret, genannt Maggie, einstige Geliebte, will den alten Kontakt auffrischen und sich mit Bodo in dem Hotelzimmer treffen, in dem der Star damals gelebt hat. Aber Bodo kommt nicht, und kurz drauf liegt Margret tot zwischen den Hotelcontainern; ein Abschieds-Graffiti deutet auf Selbstmord hin. Doch die Botschaft wurde mit rechts geschrieben, und die Tote war Linkshänderin. Borowski hat nun die Qual der Wahl, denn Motive gäbe es viele. Die Spuren führen zwar auch zu Margrets todkrankem Gemahl (Hermann Beyer), aber vor allem in die Vergangenheit: Maggie hatte einst auch eine Affäre mit Bodos Gitarristen; beide kommen als Vater ihrer Tochter in Frage.

Margret wird von der früheren Rock-Sängerin Helen Schneider verkörpert; auch dies ein kleiner Besetzungs-Coup. Noch besser aber ist Maccarones Idee, sowohl die junge Maggie in den Rückblenden als auch Margrets Tochter von Esther Zimmering spielen zu lassen, denn auf diese Weise ist Bodos Verblüffung bei der ersten Begegnung noch überzeugender. Janis heißt die Tochter, nach Janis Joplin, mit deren Liedern auch immer wieder die Rückblenden unterlegt sind. In dieser Hinsicht rückt sich Maccarone ihre Geschichte allerdings etwas zurecht. Wie so oft im jüngeren Fernsehfilm werden Sechziger- und Siebzigerjahre kurzerhand zu einem Jahrzehnt komprimiert: Margrets Tochter ist um die dreißig, aber Janis Joplin starb vor knapp vierzig Jahren.

Doch dieses Detail lässt sich angesichts der vielen Qualitäten des Films leicht verschmerzen. Gerade Milberg und Maren Eggert hat Maccarone ganz wunderbare Wortwechsel in den Mund gelegt. Das gemeinsame Schleichen des Kommissars und seiner Kollegin aus der Kriminalpsychologie um den Beziehungsbrei ist ja ein ganz wesentliches Erfolgsgeheimnis der Kiel-Krimis, aber selten hat es zwischen den beiden so geknistert wie jetzt; kein Wunder, dass sie sich so nahe kommen wie nie zuvor. Wie im Leben ist das Vorspiel, als er auf ihre Ausführungen zu Jung mit einer Freud'schen Doppeldeutigkeit antwortet, der reizvollere Teil der erotischen Entwicklung.

Von Maccarone stammen übrigens nicht nur die Dialoge, sondern auch die Texte zu Bodos Liedern. Aber viel schöner sind die Details am Rande: der alte Mann im Rollstuhl, der angesichts der Ereignisse immer wieder beteuert, in welch schrecklicher Welt wir doch lebten, die Anspielungen auf Stanley Kubricks King-Verfilmung "The Shining" oder das allgegenwärtige ältliche Zimmermädchen, das seinerseits wie eine Figur aus einem Gruselklassiker wirkt. tpg.

Tatort: Borowski und die Sterne

Darsteller:  Axel Milberg   als Klaus Borowski
  Maren Eggert   als Frieda Jung
  Thomas Kügel   als Roland Schladitz
  Hugo Egon Balder   als Bodo Dietrich
  Helen Schneider   als Margret Saloschnik
  Esther Zimmering   als Janis Saloschnik
  Stefan Konarske   als Tim Krabbert
  Hans-Uwe Bauer   als Henning "Hendrix" Krause
  Hermann Beyer   als Eberhard Saloschnik
  Jan Peter Heyne   als Ernst Klee
  Matthias Bundschuh   als Hotelmanager Arved
  Katharina Blaschke  
  Eddy Kante  
  Axel Schreiber  
  Joachim Regelien  
  Renate Becker  
  Günter Kütemeyer  
  Robert Besta  
  Jonas Jägermeyr  
  Gianni Meurer  
  Frédéric Moriette  
  Christoph Gaugler  
  Erich Krieg  
 
Regie:  Angelina Maccarone  
Drehbuch:  Angelina Maccarone  
Produzent:  Kerstin Ramcke  
Kamera:  Hans Fromm  
Schnitt:  Bettina Böhler  
Musik:  Alex Silva  
  Jakob Hansonis  
Produktionsdesign:  Zazie Knepper  
Kostüme:  Karin Lohr  
Ton:  Siegfried Sellentin  
  Detlef Fiebig  

Star

Axel Milberg

Deutscher Schauspieler und Serienstar. In den 90er-Jahren Spezialist für schräge, verschrobene, neurotische und gefährliche Biedermänner mit...

Star

Maren Eggert

Im Kinopsychothriller "Das Experiment" wurde die Schauspielerin Maren Eggert, die bis dahin vorwiegend auf der Theaterbühne gestanden hatte,...

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