Gesellschaftskritisches Drama um einen verarmten Samurai am Ende des 19. Jahrhunderts, der sich lieber um Haus und Hof kümmert, als sich in den Kampf zu stürzen. http://images.kino.de/flbilder/max09/mbiz09/mbiz49/z0949512/b150x150.jpg Tasogare seibei

Filmdetails

Tasogare seibei

Gesellschaftskritisches Drama um einen verarmten Samurai am Ende des 19. Jahrhunderts, der sich lieber um Haus und Hof kümmert, als sich in den Kampf zu stürzen.


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Inhalt

Ein Samurai niederen Ranges lebt nach dem Tode seiner Frau verarmt mit zwei kleinen Töchtern und seiner senilen Mutter ein Leben in verzweifelter Demut - bis ihn die Liebe zu der Schwester seines Jugendfreundes vor neue Herausforderungen und neue Kämpfe stellt.


Kritik

Mit dem einzigen japanischen Beitrag im Wettbewerb der Berlinale 2003 erzählt Altmeister Yoji Yamada, der nicht zuletzt dank seiner mittlerweile 48 Kinokomödien um den unbeholfenen Helden Tora zu den populärsten und innovativsten Filmemachern seines Heimatlands gehört, in seinem ersten Samurai-Film "Samurai in der Dämmerung" von einem eher tragischen männlichen Helden - und dies mit der humanistisch geprägten Ernsthaftigkeit und stillen Melancholie eines Yasuhiro Ozu, dem das Festival gleichzeitig eine Retrospektive widmete. In einem historischen Drama um einen verarmten und verwitweten Samurai, der sich lieber um Haus und Hof kümmert, als sich in den Kampf zu stürzen, spiegelt der 71-jährige Regisseur in ruhigen Bildern die Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs zu Beginn der japanischen Aufklärung gegen Ende des 19. Jahrhunderts wider.

Dieser Seibei Iguchi wird von seinen Kollegen gerne auch "Dämmerlicht-Samurai" genannt - denn während jene noch gemeinsam auf ihren "Feierabend" anstoßen, zieht es diesen zurück zu Haus und Hof, wo auf den Alleinerzieher bis tief in die Nacht nach dem Tod der Frau zwei kleine Töchter, eine senile Mutter, die Hausarbeit und nicht zu vergessen eine Heimarbeitstätigkeit für den lebensnotwendigen Nebenverdienst warten. Mit unaufdringlicher Ironie setzt Yamada hier seine Pointen, wenn der verzweifelt arme Seibei von einem Kampf heimkehrt und seine erste Frage lautet: "Ist die Wäsche drin?", als es gerade zu regnen beginnt. Nicht nur mit der zermürbenden Leidensfähigkeit des "Dämmerlings", die der traditionellen Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft wenig nachsteht, lässt Yamada seine Figuren mit den geschlechtsspezifischen Reglementierungen ihrer Zeit kämpfen: Als Seibei Besuch von Tomoe erhält, der Schwester eines Jugendfreundes, die sich von ihrem trinkenden und schlagenden Mann getrennt hat, bringt sie Licht in das trübe Dasein der Familie und in Seibeis Herz und zeigt sich gleichzeitig als Frau, die den Mut fasst, auf ein eigenes Leben zu insistieren. Tomoes aufrichtige Zuneigung muss jedoch zunächst durch Seibeis unermessliche Demut ob seines niederen Stands unerfüllt bleiben. Erst im unausweichlichen Duell mit Tomoes Ex-Mann beweist der widerwillige Kämpfer sich selbst und seine Liebe, als es ihm erstaunlicherweise gelingt, mit seinem Holzschwert (welches jenes ersetzt, das er zu versetzen gezwungen war) den Gegner niederzustrecken. Was dazu führt, dass der Clan Seibei auffordert, einen abtrünnigen Samurai zu töten - und der Familienvater in einen weiteren Konflikt gestürzt wird: Könnte der Auftrag doch seine finanzielle Not lindern, seinen Status verbessern, doch stehen auch seine uneingestandenen Gefühle und sein Leben auf dem Spiel. In der schönsten und stärksten Sequenz und einer der besten, die er je gedreht hat, konfrontiert Yamada im letzten Akt seinen tragischen Helden, dessen Ordnung wie die des sterbenden Feudalsystems zu zerbrechen droht, mit seiner größten Herausforderung und einem ebenso schwachen und armen Gegner, dessen Tod in Seibeis Augen so wenig Sinn macht, wie der Verzicht auf die Liebe. Der folgende so elegant wie kraftvoll inszenierte Todestanz zwischen Tradition und Aufbruch vermag allein alle Themen des Films, Verzweiflung und Mut zu einem neuen Leben in den Bewegungen des Schwerts und des Samurais auszudrücken. Am Ende steht der aus der Dämmerung Erwachte im sanften Licht der aufgehenden Morgensonne - und Regisseur Yoji Yamada nach langer und in Japan gefeierter Schaffenszeit auch einen Schritt weiter im Licht internationaler Anerkennung.cm.

Tasogare seibei

Darsteller:  Hiroyuki Sanada   als Seibei Iguchi
  Rie Miyazawa   als Tomoe Iinuma
  Nenji Kobayashi   als Chobei Kusaka
  Ren Osugi   als Toyotaro Koda
  Mitsuru Fukikoshi   als Michinojo Iinuma
  Kanako Fukaura   als Yae Iinuma
  Hiroshi Kanbe   als Naota
  Miko Ito   als Kayano Iguchi
  Erina Hashiguchi   als Ito Iguchi
  Reiko Kusamura   als Kayo
  Keishi Arashi   als Hori
  Baijaku Nakamura   als Gonbei Terauchi
  Makoto Akatsuka   als Yazaki
  Senri Sakurai   als Kollege
  Masayasu Kitayama   als Kawanami
  Toshinori Omi   als Otsuka
  Shinjiro Nakamura   als Adeliger
  Min Tanaka   als Zenemon Yogo
  Keiko Kishi   als Ito (alt)
  Tetsurô Tanba   als Yasuzaemon Iguchi
 
Regie:  Yoji Yamada  
Drehbuch:  Yoji Yamada  
  Yoshitaka Asama  
Produzent:  Shigehiro Nakagawa  
  Hiroshi Fukazawa  
  Ichiro Yamamoto  
Buchvorlage:  Shuhei Fujisawa  
Kamera:  Mutsuo Naganuma  
Schnitt:  Iwao Ishii  
Musik:  Isao Tomita  
Produktionsdesign:  Mitsuo Degawa  
Kostüme:  Kazuko Kurosawa  
Ton:  Kazumi Kishida  

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