Ralph Fiennes
Miranda Richardson
Gabriel Byrne
Regie: David Cronenberg
Verleih: Columbia Tristar
Nach längerem Aufenthalt in der Psychiatrie zieht der schizophrene Spider (Ralph Fiennes) in ein Londoner Männerheim mit medizinischer Betreuung. Dort soll er behutsam auf ein Leben in der normalen Gesellschaft vorbereitet werden. Das bedeutet allerdings auch die Auseinandersetzung mit der lang verdrängten Jugendzeit, als sein Vater (Gabriel Byrne) mit seiner Geliebten (Miranda Richardson) Spiders Mutter (auch Miranda Richardson) ermordete und damit den Grundstein für Spiders Dachschaden legte.
Auch ohne Special Effects spielt David Cronenberg, seines Zeichens Meister des klinischen Horrors ("Crash", "Die Fliege"), in gewohnt virtuoser Weise mit defekten Realitätsebenen und albtraumhafter Atmosphäre.
Unheimlicher, dramatischer Thriller von David Cronenberg, der die Psychopathologie eines Geisteskranken durchleuchtet.
Als Kind beobachtete Spider seine Mutter gerne beim Hübschmachen (Foto: Columbia TriStar)
Der geistesgestörte Spider (Ralph Fiennes) zieht in ein tristes Londoner Männerwohnheim. Während seiner langen Spaziergänge durch die Gegend sucht er all die Orte seiner Kindheit auf und erlebt Schlüsselszenen nach, die irgendwie zu seinem gegenwärtigen Zustand hinführen.
Sein Vater (Gabriel Byrne) lernt bei einem seiner regelmäßigen Pub-Besuche die ordinäre Yvonne (Miranda Richardson) kennen und beginnt eine Affäre mit ihr. Die führt dazu, dass die beiden die Mutter erschlagen und in einem Schrebergarten vergraben.
Spider findet das heraus, und muss nun miterleben, wie Yvonne zu Hause einzieht und nach und nach die Züge seiner Mutter annimmt.
David Cronenberg erzählt diese Psychopathologie eines Geisteskranken ruhig, fast statisch, ganz ohne Special Effects und verlässt sich dabei zu Recht auf die unheimliche Atmosphäre seiner Schauplätze und das ausdrucksstarke Spiel seiner durchwegs hervorragenden Hauptdarsteller - allen voran Ralph Fiennes in der Titelrolle, dem das Kunststück gelingt, eine One-Man-Show abzuliefern, die bis zum Abspann fasziniert.
| Darsteller: | Ralph Fiennes | als Dennis "Spider" Cleg | |
|---|---|---|---|
| Miranda Richardson | als Mrs. Cleg | ||
| Gabriel Byrne | als Bill Cleg | ||
| Lynn Redgrave | als Mrs. Wilkinson | ||
| John Neville | als Terrence | ||
| Bradley Hall | als Spider als Kind | ||
| Gary Reineke | als Freddy | ||
| Philip Craig | als John | ||
| Cliff Saunders | als Bob | ||
| Tara Ellis | als Nora | ||
| Regie: | David Cronenberg | ||
| Drehbuch: | Patrick McGrath | ||
| Produzent: | Catherine Bailey | ||
| David Cronenberg | |||
| Samuel Hadida | |||
| Ausf. Produzent: | Luc Roeg | ||
| Charles Finch | |||
| Marty Katz | |||
| Jane Barclay | |||
| Sharon Harel | |||
| Hannah Leader | |||
| Zygi Kamasa | |||
| Simon Franks | |||
| Victor Hadida | |||
| Buchvorlage: | Patrick McGrath | ||
| Kamera: | Peter Suschitzky | ||
| Schnitt: | Ronald Sanders | ||
| Musik: | Howard Shore | ||
| Produktionsdesign: | Andrew Sanders | ||
| Arvinder Grewal | |||
| Kostüme: | Denise Cronenberg | ||
| Ton: | Glen Gauthier | ||
| Casting: | Suzanne Smith | ||
Mit zwei Jahren Verspätung kommt "Spider" von David Cronenberg in die deutschen Kinos. Trotz der komplizierten Finanzierung setzt der Regisseur auch weiterhin auf Independent-Filme.
David Cronenberg verbindet Schreckensszenen mit Gesellschaftskritik (Foto: Kurt Krieger)
Manche Leute glauben, dass ich vorzugsweise Geschichten mit Blut und Gewalt wie "Die Fliege" oder "Naked Lunch" erzähle. Aber ich denke nie in der Kategorie "Was ist mein Markenzeichen?".
Ich erforsche immer die Themen, die mich interessieren, menschliche Entfremdung oder die Entwicklung des Körpers. Dabei lege ich mir keine Zensur auf. Auf diese Weise können Geschichten oder Bilder herauskommen, die manche vielleicht als extrem empfinden. "Spider" hat jedenfalls genauso viel mit meiner Person zu tun wie meine anderen Filme.
Ich bekam ein Drehbuch geschickt, das Patrick McGrath, Autor der Romanvorlage, geschrieben hatte. Atom Egoyan hatte das Projekt bereits abgelehnt, weil er kein Potenzial erkennen konnte. Wahrscheinlich hätte ich es nicht gelesen, wenn nicht Ralph Fiennes als Hauptdarsteller festgestanden hätte. Ich wollte schon seit längerer Zeit mit ihm arbeiten. Beim Lesen erkannte ich dann, dass das Skript noch Probleme hatte.
Das Drehbuch war teilweise noch sehr romanhaft. Die Hauptfigur erzählte im Voice-over von ihren Seelenzuständen. Doch die Erzählstimme drückte sich viel artikulierter und selbstbewusster aus als der Protagonist des Films, der eine gestörte Psyche hat. Ich ließ also diese Passagen weg und fand andere Lösungen.
Ralph Fiennes in einer One-Man-Show als geisteskranker "Spider" (Foto: Columbia TriStar)
Vor dem Dreh hatte es über 80 Seiten und ich habe noch gekürzt. Denn während des Drehens entwickelten sich einige Szenen so, dass es später zu Wiederholungen gekommen wäre. Das war mir auch in anderer Hinsicht recht, denn wir hatten nur ein sehr begrenztes Budget von zehn Mio. Dollar. Da dreht man nur das, was auch im endgültigen Film landen soll.
Bei Studiofilmen ist die Finanzierung das reinste Vergnügen, aber die Arbeit ist die Hölle. Bei "Spider" war es genau umgekehrt: Die künstlerische Freiheit war traumhaft. In den ersten drei Drehwochen war allerdings nicht einmal klar, ob überhaupt jemand am Set erscheinen würde - denn wir hatten bis dahin noch niemanden bezahlt. Zum Glück war unsere Crew äußerst loyal. Doch so eine Situation ist mir lieber, als wenn mir zwölf Manager über die Schulter schauen.
Es ist sehr schwierig. Aber als Regisseur lernst du eine unglaubliche Konzentration - so als würdest du Kung-Fu machen. Man setzt sich zwar im Vorfeld mit den organisatorischen Problemen auseinander, aber sobald man ans Set zum Drehen kommt, denkt man nur noch an die nächste Einstellung. Ein echter Filmemacher sagt so lange "Action" und "Cut", bis man ihm die Kamera wegnimmt.
"Die Fliege" hatte den Vorteil, dass es ein Genrestoff war. Da hat man automatisch ein Zielpublikum. Aber dieses Publikum bringt Erwartungen mit, die man erfüllen muss. Das schränkt die kreativen Möglichkeiten ein - ganz anders als bei "Spider". Ich möchte ein Publikum erreichen, aber nicht mit den billigen Emotionen eines typischen Hollywood-Films. Ich will es herausfordern, denn ich halte mein Publikum für intelligent.
In "Die Fliege" wird Jeff Goldblum nach einem Experiment zum aggressiven Monster (Foto: Fox)
"Basic Instinct 2" ist geplatzt, weil es keine Einigung über die männliche Hauptrolle gab. Den "Exorcist"-Film sollte ich nicht machen. Die Produktionsfirma war zunächst an mir interessiert, aber dann wollten sie mich nicht mehr, nachdem sie "Spider" gesehen hatten.
Ich kann mich noch sehr lebhaft an das Telefonat mit meinem Agenten erinnern: "Die fürchten sich vor dir. Deshalb nehmen sie Paul Schrader." Ich musste sofort loslachen. Verglichen mit ihm bin ich richtig harmlos.
Als Sohn eines Architekten und einer Malerin schloss Fiennes seine Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Arts ab, wurde Mitglied der...
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