Originaltitel: Takva
Türkei/Deutschland 2006
Erkan Can
Güven Kiraç
Meray Ülgen
Regie: Özer Kiziltan
Verleih: Rif Film
Seit mehr als 30 Jahren hat der streng gläubige Islamist Muharrem (Erkan Can) in der selben traditionellen Nachbarschaft Istanbuls sexuell abstinent gelebt, regelmäßig gebetet und hart gearbeitet. Als eine islamische Organisation auf den introvertierten Asketen aufmerksam wird, stellt sie ihn an, was Muharrem zum ersten Mal in seinem Leben mit der Moderne in Form von Handys, Computern, Alkohol und anderen Sünden konfrontiert. Zu seinem Entsetzen kann er den Versuchungen nicht widerstehen.
Das in Berlin 2007 mit dem Fipresci-Preis gekürte deutsch-türkische Psychodrama lässt lebensnah und manchmal auch surreal fanatischen Glauben und westliche Lebensweise aufeinanderprallen - mit dramatischen Auswirkungen. Aufrüttelndes Arthaus-Kino.

Fatih Akin koproduzierte den packenden Religionsthriller um Glauben und Geschäftemacherei in einem fantastisch fotografierten Istanbul.
Fatih Akin ("Auf der anderen Seite") wird mehr und mehr zum Mittler zwischen westlichen Kulturvorstellungen und muslimischen Wertehaltungen und bringt dabei ein Mal mehr einen großen Wurf zu Stande. Das inszenatorische Verdienst des zunehmend fesselnder werdenden Religionsthrillers geht auf das Konto von Özer Kiziltan, der fünf Jahre an seinem Spielfilmdebüt arbeitete, mit unheimlicher Konsequenz von Fundamentalismus, Fanatismus und Fahrt in den Wahnsinn erzählt und Preise in Berlin, Antalaya und Toronto gewann.
Der 45-jährige Lagerverwalter Muharrem (Erkan Can), ein streng gläubiger Muslim, lebt nach den Vorschriften seiner Sekte, die in einem der ältesten Stadtteile Istanbuls im Dergah-Kloster residiert und ein Leben in Demut und Gottesfurcht propagiert. In seiner Vorstellung ist es der Teufel möglicherweise, der ihn fast jede Nacht mit erotischen Träumen und ihren feuchten Folgen konfrontiert. Als Muharrem vom Scheich des Stifts beauftragt wird, die Mieten für die 43 Wohnhäuser, 35 Geschäftsräume und 7 Grundstücke mit Lagerräumen, die dem Orden gehören, zu kassieren, muss er ins Kloster umziehen, wird zum Geschäftsmann und mit der modernen Geschäftswelt zwischen Schmiergeldern und Mietwohnungsterror konfrontiert. Muharrem geht am Missverhältnis dieser Geschäftemacherei und Heuchelei des Ordens, fundamentalistischen Vorschriften und eigenen Glaubenswünschen zu Grunde.
Vom Hauptdarsteller Erkan Can überwältigend gespielt, wird das seelische Armageddon Muharrems, der die Moderne mied und nun umso heftiger auf sie trifft, eine teils Furcht erregende Reise in eine abgeschottete Welt, wo Gläubige sich bei Gesängen in religiöse Ekstase steigern und den Konflikt ihrer Werte mit der Globalisierungskultur wegargumentieren. Das ausgefeilte Tondesign unterstützt den Schwindel erregenden Fall Muharrems in einem Istanbul, über dem ständig Regenwolken hängen und Schneefälle niedergehen, eine Stimmung , die Kiziltan als die "einer verlassenen Braut und verlebten Schlampe" bezeichnet. Die aber Werke hervorbringt, die das türkische Kino zum aufregenden Filmland machen und "Takva" zur Oscar-Nominierung führten. ger.
| Darsteller: | Erkan Can | als Muharrem | |
|---|---|---|---|
| Güven Kiraç | als Rauf | ||
| Meray Ülgen | als Seyh | ||
| Öznur Kula | als Hacer | ||
| Settar Tanriogen | als Ali Bey | ||
| Erman Saban | als Muhittin | ||
| Müfit Aytekin | als Ünal | ||
| Salaetin Bilal | als Sükrü | ||
| Murat Cemcir | als Mahmut | ||
| Feridun Koc | als Muzaffer | ||
| Regie: | Özer Kiziltan | ||
| Drehbuch: | Onder Cakar | ||
| Produzent: | Fatih Akin | ||
| Onder Cakar | |||
| Sevil Demirci | |||
| Klaus Maeck | |||
| Andreas Thiel | |||
| Kamera: | Soykut Turan | ||
| Schnitt: | Andrew Bird | ||
| Musik: | Gökçe Akçelik | ||
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