François Goeske
Sarah Beck
Zoe Moore
Regie: Marie Reich
Verleih: Universum (Walt Disney)
Als sich die Eltern des 15-jährigen Alex (François Goeske) scheiden lassen, steht die Welt des Teenagers Kopf: Die neue Freundin seines Vaters Steffen (Christian Nickel) ist schwanger, seine Mutter Diana (Karoline Eichhorn) zieht mit ihrem neuen Freund Seth (Alexander Beyer) ins öde Südengland - und nimmt Alex mit. Der Heimwehgeplagte lernt erst Louie (Zoe Moore) kennen und kurz darauf Seths Tochter Faye (Sarah Beck), die ihn total verzaubert.
Witzig und einfühlsam beschreibt Marie Reich, die auch das Buch zu "Die wilden Hühner und das Leben" schrieb, das allmähliche Erwachsenwerden eines Jugendlichen unter alles anderem als einfachen Bedingungen. Ihr ehrliches, sommerliches Coming-of-Age-Drama sprengt lustvoll alte Gewohnheiten auf.

Durch die Trennung der Eltern und erste Liebeserfahrungen reift ein Jugendlicher zum verantwortungsvollen und selbstbewussten jungen Mann.
Nach ihrem preisgekrönten Kurzfilm "Musik nur wenn sie laut ist" gibt Marie Reich mit dieser leisen Coming-of-Age-Story ihr Regiedebüt. Basierend auf Julia Clarkes gleichnamigen Roman setzt die Tochter der Produzenten Uschi Reich und Peter Zenk breit gefächert auf die Lebens- und Gefühlswelt Jugendlicher und auf ihren Hauptdarsteller François Göske, der schon in "Das fliegende Klassenzimmer" und "Bergkristall" sein Talent unter Beweis stellte. Er spielt den 15-jährigen Alex (was mit seinen 20 Jahren etwas riskant ist), dessen junges Leben so richtig durcheinander geschüttelt wird. Die Eltern trennen sich und planen den Verkauf des Familienhauses, Vater hat eine schwangere Freundin und Mutter einen neuen Lover, mit dem sie den Sommer in Südengland verbringen will. Alex begleitet sie nur widerwillig in die für ihn öde Pampa von Kent. Als er dort ein ausgeflipptes Mädchen kennen lernt, gefällt ihm die neue Umgebung schon besser, obendrein verknallt er sich in seine aus Amerika angereiste "Fast"-Schwester, doch bevor er das Kribbeln im Bauch richtig deuten kann, muss er zurück zum durch die verfrühte Geburt des Babys völlig überforderten Daddy. Im heimischen Chaos übernimmt er Verantwortung wie ein Großer.
Mit leichter Hand und melancholischem Unterton sind Unbill und Unsicherheiten eines Heranwachsenden inszeniert, der seinen Gefühlen noch nicht traut und wenn's um Mädels geht, alles falsch macht. Kein Wunder, dass ihn der "Summertime Blues" packt. Marie Reich gelingt ein atmosphärisch stimmiges Erstlingswerk, sie nimmt ihre jugendlichen Protagonisten ernst und verzichtet konsequent auf krude Teenie-Sexkomik oder kitschige Romantic-Comedy-Elemente. Die Jungen müssen noch lernen, Emotionen anzunehmen und auszudrücken, die Älteren haben beides verlernt. Ein authentischer Film über Patchworkfamilien, den komplizierten Prozess des Erwachsenwerdens und die erste Liebe, die Suche nach einem Platz im Leben mit großer Identifikationsmöglichkeit für Jugendliche. Der lockere Umgang mit Problemen, der gut angerichtete Mix aus Tiefgang und zurückhaltendem Humor heben "Summertime Blues" von den 08/15-Filmen dieses Genres wohltuend ab. Zum Auf und Ab der Gefühlwogen passen der Soundtrack mit Musik des Komponisten Youki Yamamoto, der schon für Oliver Stone und JohnWilliams orchestrierte, und die gut getimten Songs des Münchner Komponisten Jakob Anthoff ("Die wilden Hühner"), klassische Rockballaden, die zu Herzen gehen. mk.
| Darsteller: | François Goeske | als Alex Homann | |
|---|---|---|---|
| Sarah Beck | als Faye | ||
| Zoe Moore | als Louie | ||
| Karoline Eichhorn | als Diana Homann | ||
| Alexander Beyer | als Seth McElroy | ||
| Christian Nickel | als Steffen Homann | ||
| Maja Schöne | als Mandy Teubner | ||
| Jonathan Beck | als Danny Schmidt | ||
| Regie: | Marie Reich | ||
| Drehbuch: | Friederike Köpf | ||
| Uschi Reich | |||
| Robin Getrost | |||
| Produzent: | Uschi Reich | ||
| Bernd Krause | |||
| Koproduzent: | Peter Zenk | ||
| Martin Blankemeyer | |||
| Tobias Alexander Seiffert | |||
| Tania Reichert-Facilides | |||
| Benjamina Mirnik | |||
| Ausf. Produzent: | Martin Moll | ||
| Buchvorlage: | Julia Clarke | ||
| Kamera: | Egon Werdin | ||
| Schnitt: | Barbara von Weitershausen | ||
| Musik: | Youki Yamamoto | ||
| Produktionsdesign: | Heike Lauer-Schnurr | ||
| Kostüme: | Astrid Karras | ||
Mit der Coming-of-Age-Geschichte "Summertime Blues" gibt Marie Reich ihr Langfilmdebüt. Produziert hat es ihre Mutter Uschi Reich. Welchen Einfluss die Mutter-Tochter-Konstellation auf den Film hatte, verrät Marie Reich auf KINO.DE.
Die erste große Liebe steht im Zentrum von "Summertime Blues" (Foto: Universum (Walt Disney))
Warum ist "Summertime Blues" Ihr erster langer Spielfilm?
MARIE REICH: Bei "Summertime Blues" kamen viele Faktoren zusammen. Mir hat die Geschichte mit ihren verschiedenen Charakteren sehr gut gefallen, ich mag den britischen Humor und England. Außerdem ist mir die Story sehr nah, ich konnte mich gut in die Altersgruppe hineinversetzen. Das Thema Erwachsenwerden ist natürlich relativ wichtig, aber für mich stand auch die Scheidungsgeschichte und das Phänomen Patchworkfamilie sehr im Vordergrund. Ein Thema, das die meisten gut nachvollziehen können.
Im Gegensatz zur US-Teenie-Komödie mit ihren sexuellen Anzüglichkeiten nähern Sie sich der ersten Liebe sehr zart.
Ich wollte nicht so etwas Klamottenmäßiges. Ich lege nicht so viel Wert auf Äußerlichkeiten, sondern mehr auf die Figuren. Sie werden nicht oberflächlich abgehandelt, sondern haben Tiefgang.
Maria Reich war begeistert, endlich ihren ersten langen Spielfilm zu drehen (Foto: Universum (Walt Disney))
Wie war die Zusammenarbeit mit einem jungen Autorenteam?
Sehr angenehm. Natürlich hat es in manchen Situationen ohne große Autorenerfahrungen etwas länger gedauert, aber vielleicht ist man deshalb ein wenig enthusiastischer, denkt eventuell ein wenig mehr nach, wenn man ganz frisch an eine Sache herangeht. Insgesamt haben wir uns gut ergänzt.
Ist eine Romanvorlage eine Hilfe, an der man sich festhalten kann, oder genau das Gegenteil?
Wenn wir mal nicht weiter wussten, haben wir noch mal nachgelesen, ob es vielleicht dort genauer steht. Der Roman war schon eine Hilfe.
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