Spannendes Dokudrama über eine Bergrettung in den Anden nach dem gleichnamigen Bestseller. http://images.kino.de/flbilder/max04/mbiz04/mbiz16/z0416607/b150x150.jpg Sturz ins Leere

Filmdetails

Sturz ins Leere

Spannendes Dokudrama über eine Bergrettung in den Anden nach dem gleichnamigen Bestseller.


Sturz ins Leere
Start: 29.04.2004

Originaltitel: Touching the Void

Dokumentarfilm / Sport

Großbritannien 2003
Laufzeit: 106 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Joe Simpson
Simon Yates
Richard Hawking

Regie: Kevin Macdonald
Verleih: Studiocanal

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Gesamt
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Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
Besucheransturm: lau
Besucher-
ansturm

Temperatur

lau

Inhalt

Mitte der 80er Jahre beschließen die jungen Bergsteiger Simon Yates und Joe Simpson, einen ob seines Schwierigkeitsgrades berüchtigten Andenhügel jenseits der magischen Siebentausendergrenze zu erobern. Nachdem der Aufstieg zunächst glückt, entpuppt sich - wie so häufig beim Extremklettern - der Abstieg als unverhofftes Problem. Als Simpson auch noch mit einem gebrochenen Bein zurückbleibt, sieht sich Yates, der jüngere der beiden, mit einem moralischen Dilemma konfrontiert...

Regisseur Kevin MacDonald, Oscar-Gewinner mit dem Dokumentarfilm "Ein Tag im September" rekonstruiert die Kletterpartie mit sportiven Schauspielern und unterlegt die dramatischen Bilder mit Interviews der echten Beteiligten. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller.


Kritik

Die großartige Doku um einen alpinen Tabubruch überflügelt in England "Bowling for Columbine".

Großansicht In der Eishölle: Der Absturz über eine vereiste Wand kommt einem Todesurteil gleich (Foto: Kinowelt)

In der Eishölle: Der Absturz über eine vereiste Wand kommt einem Todesurteil gleich (Foto: Kinowelt)

Darf ein Bergsteiger seinen verunglückten Seilkameraden zurücklassen, um das eigene Leben zu retten? Um diese Frage kreist dieses Bergdrama von Oscar-Regisseur Kevin MacDonald ("Ein Tag im Sptember").

Nach dem Buchbestseller "Sturz ins Leere" von Extrem-Bergsteiger Joe Simpson hat er einen Film gedreht, der die Genres Spielfilm und Dokumentation vermischt - mit phänomenalem Erfolg.

1985 bricht der damals 25-jährige Joe Simpson (gespielt von Brendan Mackey) zusammen mit seinem Freund Simon Yates (Nicholas Aaron) zur gefährlichen Westwand des 6356 Meter hohen Siula Grande in den peruanischen Anden auf.

Großansicht Mit unglaublicher Willenskraft kann Joe sich retten (Foto: Kinowelt)

Mit unglaublicher Willenskraft kann Joe sich retten (Foto: Kinowelt)

Das Leben eines Freundes

Beim Abstieg stürzt Joe Simpson und zerschmettert sich sein Kniegelenk. Das ist praktisch ein Todesurteil. Trotzdem startet Simon eine waghalsige Rettungsaktion, versucht, seinen Partner über eine Steilwand abzuseilen.

Ohne Erfolg. In auswegloser Lage schneidet er schließlich, ohne zu wissen, ob sein Freund noch lebt, das Seil durch...

Mit Schauspielern in Spielfilmqualität nachgestellt, beeindruckt das Dokudrama mit kühnen Stunts und einer visuellen Direktheit, die die Schmerzen fühlbar macht.

Sturz ins Leere

Darsteller:  Joe Simpson  
  Simon Yates  
  Richard Hawking  
  Brendan Mackey   als Joe Simpson
  Nicholas Aaron   als Simon Yates
  Ollie Ryall   als Richard Hawking
 
Regie:  Kevin Macdonald  
Produzent:  John Smithson  
Koproduzent:  Sue Summers  
Ausf. Produzent:  Robin Gutch  
  Charles Furneaux  
  Paul Trijbits  
Buchvorlage:  Joe Simpson  
Kamera:  Mike Eley  
Schnitt:  Justine Wright  
Musik:  Alex Heffes  
Produktionsdesign:  Patrick Bill  
Kostüme:  Patrick Bill  
Ton:  Joakim Sundstrom  
Casting:  Susie Figgis  

"Die alten Dämonen kamen wieder hoch"

Kevin Macdonalds Drama "Sturz ins Leere" wurde in Großbritannien zum erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten. Der Oscar-Preisträger ("Ein Tag im September") ging dafür an die Grenzen seiner Belastungsfähigkeit.

Großansicht Kevin Macdonald bei den Dreharbeiten (Foto: Kinowelt)

Kevin Macdonald bei den Dreharbeiten (Foto: Kinowelt)

» In Ihrer Heimat schlug "Sturz ins Leere" sogar "Bowling for Columbine". Wie erklären Sie sich das?

KEVIN MACDONALD

: Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Joe Simpsons Buch über sein Bergunglück ist ein Longseller. Denn es berührt eine Reihe von existenziellen Fragen, über die man Stunden lang diskutieren kann: Was hätte ich an seiner Stelle gemacht? Wie darf man in solchen Situationen handeln? Hinzu kommt, dass die Geschichte uns aus dem gewohnten sicheren Leben in ein einzigartiges Abenteuer entführt.

» Das internationale Publikum scheint sich auch grundsätzlich stärker für Dokumentarfilme zu interessieren.

Das trifft vor allem auf die USA und Großbritannien zu. Vor fünf Jahren ging kein Engländer in einen Dokumentarfilm. Vielleicht liegt es mit daran, dass die Leute im Kino mit Fantasiewelten bombardiert werden. Sie wollen eben nicht nur "Herr der Ringe", sondern auch etwas Reales, wie "Sturz ins Leere". Allerdings brauchen Dokumentarfilme nach wie vor die Unterstützung der Verleiher. Pathé hielt den Film in England lange in den Kinos, sodass sich die Mund-zu-Mund-Propaganda aufbauen konnte.

Großansicht Am Fuß des Berges ist die Welt noch in Ordnung (Foto: Kinowelt)

Am Fuß des Berges ist die Welt noch in Ordnung (Foto: Kinowelt)

» Ursprünglich wollten verschiedene Hollywood-Firmen einen Kinofilm aus diesem Stoff machen. Woran sind sie gescheitert?

Auf den ersten Blick könnte man das Ganze für eine klassische Abenteuergeschichte halten: Ein Mann kämpft allein auf dem Berg ums Überleben. Aber um diese Handlung zu entwickeln, braucht man innere Monologe. Das geht in einem Spielfilm nicht. Ich war mir auch nicht sicher, ob es als Dokumentarfilm klappt.

» Woran hätte die Sache scheitern können?

Die Hauptfrage war: Können die Beteiligten ihre Geschichte gut erzählen? Ist sie in ihnen noch lebendig? Ich trieb daher erst mal Geld auf, um Joe Simpson und Simon Yates zu interviewen. Dabei stellte sich heraus, dass sie immer noch von diesen Ereignissen heimgesucht werden. Dann gab es noch eine dritte Figur, Richard Hawking, die ein bisschen für den komischen Gegenpart sorgte.

Großansicht Darf man das Leben eines Freundes opfern? (Foto: Kinowelt)

Darf man das Leben eines Freundes opfern? (Foto: Kinowelt)

» Schreckte es Sie nicht ab, dass Sie die Haupthandlung in Spielszenen nachstellen mussten?

Doch. Denn ich finde dramatische Rekonstruktionen furchtbar. Das sind diese billigen Spielhandlungen in Dokumentarsendungen. Die einzige Lösung war, die Geschichte wie einen Kinofilm zu inszenieren, mit richtigen Schauspielern, möglichst an den originalen Schauplätzen. Dass dieses Unterfangen mich auch psychisch und physisch an die Grenzen führen würde, konnte ich damals nicht ahnen.

» Was ist passiert?

Ich kehrte mit Joe Simpson und Simon Yates zu dem Berg zurück, wo sich das Unglück abgespielt hatte. Erst einmal hatte ich nicht erwartet, dass der Dreh in 6000 Metern Höhe so anstrengend sein würde. Aber vor allem wurde das Verhältnis zu den beiden Bergsteigern sehr angespannt. Offenbar kamen bei ihnen alte Dämonen hoch. Ich fühlte mich, als sei ich ein Werner Herzog, der gerade mit Klaus Kinski dreht.

Großansicht Aufnahmen in extrem gefährlichem Gelände (Foto: Kinowelt)

Aufnahmen in extrem gefährlichem Gelände (Foto: Kinowelt)

» Nach dem Erfolg von "Sturz ins Leere" und dem Oscar für "Ein Tag im September" müssten Sie jetzt freie Hand bei Ihrem nächsten Projekt haben.

Vermutlich sollte ich die Chance nutzen und alle meine unkommerziellen, persönlichen Projekte hervorkramen. Momentan mache ich nur einen Kurzfilm für Channel 4, eine Mischung aus Animation und Dokumentation über den Drahtseilkünstler Philippe Petit.

» Und dann wagen Sie sich wieder an ein so extremes Abenteuer wie "Sturz ins Leere"?

Am liebsten würde ich nur im gemütlichen Schneideraum sitzen, wo ich die völlige Kontrolle über mein Material habe. Dreharbeiten sind für mich immer wie eine Schlacht. Aber ich suche auch das Risiko. Deshalb brauche ich einen Film, der eine wirkliche Herausforderung darstellt. Von den Bergen habe ich jetzt allerdings genug.

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