Martin Compston
Michelle Coulter
Annmarie Fulton
Regie: Ken Loach
Verleih: ottfilm
Ausgerechnet am Tage seines 16. Geburtstages soll Liams Mutter aus dem Gefängnis entlassen werden. Um der Mama ein Heim abseits ihres dealenden Lebensgefährten und des kriminellen Großvaters zu bieten, versuchen Liam (Martin Compston) und sein heroinsüchtiger Kumpel Pinball (William Ruane) ein Ersatz-Heim in einem liebevoll renovierten "Wohnwagen mit Aussicht" zu schaffen. Leider liegt das Geld für dieses noble Vorhaben in einer Stadt wie Glasgow nicht auf der Straße...
Britannias Working-Class-Director Ken Loach, wieder im Verbund mit seinem erprobten Autor Paul Laverty, liefert eine gewohnt überzeugende Milieustudie. Großen Anteil daran hat Hauptdarsteller Martin Compston, ein schauspielerisches Ausnahmetalent - und nebenbei ein Fußballer mit Profi-Ambitionen!

Der Drehbuchpreis in Cannes für Paul Laverty ist ebenso eine Ehrung für Regisseur Ken Loach, der zum vierten Mal mit Laverty zusammenarbeitet und in einem furiosen Comeback, das so niemand erwartet hätte, eine ungewöhnlich kraftvolle, ökonomisch erzählte und glaubwürdige Story über einen schottischen Teenager zwischen Armut und Kriminalität hinlegt. Ein Großteil des Gelingens der bewegenden Studie beruht auf der herausragenden Leistung des 16-jährigen Naturtalents Martin Compston, der für den Darstellerpreis gehandelt wurde aber gegen Olivier Gourmet ("Les fils") verlor und eine Fußballkarriere begonnen hat.
Im Film wird der mitreißende Compston, in beinahe jeder Szene präsent, als Liam am Tag seines 16. Geburtstages auch verlieren aber Loach und Laverty gelingt es, die bittere Enttäuschung als notwendigen Schritt in Liams Entwicklung deutlich zu machen. Liam, der auf die Entlassung seiner Mutter Jean (Michelle Coulter) aus dem Gefängnis wartet, wird zu Beginn als Boy mit Rückrat charakterisiert, als er sich weigert, Jean das von ihrem Lover Stan und Großvater Rab ins Gefängnis zu schmuggelnde Heroin per Zungenkuss zu übergeben. Von den Männern brutal niedergeschlagen und hinausgeworfen, richtet er sich bei seiner Schwester Chantelle (Annmarie Fulton als patentes Working-Girl mit Baby) ein und organisiert mit seinem Junkie-Freund Pinball (William Ruane, ein "Trainspotter" ohne Aussicht) Gelegenheitsjobs und Drogenhandel: alles um Jean Heim und Familie zu schaffen. Durch Cleverness, Disziplin und Initiative landet Liam im Team des örtlichen Gangsterbosses, der ihn einer haarsträubenden Mutprobe unterzieht.
Liams Illusionen, Träume und Hoffnungen werden - so realistisch war Loach immer - zunehmend zerstört. Pinball, der nicht in die Gang aufgenommen wurde, fackelt Liams für Jean angezahlten Wohnwagen mit Aussicht über Glasgows Vororte Greenock und Invercyde ab und legt sich mit der Gang an. Als Jean aus dem Knast kommt, steht der eigentliche Konflikt hammerhart vor Liams Zukunft. Loach inszeniert gewohnt funktional und direkt und holt aus den Laien und Jungschauspielern das Maximum an Natürlichkeit. Weniger eine Crime Story als ein eminent packender Film über den Druck auf einen Teenager, der die Wirklichkeit nach seinem Bilde formen will und nicht sieht, was möglich ist und was nicht, ist "Sweet Sixteen" (der Titel konterkariert ironisch Liams Plackerei) eine fehlerlose, mit Galgenhumor getränkte aufrüttelnde Teenager-Tragödie über die Opfer der industriellen Krisen. Für Arthouse-Kinos ideal als bittersüße Sozialkost. ger.
| Darsteller: | Martin Compston | als Liam | |
|---|---|---|---|
| Michelle Coulter | als Jean | ||
| Annmarie Fulton | als Chantelle | ||
| William Ruane | als Pinball | ||
| Gary McCormack | als Stan | ||
| Tommy McKee | als Rab | ||
| Michelle Abercromby | als Suzanne | ||
| Calum McAlees | als Calum | ||
| Robert Rennie | als Scullion | ||
| Martin McCardie | als Tony | ||
| Jon Morrison | als Douglas | ||
| Matt Costello | als Motorradpolizist | ||
| Regie: | Ken Loach | ||
| Drehbuch: | Paul Laverty | ||
| Produzent: | Rebecca O'Brien | ||
| Koproduzent: | Ulrich Felsberg | ||
| Gerardo Herrero | |||
| Kamera: | Barry Ackroyd | ||
| Schnitt: | Jonathan Morris | ||
| Musik: | George Fenton | ||
| Produktionsdesign: | Martin Johnson | ||
| Fergus Clegg | |||
| Kostüme: | Carole K. Millar | ||
| Ton: | Ray Beckett | ||
Gerade mal 27 und schon die beliebteste Schauspielerin des Kontinents: Kate Winslet wurde für ihre Performance in "Iris" in Rom als "Best Actress" ausgezeichnet.
Eine besondere Ehre für die "Titanic"-Beauty, denn es war das Kinopublikum, dass sie mit dem "Peoples Choice Prize" zur Gewinnerin bestimmte. Entsprechend begeistert äußerte sich Kate denn auch in ihrer Dankesrede:
"Ich fühle mich sehr geschmeichelt, denn gerade ein Publikeumspreis ist etwas wirklich Wunderbares. Ohne die großartige Leistung von Judi Dench hätte ich das allerdings nie geschafft."
Winslet spielt im Drama von Richard Eyre die junge Literatin und Philosophin Iris Murdoch, während Oscar-Preisträgerin Judi Dench die alternde Iris porträtiert.
Ken Loach gewann für sein mutiges Soziodram "Sweet Sixteen" in Rom den Kritikerpreis: "Immer wenn ich einen meiner Filme Kritikern zeige, komme ich mir wie ein Laternenpfahl vor, der auf die Hunde wartet", scherzte Loach, als er die Auszeichnung entgegennahm.
Beste Chance auf Lob von Kritik und Publikum dürfte Kate Winslet mit ihrem nächsten Projekt haben: Ab 6. März 2003 ist sie neben Kevin Spacey in "The Life of David Gale" zu sehen. Spacey spielt einen Gegner der Todesstrafe, der sich plötzlich selbst in der Todeszelle wiederfindet, weil er einen seiner Mitstreiter ermordet haben soll. Winslet versucht als findige Journalistin Bitsey Bloom, den Fall aufzuklären.
Mit Regie-Ass Alan Parker ("Evita", "Commitments") steht Kate dabei neben dem doppelten Oscar-Gewinner Spacey ein weiterer Hochkaräter zur Seite.
Am besten, Kate probt schon mal die nächste Dankesrede.
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.