Hans-Christian Schmids packender Politthriller über eine junge Anklägerin, die einem jugoslawischen Völkermörder in Den Haag den Prozess machen will. http://images.kino.de/flbilder/max09/mbiz09/mbiz26/z0926500/b150x150.jpg Sturm

Filmdetails

Sturm

Hans-Christian Schmids packender Politthriller über eine junge Anklägerin, die einem jugoslawischen Völkermörder in Den Haag den Prozess machen will.


Sturm
Start: 10.09.2009

Drama

Deutschland/Dänemark/Niederlande 2009
Laufzeit: 103 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Kerry Fox
Anamaria Marinca
Stephen Dillane

Regie: Hans-Christian Schmid
Verleih: Piffl

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Inhalt

Dem Kriegsverbrecher und Völkermörder Duric soll der Prozess gemacht werden. Schnell erkennt Anklägerin Hannah Maynard, dass ihre Aufgabe einer Sisyphosarbeit gleicht. Zuverlässige Zeugen werden in Verruf gebracht oder ermordet, Stille macht sich breit. In Bosnien macht sich Hannah selbst auf Indiziensuche und stößt auf die Schwester eines ermordeten Zeugen, die sich aus Angst, ihr mühevoll aufgebautes neues Leben in Deutschland aufs Spiel zu setzen, zunächst in Schweigen hüllt, schließlich aber doch zur Aussage bereit erklärt. In Den Haag sprechen sich jedoch nicht nur Durics Anwälte gegen die neue Zeugin aus, sondern auch der Richter.


Kritik

Sturm

Mit beinahe journalistischer Distanz setzt sich Hans-Christian Schmids trotz aller Besonnenheit flammend heißer Thriller mit den Untiefen bei der Verfolgung von Kriegsverbrechern in Den Haag auseinander.

Ein tagespolitisch aktuelles Thema mit hohem Entrüstungspotenzial, dramatisch zugespitzt mit den Genremitteln des Thrillers. Aufrechte, auf sich allein gestellte Kämpfer um Gerechtigkeit in einer ungerechten Welt, die ihre Waffen vor einem übermächtigen, weil gesichts- und gewissenlosen Gegner strecken und sich mit einem Etappensieg zufrieden geben müssen, während man den Krieg verloren gibt. Die Parallelen zwischen Tom Tykwers "The International" und dem fünften Spielfilm von Hans Christian Schmid sind so überdeutlich, dass gerade hier die Unterschiede zwischen den beiden führenden deutschen Regisseuren ihrer Generation besonders auffallen.

Während Tykwer seinen Blick auf die Realität mit den Mitteln des Genrekinos schärft, vertraut Schmid auf seine angeborene Neugier als gelernter Dokumentarfilmer: Zwar lässt er in "Sturm", seinem ersten (weitgehend) englischsprachigen Film, keinen Zweifel, für welche Seite sein Herz schlägt, aber er lässt sich von seiner persönlichen Empörung nie den Blick verstellen. Mehr denn je fällt in dieser Geschichte einer engagierten Staatsanwältin vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, die den serbischen General Duric als Verantwortlichen für ethnische Säuberungen überführen will und aus allen Richtungen Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt, das Bemühen um Objektivität auf, mit dem der Regisseur seinen Figuren und dem Geschehen begegnet. Es geht Schmid um Verstehen, um das Enthüllen der Mechanik von Vorgängen. Dabei gelingen ihm en passant und doch ganz zwingend beeindruckende Bilder, die diesem Krimi ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken - und "Sturm" zwar in die Nähe eines richtig guten Costa-Gavras rücken, aber doch nie dem Verdacht des Gutmenschentums aussetzt. Leicht macht es sich der Film und seinen Figuren nicht: Staatsanwältin Hannah Maynard wird im Verlauf ihrer Arbeit von ihren Zeugen im Stich gelassen, von ihrem Vorgesetzten enttäuscht, von ihrem Geliebten betrogen, vom Gerichtshof unter Druck gesetzt, von ihren Gegnern bedroht. Bis ihr als einzige Verbündete eine junge Frau aus der Republika Srpska bleibt, die von Soldaten Durics vergewaltigt wurde und nun ihr neues Leben in Deutschland und ihre Familie aufs Spiel setzt, um doch noch gegen ihren einstigen Peiniger auszusagen. Diese junge Frau - gespielt von der überragenden Anamaria Marinca aus "4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage" - wiederum muss Maynard verraten, will sie nicht riskieren, dass Duric ungeschoren davonkommt.

Schmid erspart sich jegliche Melodramatik, deckt dabei aber auf, wie moderne Justiz funktioniert: Für Ergebnisse, wie unbedeutend sie auch sein mögen, werden eben auch Kollateralschäden hingenommen. Womit man wieder ganz nah bei "The International" ist, dem anderen Meisterwerk der ersten Tage auf der Berlinale. ts.

Sturm

Darsteller:  Kerry Fox   als Hannah Maynard
  Anamaria Marinca   als Mira Arendt
  Stephen Dillane   als Keith Haywood
  Rolf Lassgård   als Jonas Dahlberg
  Alexander Fehling   als Patrick Färber
  Kresimir Mikic   als Alen Hajdarvic
  Steven Scharf   als Jan Arendt
  Bent Mejding   als Richter Anderson
  Jesper Christensen   als Anthony Weber
  Wine Dierickx   als Jule Svensson
  Alexis Zegerman   als Daliah Sofer
  Tarik Filipovic   als Mladen Banovic
  Drazen Kuhn   als Goran Duric
  Reinout Bussemaker   als Carl Mathijsen
  Leon Lucev   als Milorad Alic
 
Regie:  Hans-Christian Schmid  
Drehbuch:  Bernd Lange  
  Hans-Christian Schmid  
Produzent:  Britta Knöller  
  Hans-Christian Schmid  
Koproduzent:  Maria Köpf  
  Marie Cecilie Gade  
  Bettina Brokemper  
  Frans van Gestel  
  Jeroen Beker  
Kamera:  Bogumil Godfrejow  
Schnitt:  Hansjörg Weißbrich  
Musik:  The Notwist  
Produktionsdesign:  Christian M. Goldbeck  
Kostüme:  Steffi Bruhn  

Sensations-Bär für Peru und "Alle Anderen"

Das sprengte jeden Rahmen...

Großansicht "Alle anderen": Zank im Urlaub, humorvoll inszeniert und bärenwürdig! (Foto: Prokino)

"Alle anderen": Zank im Urlaub, humorvoll inszeniert und bärenwürdig! (Foto: Prokino)

Der Goldene Bär bei der 59. Berlinale ging überraschend an das experimentelle peruanische Doku-Drama "La Teta Asustada" über eine Frau mit einer mysteriösen, mit der Muttermilch übertragenen Krankheit. Großer Gewinner war die Komödie "Gigante" über einen dicklichen Supermarkts-Wachmann, der eine Putzfrau anhimmelt. Der Film aus Argentinien, Uruguay und Deutschland wurde gleich dreifach gewürdigt, unter anderem mit dem Großen Preis der Jury, den er sich mit der zweifach ausgezeichneten Beziehungsdramödie "Alle Anderen" über Pärchenzank im Urlaub teilte.

Die emotionalsten Momente bei der von Katrin Bauerfeind moderierten Preisverleihung gehörten den Schauspielern. Der Gewinner des Silbernen Bären für seine Performance in Rachid Boucharebs "London River" hatte die längste Redezeit: Sotigui Kouyaté erzählte gewitzt drei Geschichten. Birgit Minichmayr, Bären-Gewinnerin für "Alle Anderen", zeigte sich ebenfalls sehr gerührt und die Hauptdarstellerin von "La Teta Asustada", Magaly Solier, bedankte sich gar singend und auf Ketschua. Jurypräsidentin Tilda Swinton kündigte die Jurypreis-Gewinner souverän auf deutsch an.

Gute Nachrichten für den Todesboten

Den Silbernen Bären für die Regie erhielt der iranische Filmemacher Asghar Farhadi für sein Drama "Darbareye Elly", den Silbernen Bären für das beste Drehbuch "The Messengers", in dem Woody Harrelson Todesnachrichten im Irak gefallener US-Soldaten überbringt. Darsteller Ben Foster nahm den Preis für den abwesenden Regisseur und Drehbuchautor Oren Moverman entgegen. Als Bester Erstlingsfilm wurde "Gigante" geehrt.

Insgesamt wurde also - wie von der Jury zuvor angekündigt - insbesondere das politische Kino gewürdigt. Und wie in den letzten Jahren triumphierten Beiträge aus Lateinamerika. Aber auch das deutsche Kino kam nicht zu kurz: Unter den deutschen Preisträgern ist Hans-Christian Schmids "Sturm" über das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, der mit dem Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater, dem Amnesty International Filmpreis und dem Leserpreis der "Berliner Morgenpost" ausgezeichnet wurde.

Aller Klagen über einen schwachen Wettbewerb zum Trotz verzeichnete das Festival mit 270.000 verkauften Tickets einen Besucherrekord. Der gelang vor allem dank der neuen, großen Location, dem Friedrichstadtpalast.

Star

Kerry Fox

Gleich mit ihrem Leinwanddebüt als Schriftstellerin Janet Frame in Jane Campions "Ein Engel an meiner Tafel" erregte die neuseeländische...

Star

Anamaria Marinca

* 01.04.1978

Top-Filme der Woche

  • Men in Black 3

    Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.

  • LOL

    Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.

 

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