Charlotte Rampling
Ludivine Sagnier
Charles Dance
Regie: François Ozon
Verleih: Constantin
Um eine kreative Schaffenskrise zu bewältigen bzw. zurück zu altem Lebensmut zu finden, entsendet ihr britischer Verleger Bosload (Charles Dance) die alternde Literaturdiva Sarah Morton (Charlotte Rampling) zur Erholung auf sein Landgut in Südfrankreich. Dort macht die alte Dame die Bekanntschaft von Bosloads sinnenfroher Tochter Julie (Ludivine Sagnier), einer von keinerlei Moralempfinden getrübten Lolita-Schlampe par excellence. Zwischen den so unterschiedlichen Frauen entwickelt sich eine brisante Beziehung.
Frankreichs stilvoller Regie-Shooting-Star François Ozon ("Acht Frauen") versucht sich in seiner ersten englischsprachigen Arbeit an einem Suspense-Thriller a la Hitchcock / Highsmith.
Erotik, Spannung, Verführung: In der Hitze des Südens treffen Ludivine Sagnier und Charlotte Rampling aufeinander und müssen nach einigem Stress eine unbequeme Leiche entsorgen.
Welcher Mann kann bei dieser sich am Pool räkelnden Ludivine Sagnier "Nein" sagen (Foto: Constantin)
Raffiniert, wie Francois Ozon "Sex and Crime" in diesem heißen Krimi unter der brennenden Sonne Südfrankreichs mischt. Nach seinem Erfolg "8 Frauen" konzentriert er sich hier auf zwei Ladies, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Die britische Krimiautorin Sarah Morton leidet unter einer Schreibblockade und wird von ihrem Verleger zu Urlaub und Inspirationssuche in sein Landhaus in der Provence geschickt.
Doch mitten in der Nacht taucht dessen 20jährige Tochter Julie auf, die ungeniert mit jedem verfügbaren Typen ins Bett geht - und das unter den Augen der Älteren, die das wilde Treiben "shocking" findet.
Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier schenken sich anfänglich nichts. Die kultivierte Engländerin Sarah kann mit dem blonden Gift Julie wenig anfangen, das sich am Swimming Pool räkelt und ausgerechnet den Typen aus dem Dorf verführt, bei dem die Schriftstellerin glaubte, so etwas wie Seelenverwandtschaft zu spüren.
Doch aus Neid und Konkurrenz wird Komplizenschaft, als Julie ihren Lover brutal ins Jenseits befördert und Sarah hilft, die Leiche im Garten zu vergraben. Bei der Autorin sprudeln plötzlich wieder die Ideen, sie greift fleißig in die Tasten und erzählt Julies Geschichte, missbraucht deren Vertrauen. Oder nicht?
Zwischen Fantasie und Wahrheit verwischen sich die Grenzen, Ozon führt listig auf falsche Fährten, spielt mit dem Genre in bester Tradition von Patricia Highsmith. Nichts ist so, wie wir vielleicht glauben, trotz größter Mühe kommen wir Ozon bei diesem fein gesponnenen Verwirrspiel nicht auf die Schliche.
Mit "Swimming Pool" hat der einfallsreiche Franzose nun einen dichten, psychologischen Thriller mit zwei seiner Lieblingsschauspielerinnen gedreht. Für Charlotte Rampling ("Unter dem Sand") schrieb er den Part der anfänglich frustrierten, dann immer mehr aufblühenden Frau in den besten Jahren, die eine geheimnisvolle Erotik ausstrahlt, die Mademoiselle Sagnier als kleines Luder trotz aller provokativen Nacktheit noch nicht erreicht.
Es macht Spaß zuzusehen, wie die Frauen alle hinters Licht führen. Und wenn am Ende noch einmal der Plot auf den Kopf gestellt wird, ist die Überraschung perfekt.
Die Leichtigkeit des Seins und die Schwere des Daseins sind hier keine Gegensätze, sondern ergänzen sich zu einem hochkarätigen Kinostück, das in immer neuen Facetten glitzert wie ein lupenreiner Diamant.
Ruhig liegt der Pool. Davon lässt sich der gewiefte Kinofreak nicht täuschen. Er weiß genau: Unter der glatten Oberfläche brodelt es gewaltig.
| Darsteller: | Charlotte Rampling | als Sarah Morton | |
|---|---|---|---|
| Ludivine Sagnier | als Julie | ||
| Charles Dance | als John Bosload | ||
| Marc Fayolle | als Marcel | ||
| Jean-Marie Lamour | als Franck | ||
| Mireille Mosse | als Marcels Tochter | ||
| Michel Fau | als erster Mann | ||
| Jean-Claude Lecas | als zweiter Mann | ||
| Emilie Gavois Kahn | als Kellnerin im Café | ||
| Erarde Forestali | als alter Mann | ||
| Lauren Farrow | als Julia | ||
| Sebastian Harcombe | als Terry Long | ||
| Frances Cuka | als Frau in der U-Bahn | ||
| Keith Yeates | als Sarahs Vater | ||
| Tricia Aileen | als Bosloads Sekretärin | ||
| Glen Davies | als Barkeeper | ||
| Regie: | François Ozon | ||
| Drehbuch: | François Ozon | ||
| Emmanuèle Bernheim | |||
| Produzent: | Olivier Delbosc | ||
| Marc Missonnier | |||
| Koproduzent: | Timothy Burrill | ||
| Kamera: | Yorick Le Saux | ||
| Schnitt: | Monica Coleman | ||
| Musik: | Philippe Rombi | ||
| Produktionsdesign: | Wouter Zoon | ||
| Kostüme: | Pascaline Chavanne | ||
| Ton: | Lucien Balibar | ||
| Jean-Pierre Laforce | |||
| Casting: | Antoinette Boulat | ||
| Sarah Bird | |||
Nach seinem Erfolg "8 Frauen" überrascht François Ozon mit dem doppelbödigen Mystery-Krimi "Swimming Pool", in dem seine beiden Lieblingsschauspielerinnen Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier unter der Sonne Südfrankreichs erst miteinander konkurrieren, um sich dann gegen die Männerwelt zu verbünden.
» Sie drehten auf Englisch - mit Blick auf eine internationale Karriere?
FRANÇOIS OZON: "Swimming Pool" ist eine französisch-englische Koproduktion und erzählt von einer Engländerin in Frankreich. Ein Ticket nach Hollywood hatte ich mitnichten im Sinn. Es wäre lächerlich, wenn Charlotte Rampling als Schriftstellerin mit Schreibblockade Französisch gesprochen hätte. Wenn ich große Filme machen will, muss ich nicht nach Amerika. Ich kann dafür auch in Europa Geld auftreiben.
Meine Ideen sind simpel und meine Filme auch. Mir geht es um die Untiefen menschlicher Beziehungen, nicht darum, teuere Spezialeffekte auf die Leinwand zu knallen. "Matrix" ist schon beim Anschauen zu kompliziert für mich.
» Nach "8 Frauen" begnügen Sie sich hier mit zwei Ladies.
Eine wahre Erholung, eine Art Ferien im Gegensatz zum Stress bei den Dreharbeiten zu "8 Frauen". Aber ich wollte es ja so. Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier sind meine Freundinnen, wir arbeiteten entspannt und vertrauensvoll.
» Fungiert Charlotte Rampling als Ihre Muse?
Sie inspiriert mich und ich bin ihr sehr nahe. Ich muss nicht tonnenweise Psychologie verbreiten, wir verstehen uns ohne große Worte. Erstmals habe ich das Drehbuch auf eine Schauspielerin hin geschrieben. Sie trifft genau die Gefühle, die ich dem Publikum vermitteln will, verleiht dem Alltag ein Geheimnis. Allerdings muss sie aufpassen, dass ich sie nicht aussauge. Wir Regisseure ähneln oft Vampiren.
» Auffallend in Ihren Filmen ist die Distanz zur Realität. Es gibt immer einen Twist, der alles auf den Kopf stellt.
Filme müssen für mich auf verschiedenen Ebenen spielen, zwischen Fantasie, Traum und Realität hin- und herjonglieren. Imagination kann den Zuschauer entführen und verführen. Er soll ein wenig verwirrt und verloren sein.
Ich würde sagen: Twists und Überraschungen ja, Gags nein. Nicht alles darf über den Dialog laufen. Der interessiert mich insofern, als er eine Lüge ist, sollte aber nicht die Dinge erklären. Ich erkläre Zusammenhänge lieber durch Stille oder Aktionen und Reaktionen der Figuren.
» Sechs Filme in sechs Jahren, woher nehmen Sie die Energie?
Ein Film pro Jahr ist schon sehr intensiv, weil ich mich beim Drehen verausgabe. Ich bin kein 100-prozentiger Perfektionist, verzichte auf das Storyboard und lasse Situationen auf mich zukommen, auch auf die Gefahr hin, mal einzubrechen. Diesen Tanz am Rande des Wahnsinns brauche ich einfach. Da kocht man gemeinsam wie in einem Topf, bei dem in jedem Moment der Deckel hochfliegen kann, weiß nicht, was im Rest der Welt passiert, und konzentriert sich nur auf die Arbeit - für mich so etwas wie ein aufregendes Liebesabenteuer.
Dafür mache ich es mir beim Drehbuchschreiben etwas gemütlicher und ziehe mich aufs Land zurück, möglichst weit weg von Paris, weil mir in dem Großstadt-Chaos nichts einfällt. "Swimming Pool" habe ich auf Französisch geschrieben, und es bereitete uns einige Probleme, typische Redewendungen ins Englisch zu übersetzen.
» Gibt es einen losen Verbund zwischen den Regisseuren Ihrer Generation in Frankreich?
Ich bin ein ziemlicher Einzelgänger. Die ganz Jungen kenne ich nicht. Aber ich verfolge natürlich, was Gaspar Noé oder Claire Denis fabrizieren. Mich interessieren experimentierfreudige Regisseure, die mit dem traditionellen französischen Film und dessen Bildern brechen. Ehrlich gesagt, herrschen ziemlich viel Rivalität und Eifersucht, aber wo nicht?
Die Exponenten der Nouvelle Vague waren als Journalisten noch enge Freunde, als es ans Filmen ging, fiel der Vorhang. Chabrol und Godard würden sich heute sicher nicht mehr an einen Tisch setzen.
» Wovon handelt Ihr nächster Film "5 x 2"?
Ich erzähle eine Liebesgeschichte, ein kleiner Film, wie immer produziert von Fidélité Productions, mit Valeria Bruni-Tedeschi in der Hauptrolle.
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