Originaltitel: Touching the Void
Großbritannien 2003
Joe Simpson
Simon Yates
Richard Hawking
Regie: Kevin Macdonald
Verleih: Studiocanal
Mitte der 80er Jahre beschließen die jungen Bergsteiger Simon Yates und Joe Simpson, einen ob seines Schwierigkeitsgrades berüchtigten Andenhügel jenseits der magischen Siebentausendergrenze zu erobern. Nachdem der Aufstieg zunächst glückt, entpuppt sich - wie so häufig beim Extremklettern - der Abstieg als unverhofftes Problem. Als Simpson auch noch mit einem gebrochenen Bein zurückbleibt, sieht sich Yates, der jüngere der beiden, mit einem moralischen Dilemma konfrontiert...
Regisseur Kevin MacDonald, Oscar-Gewinner mit dem Dokumentarfilm "Ein Tag im September" rekonstruiert die Kletterpartie mit sportiven Schauspielern und unterlegt die dramatischen Bilder mit Interviews der echten Beteiligten. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller.
Die großartige Doku um einen alpinen Tabubruch überflügelt in England "Bowling for Columbine".
In der Eishölle: Der Absturz über eine vereiste Wand kommt einem Todesurteil gleich (Foto: Kinowelt)
Darf ein Bergsteiger seinen verunglückten Seilkameraden zurücklassen, um das eigene Leben zu retten? Um diese Frage kreist dieses Bergdrama von Oscar-Regisseur Kevin MacDonald ("Ein Tag im Sptember").
Nach dem Buchbestseller "Sturz ins Leere" von Extrem-Bergsteiger Joe Simpson hat er einen Film gedreht, der die Genres Spielfilm und Dokumentation vermischt - mit phänomenalem Erfolg.
1985 bricht der damals 25-jährige Joe Simpson (gespielt von Brendan Mackey) zusammen mit seinem Freund Simon Yates (Nicholas Aaron) zur gefährlichen Westwand des 6356 Meter hohen Siula Grande in den peruanischen Anden auf.
Beim Abstieg stürzt Joe Simpson und zerschmettert sich sein Kniegelenk. Das ist praktisch ein Todesurteil. Trotzdem startet Simon eine waghalsige Rettungsaktion, versucht, seinen Partner über eine Steilwand abzuseilen.
Ohne Erfolg. In auswegloser Lage schneidet er schließlich, ohne zu wissen, ob sein Freund noch lebt, das Seil durch...
Mit Schauspielern in Spielfilmqualität nachgestellt, beeindruckt das Dokudrama mit kühnen Stunts und einer visuellen Direktheit, die die Schmerzen fühlbar macht.
| Darsteller: | Joe Simpson | ||
|---|---|---|---|
| Simon Yates | |||
| Richard Hawking | |||
| Brendan Mackey | als Joe Simpson | ||
| Nicholas Aaron | als Simon Yates | ||
| Ollie Ryall | als Richard Hawking | ||
| Regie: | Kevin Macdonald | ||
| Produzent: | John Smithson | ||
| Koproduzent: | Sue Summers | ||
| Ausf. Produzent: | Robin Gutch | ||
| Charles Furneaux | |||
| Paul Trijbits | |||
| Buchvorlage: | Joe Simpson | ||
| Kamera: | Mike Eley | ||
| Schnitt: | Justine Wright | ||
| Musik: | Alex Heffes | ||
| Produktionsdesign: | Patrick Bill | ||
| Kostüme: | Patrick Bill | ||
| Ton: | Joakim Sundstrom | ||
| Casting: | Susie Figgis | ||
Kevin Macdonalds Drama "Sturz ins Leere" wurde in Großbritannien zum erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten. Der Oscar-Preisträger ("Ein Tag im September") ging dafür an die Grenzen seiner Belastungsfähigkeit.
: Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Joe Simpsons Buch über sein Bergunglück ist ein Longseller. Denn es berührt eine Reihe von existenziellen Fragen, über die man Stunden lang diskutieren kann: Was hätte ich an seiner Stelle gemacht? Wie darf man in solchen Situationen handeln? Hinzu kommt, dass die Geschichte uns aus dem gewohnten sicheren Leben in ein einzigartiges Abenteuer entführt.
Das trifft vor allem auf die USA und Großbritannien zu. Vor fünf Jahren ging kein Engländer in einen Dokumentarfilm. Vielleicht liegt es mit daran, dass die Leute im Kino mit Fantasiewelten bombardiert werden. Sie wollen eben nicht nur "Herr der Ringe", sondern auch etwas Reales, wie "Sturz ins Leere". Allerdings brauchen Dokumentarfilme nach wie vor die Unterstützung der Verleiher. Pathé hielt den Film in England lange in den Kinos, sodass sich die Mund-zu-Mund-Propaganda aufbauen konnte.
Auf den ersten Blick könnte man das Ganze für eine klassische Abenteuergeschichte halten: Ein Mann kämpft allein auf dem Berg ums Überleben. Aber um diese Handlung zu entwickeln, braucht man innere Monologe. Das geht in einem Spielfilm nicht. Ich war mir auch nicht sicher, ob es als Dokumentarfilm klappt.
Die Hauptfrage war: Können die Beteiligten ihre Geschichte gut erzählen? Ist sie in ihnen noch lebendig? Ich trieb daher erst mal Geld auf, um Joe Simpson und Simon Yates zu interviewen. Dabei stellte sich heraus, dass sie immer noch von diesen Ereignissen heimgesucht werden. Dann gab es noch eine dritte Figur, Richard Hawking, die ein bisschen für den komischen Gegenpart sorgte.
Doch. Denn ich finde dramatische Rekonstruktionen furchtbar. Das sind diese billigen Spielhandlungen in Dokumentarsendungen. Die einzige Lösung war, die Geschichte wie einen Kinofilm zu inszenieren, mit richtigen Schauspielern, möglichst an den originalen Schauplätzen. Dass dieses Unterfangen mich auch psychisch und physisch an die Grenzen führen würde, konnte ich damals nicht ahnen.
Ich kehrte mit Joe Simpson und Simon Yates zu dem Berg zurück, wo sich das Unglück abgespielt hatte. Erst einmal hatte ich nicht erwartet, dass der Dreh in 6000 Metern Höhe so anstrengend sein würde. Aber vor allem wurde das Verhältnis zu den beiden Bergsteigern sehr angespannt. Offenbar kamen bei ihnen alte Dämonen hoch. Ich fühlte mich, als sei ich ein Werner Herzog, der gerade mit Klaus Kinski dreht.
Vermutlich sollte ich die Chance nutzen und alle meine unkommerziellen, persönlichen Projekte hervorkramen. Momentan mache ich nur einen Kurzfilm für Channel 4, eine Mischung aus Animation und Dokumentation über den Drahtseilkünstler Philippe Petit.
Am liebsten würde ich nur im gemütlichen Schneideraum sitzen, wo ich die völlige Kontrolle über mein Material habe. Dreharbeiten sind für mich immer wie eine Schlacht. Aber ich suche auch das Risiko. Deshalb brauche ich einen Film, der eine wirkliche Herausforderung darstellt. Von den Bergen habe ich jetzt allerdings genug.
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