Regie: Kevin Lima, ...
Verleih: Buena Vista
Tarzans Eltern erleiden vor der Küste Afrikas Schiffbruch und werden kurz darauf von einem Leopard getötet. Baby Tarzan wird von dem Gorilla-Weibchen Kala adoptiert, unter deren Aufsicht er zum athletisch-agilen Adonis heranwächst. Die Ankunft einer Expedition mit Professor Porter, seiner Tochter Jane und dem Großwildjäger Clayton bringt Unruhe in den Dschungel.

Welcome to the Jungle! Als eine der populärsten Figuren der Filmgeschichte erfährt der lendengeschürzte und lianenschwingende "Tarzan" in dem visuell faszinierenden Disney-Animationsabenteuer seine nunmehr 48. Leinwandinkarnation. Dabei handelt es sich um die erste Zeichentrickadaption, die es dank ausgefeilter Deep Canvas-Computertechnik erlaubt, den Titelhelden mit einer unvorstellbaren athletischen Agilität auszustatten. Phil Collins' erfrischender Soundtrack ist ein weiteres Trumpfas im Ärmel dieses prächtigen Films, der es mit Disneys größten Animationshits jederzeit aufnehmen kann. So kommt es nicht von ungefähr, daß der Herr des Dschungels bei seinem US-Start mit 34,4 Mio. Dollar nur knapp hinter dem "König der Löwen" rangierte.
Erstmals seit langem wagt das Disney-Studio wieder, ein wenig von seiner eisernen Formel für Familienunterhaltung abzuweichen. So wird hier nicht das übliche Musical mit vielzähligen obligatorischen Gesangs- und Tanzeinlagen geboten, vielmehr wurden die Kompositionen von Mark Mancina und Lieder von Phil Collins angenehm als Hintergrundmusik als eine Art Kommentar in die aufregende Handlung integriert. Die Songs untermalen die Action, ohne sie zu unterbrechen, was dem fließenden und zügigen Erzählrhythmus zugute kommt. Darüberhinaus wurden die typischen Rollen der geschäftig-putzigen Sidekicks erheblich eingeschränkt, ohne natürlich völlig auf diese patentierte Form des comic relief zu verzichten. Die von Tab Murphy (für das Drehbuch von "Gorillas im Nebel" mitverantwortlich) adaptierte Story des Klassikers von Edgar Rice Burroughs aus dem Jahre 1914 hält sich an die bekannten Richtlinien. Es beginnt mit dem Schiffbruch von Tarzans Eltern vor der Küste Afrikas, die kurz nach dem Bau ihres Familie-Robinson-Baumhauses von einem Leoparden getötet werden. Baby Tarzan wird von dem Gorilla-Weibchen Kala (im Original zartfühlend von Glenn Close gesprochen) adoptiert, die ihr Junges an das selbe Raubtier verloren hat. Herdenführer Kerchak (Lance Henrikson) gemahnt zur Vorsicht gegenüber dem haarlosen Außenseiter, was gleichzeitig einer positiven Botschaft von Toleranz und Akzeptanz Vorschub leistet. Nach einer verspielt-leichtherzigen Phase, die Tarzan als ca. zehnjährigen Draufgänger zeigt, wird er schon bald als junger athletisch-agiler Adonis (Tony Goldwyn) vorgestellt. Abgesehen von spitzen Gesichtszügen und runden Augen ist der Körper dieser muskelbepackten Zeichentrickfigur anatomisch erstaunlich korrekt ausgefallen. Dafür ist Chefzeichner Glen Keane (u. a. "Die Schöne und das Biest") verantwortlich, der sich für Tarzans ultrasportliche Bewegungsabläufe von seinem skateboardfahrenden Sohn inspirieren ließ. Wenn dieser Tarzan hoch über dem Urwaldboden rasend schnell durch die Bäume schwingt (die Naturlandschaften mit ihrer beeindruckenden Bildtiefe sind teils geradezu traumhaft ausgefallen), dann scheint er zu fliegen, zu surfen und zu rollerbladen. Yo, Dschungel-Dude! Gestört wird das Idyll durch die Ankunft einer Expedition mit dem schusseligen Professor Porter, seiner aufgeweckten Tochter Jane (Minnie Driver) und dem hinterlistigen Großwildjäger Clayton. Jane wird in einer atemberaubenden Szene sogleich von einer Horde wütender Paviane überfallen, was Tarzan Gelegenheit gibt, sich als edler Retter in der Not zu erweisen. Trotz einer kulturellen Kluft vom Ausmaß des Kongobeckens verlieben sie sich, und Tarzan muß sich zwischen einem neuen Leben in England und seiner tierischen Familie entscheiden. Doch dann wird auch Claytons wahre Motivation offenbar und vor dem Happy End kommt es zum tragisch angehauchten Eklat.
Das Regisseurteam Kevin Lima ("Der Goofy Film") und Chris Buck gibt mit dem fesselnden Familienabenteuer die Richtung für den Zeichentrickfilm des nächsten Jahrtausends vor: Temporeich, atemberaubend, aber auch sorgfältig in der Charakterisierung der einzelnen Figuren. Man könnte sich eine stärkere Dynamik zwischen Action und stillen Momenten wünschen, aber zahlreiche meisterliche Momente versöhnen mit etwaigen Schwachstellen dieses Filmes, mit dem Disney die Herausforderung von Dreamworks annimmt und dem Spektakel des "Prinz von Ägypten" spielend Paroli bietet. Jetzt ist Katzenberg wieder am Zug: Sein "El Dorado" wird in den USA zu Ostern 2000 in die Kinos kommen. Aber auch erste Bilder aus Warners "Iron Giant" und Fox' "Titan A.E." sind so vielversprechend, daß es bewegt bleiben wird in der Welt der Animation. ara.
| Sprecher: | Tony Goldwyn | als Tarzan | |
|---|---|---|---|
| Minnie Driver | als Jane Porter | ||
| Glenn Close | als Kala | ||
| Brian Blessed | als Clayton | ||
| Nigel Hawthorne | als Porter | ||
| Lance Henriksen | als Kerchak | ||
| Wayne Knight | als Tantor | ||
| Alex D. Linz | als Young Tarzan | ||
| Rosie O'Donnell | als Terk | ||
| Taylor Dempsey | als Young Tantor | ||
| Regie: | Kevin Lima | ||
| Chris Buck | |||
| Drehbuch: | Tab Murphy | ||
| Bob Tzudiker | |||
| Noni White | |||
| Produzent: | Bonnie Arnold | ||
| Buchvorlage: | Edgar Rice Burroughs | ||
| Schnitt: | Gregory Perler | ||
| Musik: | Phil Collins | ||
| Mark Mancina | |||
| Produktionsdesign: | Daniel St. Pierre | ||
| Casting: | Mary Hidalgo | ||
| Ruth Lambert | |||
Lange mussten John Musker und Ron Clements warten, bis sich die beiden erfolgreichsten Zeichentrick-Regisseure aller Zeiten ihren erklärten Traum selbst erfüllen konnten: eine vor Fantasie nur so strotzende Science-Fiction-Version von Robert Louis Stevensons Klassiker "Die Schatzinsel".
Vor 17 Jahren äußerten die beiden in einem Studio-Meeting bei Disney erstmals den Wunsch, die Abenteuer des Jim Hawkins neu zu erzählen - und zwar als überwältigendes Zeichentrickepos.
Damals wurde noch abgewinkt. Lieber gab man dem zweiten Musker-Clements-Vorschlag, "Arielle, die Meerjungfrau", den Zuschlag. Der Stoff war näher an der damaligen Disney-Philosophie und als Projekt deutlich überschaubarer.
Es ist Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet der überwältigende Erfolg von "Arielle" und die daraus resultierende Renaissance des Zeichentrickfilms "Der Schatzplanet" den Weg ebneten. Denn obwohl Musker und Clements mit "Aladdin" und "Hercules" noch zwei weitere Filme einschoben, verloren sie ihre Stevenson-Verfilmung nie aus den Augen.
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Im Weltall gibt es viel zu entdecken
#RIGHT] Der Durchbruch war "Tarzan", bei dem erstmals die Deep-Canvas-Technologie zum Einsatz kam. Sie erlaubt es Animationskünstlern, die Kamera räumlich durchs Bild gleiten zu lassen.
"Der Schatzplanet" verlässt sich in großem Maße auf diese Technik und wirkt daher wie ein Action-Spielfilm, allerdings mit dem Charme, der nur im Animationsfeld möglich ist. Dafür sorgten unter anderem die Topzeichner John Ripa und Glen Keane, die ihre Figuren, Jim Hawkins und Long John Silver, teilweise gleichzeitig auf dem selben Zeichenblatt animierten und die Figuren sozusagen selbst spielten. Und das ist fast so revolutionär wie Deep Canvas.
» Sie haben das Projekt bereits vor 17 Jahren erstmals vorgeschlagen. Entspricht das Ergebnis Ihrer damaligen Vorstellung?
JOHN MUSKER: Das wird Sie überraschen: Ja. Stimmt, vieles wäre damals nicht umsetzbar gewesen - wie der im Computer entstandene Ölgemälde-Look der Hintergründe oder das freie Bewegen der Kamera in Räumen, was erst durch die Deep-Canvas-Technologie umsetzbar gemacht wurde. Aber deshalb haben wir auch so lange mit der Adaption von "Die Schatzinsel" gewartet. Alles sollte bei diesem Projekt perfekt sein, und wir wollten auch nur mit den besten Leuten des Hauses arbeiten. Das Warten hat sich gelohnt!
RON CLEMENTS: Wir hatten aber auch Glück, dass wirklich nur die besten Künstler für unseren Film frei waren. Das ist keinesfalls selbstverständlich, weil bei Disney parallel immer an mehreren Trickfilmen gefeilt wird.
» Wie legten Sie die Mischung aus Abenteuer und Science-Fiction fest, die den besonderen Zauber dieses Films ausmacht?
MUSKER: Wir wollten nicht zuviel Science-Fiction. Der Film sollte auf keinen Fall zu technisch werden. Der Durchbruch kam, als wir uns dafür entschieden, den Film in einem eigenen Universum anzulegen, in dem es auch möglich ist, ohne Sauerstoffanzug im Weltall zu atmen. Diese Entscheidung eröffnete uns ungeahnte Möglichkeiten.
CLEMENTS: Anfangs schwebte uns ein Mix aus 60 zu 40 Prozent vor. Aber das war zu futuristisch. Die letzte Vorgabe für alle Beteiligten war dann 70 Prozent Vorlage, 30 Prozent Science-Fiction.
» Wie teilten Sie beide sich die Arbeit auf?
CLEMENTS: Weil wir streitsüchtig sind, teilten wir die Filme nach Szenen auf. Dann kommt man sich nicht ins Gehege. Aber die wichtigen kreativen Entscheidungen trafen wir natürlich gemeinsam.
» Ihre Sprecher sind allesamt Stars. War dies ihre Traumbesetzung?
MUSKER: Ja, da hatten wir Glück. Anders als bei "Hercules". Da wollten wir eigentlich Jack Nicholson als Hades. Tja, Pech gehabt.
Tom Schumacher: "Ist doch klasse"
» Sie sind Chef der Zeichentrick-Abteilung. Ist "Der Schatzplanet" ein besonders großes Risiko für Disney?
TOM SCHUMACHER: Jeder Film dieser Größe ist ein Risiko. Aber diese Frage wird mir vor jedem Film gestellt - und im Nachhinein heißt es immer: War ja klar, dass es ein Hit wird. Also macht mich allein Ihre Frage schon sehr zuversichtlich.
» Warum funktioniert dieser Film?
SCHUMACHER: Für mich funktioniert er, weil er tolle Charaktere hat. Weil er eine tolle Kulisse hat. Weil die Geschichte von Jim Hawkins so universell und gerade gegenwärtig hochaktuell ist. Das simple Thema ist einfach wundervoll: Junge träumt von Schatz, sucht Schatz, kehrt mit Schatz zurück nach Hause, der aber ein anderer Schatz ist als ursprünglich gedacht - der Schatz ist sein Ich. Ist doch klasse.
Produzent Roy Conli: "Habe jede Sekunde geliebt"
» Sie haben Jahre in den Film investiert...
ROY CONLI:... und jede Sekunde davon geliebt! "Die Schatzinsel" war immer mein Lieblingsroman. Und ich liebe Science-Fiction. Dass ich jetzt mit John und Ronan an einer Filmfassung arbeiten durfte, die beide Elemente vereint, ist die Erfüllung meines Lebenstraums.
» Die Budgets für Trickfilme von Disneys scheinen unermesslich.
CONLI: Natürlich ist das ein Irrtum. Obwohl sich die Arbeit über Jahre erstreckt, ist jeder Schritt minutiös geplant, um die Kosten überschaubar zu halten.
» Ist das möglich, wenn man mit völlig neuen Technologien arbeitet?
CONLI: Sicher. Unsere Entwicklungsphasen sind großzügig bemessen. Und wir arbeiten nur mit den besten Leuten. Da sind Topergebnisse garantiert - und zwar pünktlich.
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