Originaltitel: Notes on a Scandal
USA/Großbritannien 2006
Cate Blanchett
Dame Judi Dench
Bill Nighy
Regie: Richard Eyre
Verleih: Fox
Die St. George's School in Nordlondon hat einen Neuzugang: Kunstlehrerin Sheba Hart (Cate Blanchett), die sphinxhaft schön, aber pädagogisch unvermögend ist. Ihre Kollegin Barbara Covett (Judi Dench) fühlt sich rasch von ihr sexuell angezogen, beobachtet aber entsetzt, wie Sheba mit Steven Connelly (Andrew Simpson), einem ihrer Schüler, schläft. Anstatt sie zu melden, entschließt sich Barbara, das skandalöse Geheimnis für sich zu behalten - und rettet damit Shebas Ehe mit Richard (Bill Nighy). Doch sie zahlt einen hohen Preis dafür.
Ambivalente Charaktere, Pädophilie, Klassenneid, Erpressung - Richard Eyre ("Stage Beauty") schöpft aus dem Vollen. Seine von preisverdächtigen Schauspielleistungen getragene Literaturadaption mündet alsbald gar in ein düsteres Gothic-Melodram.
Sex mit einem Schüler: Judi Dench verrät aus Rache Cate Blanchetts verhängnisvolle Affäre.
Zwei gegensätzliche Frauen, die durch die Hölle gehen: Als die hübsche Lehrerin Sheba Hart (Cate Blanchett) für den Kunstunterricht an die Schule kommt, gewinnt sie die Herzen von Schülern und Kollegen sofort. Sogar der verbitterten Barbara Covett (Dame Judi Dench) entlockt sie ein Lachen. Und als sie die einsame Kollegin, der nur eine Katze Gesellschaft leistet, gar noch sonntags in ihre Familie einlädt, ist das Eis gebrochen. Die beiden werden Freundinnen.
Doch bald stellt sich heraus, dass Sheba und Barbara unterschiedliche Vorstellungen von Freundschaft haben. Barbara drängt sich massiv in das Leben der jungen Frau, will sie besitzen und kontrollieren.
Als Sheba sich in eine Affäre mit einem Schüler verstrickt, ist das für die hinterhältige Freundin ein Schock und ein Mittel, Sheba zu erpressen. Sollte die das Verhältnis nicht beenden, werde nicht nur der Ehemann, sondern auch die Öffentlichkeit alles erfahren.
Wenn zwei hochkarätige Schauspielerinnen wie Judi Dench und Cate Blanchett in einem psychologischen Thriller aufeinandertreffen, kann das nur in einem brillanten Gefühlsfeuerwerk enden. Bei dem Skandal, der Existenzen zerstört und Beziehungen zerreißt, gibt es kein Gut, kein Böse und keine Sieger. Verbotene Lust, geheime Sehnsüchte, persönliche Enttäuschungen - ein atemberaubender Mix, der unter die Haut geht.
| Darsteller: | Cate Blanchett | als Sheba Hart | |
|---|---|---|---|
| Dame Judi Dench | als Barbara Covett | ||
| Bill Nighy | als Richard Hart | ||
| Andrew Simpson | als Steven Connolly | ||
| Tom Georgeson | als Ted Mawson | ||
| Philip Davis | als Brian Bangs | ||
| Michael Maloney | als Sandy Pabblem | ||
| Joanna Scanlan | als Sue Hodge | ||
| Shaun Parkes | als Bill Rumer | ||
| Regie: | Richard Eyre | ||
| Drehbuch: | Patrick Marber | ||
| Produzent: | Scott Rudin | ||
| Robert Fox | |||
| Ausf. Produzent: | Redmond Morris | ||
| Buchvorlage: | Zoe Heller | ||
| Kamera: | Chris Menges | ||
| Schnitt: | John Bloom | ||
| Antonia van Drimmelen | |||
| Musik: | Philip Glass | ||
| Produktionsdesign: | Tim Hatley | ||
| Kostüme: | Tim Hatley | ||
| Casting: | Maggie Lunn | ||
| Shaheen Baig | |||
Die Berlinale 2007 ist vorbei. Und zum Schluss gab es im Wettbewerb noch einmal bemerkenswertes Kino. Bemerkenswert auch die Entscheidungen der Jury bei der Bärenverleihung - keiner der vorher als Favoriten Gehandelten gewann! Dafür mit Nina Hoss eine Deutsche!
Strahlende Sieger: Regisseur Wang Quan'an, seine Hauptdarstellerin Yu Nan aus "Tuyas Ehe" und Nina Hoss (Foto: Berlinale)
Und die freute sich sichtlich, als sie für ihre Rolle in Christian Petzolds "Yella" den Silbernen Bären in Empfang nahm. Eine schöne Überraschung für Hoss, ein kleiner Triumph für den deutschen Film. Zwar gab es nur zwei Beiträge im Wettbewerb, dafür waren "Yella" und das KZ-Drama "Die Fälscher" inhaltlich umso überzeugender.
Doch vorm großen Preisregen gab es noch ein paar interessante Wettbewerbsfilme zu gucken. Mit großem Jubel bedacht wurde "Hallam Foe" mit "Billy Elliot"-Star Jamie Bell als Voyeur in der Hauptrolle. Britisches Kino vom Feinsten, aber wohl nicht ohne Herausforderungen beim Dreh, wie Jamie Bell erzählte: "Wir nannten den Film während der Dreharbeiten einen wunderschönen Albtraum!"
Regisseur David Mackenzie mit Jamie Bell und Sophia Myles aus "Hallam Foe" (Foto: Berlinale)
Fasziniert vom Thema Voyeurismus in "Hallam Foe" fragte ein Journalist nach Ferngläsern. Die seien beispielsweise in New York gerade der Verkaufsrenner. Verstohlen lächelnd gab Jamie Bell zu, er habe gerade ein paar Monate in New York verbracht und per Fernglas reichlich Leute beobachtet. "Ich wollte verstehen, warum Hallam tut, was er tut! Ich beobachtete diesen einen Typen. Der kam jeden Tag um 7 Uhr von der Arbeit heim, immer im Anzug. Den zog er dann aus bis auf die eng sitzenden weißen Unterhosen und schaute dann mit seinem Hund fern. Ich nannte ihn 'Tighty Whity'!" Darauf gab es großes Gelächter im Saal. Jamie Bell - ganz klar einer der späten Lieblinge dieser Berlinale.
Schließlich lief der angebliche Skandalfilm aus China "Lost in Bejing". Mag ja sein, dass drei Beischlafszenen in den ersten 20 Minuten in China Aufsehen erregen. Doch eine ruckelnde, dauernd unscharfe Kamera und eine eher triviale Story um Seitensprünge und Sehnsüchte von Großstädtern - das konnte kaum begeistern.
Festival-Dauergast François Ozon brachte zum Abschluss dann noch seinen Film "Angel" mit - eine Geschichte aus dem 20. Jahrhundert über Aufstieg und Fall einer Schriftstellerin, die aus armen Verhältnissen stammt. Opulent und glaubwürdig erzähltes Ausstattungskino mit guten Darstellern. Ein starker Abschluss eines insgesamt sehr durchwachsenen Festivals.
Die großen filmischen Überraschungen - abgesehen vielleicht von der visuell innovativen Comic-Verfilmung "300" - fehlten. Der Goldene Bär ging schließlich auch nicht an einen der Favoriten bei der Presse wie "Irina Palm" oder den Brasilianer "Das Jahr als meine Eltern im Urlaub waren". Stattdessen machte der chinesische Film "Tuyas Ehe" über das Hochzeitsstreben einer mongolischen Bäuerin das Rennen. Damit hatte kaum jemand gerechnet.
Dennoch bot die diesjährige Berlinale den Festivalgästen vieles. Mit Cate Blanchett, Dame Judi Dench, Robert De Niro, Clint Eastwood, Matt Damon, Antonio Banderas, Lauren Bacall, Jennifer Lopez und Marianne Faithfull waren reichlich Stars an der Spree. Im Gepäck hatten sie "La vie en rose", "Tagebuch eines Skandals", "Der gute Hirte" und "Letters From Iwo Jima" - alles Filme, auf die man sich im Kino freuen darf.
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