Unheimlicher dramatischer Thriller von David Cronenberg, der die Psychopathologie eines Geisteskranken durchleuchtet. http://images.kino.de/flbilder/max04/auto04/auto22/04220481/b150x150.jpg Spider

Filmdetails

Spider

Unheimlicher dramatischer Thriller von David Cronenberg, der die Psychopathologie eines Geisteskranken durchleuchtet.


Spider
Start: 10.06.2004

Drama / Thriller

Kanada/Großbritannien 2002
Laufzeit: 98 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Ralph Fiennes
Miranda Richardson
Gabriel Byrne

Regie: David Cronenberg
Verleih: Columbia Tristar

So werten die bisherigen Besucher:

Gesamt
(0 Bewertungen)

Action
Humor
Romantik
Spannung
Anspruch
Besucheransturm: lau
Besucher-
ansturm

Temperatur

lau

Inhalt

Nach längerem Aufenthalt in der Psychiatrie zieht der schizophrene Spider (Ralph Fiennes) in ein Londoner Männerheim mit medizinischer Betreuung. Dort soll er behutsam auf ein Leben in der normalen Gesellschaft vorbereitet werden. Das bedeutet allerdings auch die Auseinandersetzung mit der lang verdrängten Jugendzeit, als sein Vater (Gabriel Byrne) mit seiner Geliebten (Miranda Richardson) Spiders Mutter (auch Miranda Richardson) ermordete und damit den Grundstein für Spiders Dachschaden legte.

Auch ohne Special Effects spielt David Cronenberg, seines Zeichens Meister des klinischen Horrors ("Crash", "Die Fliege"), in gewohnt virtuoser Weise mit defekten Realitätsebenen und albtraumhafter Atmosphäre.


Kritik

Unheimlicher, dramatischer Thriller von David Cronenberg, der die Psychopathologie eines Geisteskranken durchleuchtet.

Großansicht Als Kind beobachtete Spider seine Mutter gerne beim Hübschmachen (Foto: Columbia TriStar)

Als Kind beobachtete Spider seine Mutter gerne beim Hübschmachen (Foto: Columbia TriStar)

Der geistesgestörte Spider (Ralph Fiennes) zieht in ein tristes Londoner Männerwohnheim. Während seiner langen Spaziergänge durch die Gegend sucht er all die Orte seiner Kindheit auf und erlebt Schlüsselszenen nach, die irgendwie zu seinem gegenwärtigen Zustand hinführen.

Sein Vater (Gabriel Byrne) lernt bei einem seiner regelmäßigen Pub-Besuche die ordinäre Yvonne (Miranda Richardson) kennen und beginnt eine Affäre mit ihr. Die führt dazu, dass die beiden die Mutter erschlagen und in einem Schrebergarten vergraben.

Spider findet das heraus, und muss nun miterleben, wie Yvonne zu Hause einzieht und nach und nach die Züge seiner Mutter annimmt.

Großansicht Spider spinnt sein eigenes Netz (Foto: Columbia TriStar)

Spider spinnt sein eigenes Netz (Foto: Columbia TriStar)

Astreine One-Man-Show

David Cronenberg erzählt diese Psychopathologie eines Geisteskranken ruhig, fast statisch, ganz ohne Special Effects und verlässt sich dabei zu Recht auf die unheimliche Atmosphäre seiner Schauplätze und das ausdrucksstarke Spiel seiner durchwegs hervorragenden Hauptdarsteller - allen voran Ralph Fiennes in der Titelrolle, dem das Kunststück gelingt, eine One-Man-Show abzuliefern, die bis zum Abspann fasziniert.

Spider

Darsteller:  Ralph Fiennes   als Dennis "Spider" Cleg
  Miranda Richardson   als Mrs. Cleg
  Gabriel Byrne   als Bill Cleg
  Lynn Redgrave   als Mrs. Wilkinson
  John Neville   als Terrence
  Bradley Hall   als Spider als Kind
  Gary Reineke   als Freddy
  Philip Craig   als John
  Cliff Saunders   als Bob
  Tara Ellis   als Nora
 
Regie:  David Cronenberg  
Drehbuch:  Patrick McGrath  
Produzent:  Catherine Bailey  
  David Cronenberg  
  Samuel Hadida  
Ausf. Produzent:  Luc Roeg  
  Charles Finch  
  Marty Katz  
  Jane Barclay  
  Sharon Harel  
  Hannah Leader  
  Zygi Kamasa  
  Simon Franks  
  Victor Hadida  
Buchvorlage:  Patrick McGrath  
Kamera:  Peter Suschitzky  
Schnitt:  Ronald Sanders  
Musik:  Howard Shore  
Produktionsdesign:  Andrew Sanders  
  Arvinder Grewal  
Kostüme:  Denise Cronenberg  
Ton:  Glen Gauthier  
Casting:  Suzanne Smith  

"Mein Publikum ist intelligent"

Mit zwei Jahren Verspätung kommt "Spider" von David Cronenberg in die deutschen Kinos. Trotz der komplizierten Finanzierung setzt der Regisseur auch weiterhin auf Independent-Filme.

Großansicht David Cronenberg verbindet Schreckensszenen mit Gesellschaftskritik (Foto: Kurt Krieger)

David Cronenberg verbindet Schreckensszenen mit Gesellschaftskritik (Foto: Kurt Krieger)

» "Spider" verzichtet auf extreme Bilder, die wir aus "Die Fliege" oder "Naked Lunch" kennen. Ist der Film für Sie untypisch?

DAVID CRONENBERG:

Manche Leute glauben, dass ich vorzugsweise Geschichten mit Blut und Gewalt wie "Die Fliege" oder "Naked Lunch" erzähle. Aber ich denke nie in der Kategorie "Was ist mein Markenzeichen?".

Ich erforsche immer die Themen, die mich interessieren, menschliche Entfremdung oder die Entwicklung des Körpers. Dabei lege ich mir keine Zensur auf. Auf diese Weise können Geschichten oder Bilder herauskommen, die manche vielleicht als extrem empfinden. "Spider" hat jedenfalls genauso viel mit meiner Person zu tun wie meine anderen Filme.

Großansicht Regisseur Cronenberg und Ralph Fiennes am Set von "Spider" (Foto: Columbia TriStar)

Regisseur Cronenberg und Ralph Fiennes am Set von "Spider" (Foto: Columbia TriStar)

» Doch Sie haben dieses Projekt nicht selbst entwickelt.

Ich bekam ein Drehbuch geschickt, das Patrick McGrath, Autor der Romanvorlage, geschrieben hatte. Atom Egoyan hatte das Projekt bereits abgelehnt, weil er kein Potenzial erkennen konnte. Wahrscheinlich hätte ich es nicht gelesen, wenn nicht Ralph Fiennes als Hauptdarsteller festgestanden hätte. Ich wollte schon seit längerer Zeit mit ihm arbeiten. Beim Lesen erkannte ich dann, dass das Skript noch Probleme hatte.

» Was mussten Sie ändern?

Das Drehbuch war teilweise noch sehr romanhaft. Die Hauptfigur erzählte im Voice-over von ihren Seelenzuständen. Doch die Erzählstimme drückte sich viel artikulierter und selbstbewusster aus als der Protagonist des Films, der eine gestörte Psyche hat. Ich ließ also diese Passagen weg und fand andere Lösungen.

Großansicht Ralph Fiennes in einer One-Man-Show als geisteskranker "Spider" (Foto: Columbia TriStar)

Ralph Fiennes in einer One-Man-Show als geisteskranker "Spider" (Foto: Columbia TriStar)

» Ihre Drehbücher liegen in der Regel bei unter 100 Seiten. Wie war es bei "Spider"?

Vor dem Dreh hatte es über 80 Seiten und ich habe noch gekürzt. Denn während des Drehens entwickelten sich einige Szenen so, dass es später zu Wiederholungen gekommen wäre. Das war mir auch in anderer Hinsicht recht, denn wir hatten nur ein sehr begrenztes Budget von zehn Mio. Dollar. Da dreht man nur das, was auch im endgültigen Film landen soll.

» Wünschen Sie sich da nicht das Budget eines Studiofilms?

Bei Studiofilmen ist die Finanzierung das reinste Vergnügen, aber die Arbeit ist die Hölle. Bei "Spider" war es genau umgekehrt: Die künstlerische Freiheit war traumhaft. In den ersten drei Drehwochen war allerdings nicht einmal klar, ob überhaupt jemand am Set erscheinen würde - denn wir hatten bis dahin noch niemanden bezahlt. Zum Glück war unsere Crew äußerst loyal. Doch so eine Situation ist mir lieber, als wenn mir zwölf Manager über die Schulter schauen.

Großansicht "Spider" mit der resoluten Leiterin seines Männerwohnheims (Foto: Columbia TriStar)

"Spider" mit der resoluten Leiterin seines Männerwohnheims (Foto: Columbia TriStar)

» Kann man unter solchen Umständen als Regisseur arbeiten?

Es ist sehr schwierig. Aber als Regisseur lernst du eine unglaubliche Konzentration - so als würdest du Kung-Fu machen. Man setzt sich zwar im Vorfeld mit den organisatorischen Problemen auseinander, aber sobald man ans Set zum Drehen kommt, denkt man nur noch an die nächste Einstellung. Ein echter Filmemacher sagt so lange "Action" und "Cut", bis man ihm die Kamera wegnimmt.

» Würden Sie wieder einen Publikumsfilm wie "Die Fliege" machen wollen?

"Die Fliege" hatte den Vorteil, dass es ein Genrestoff war. Da hat man automatisch ein Zielpublikum. Aber dieses Publikum bringt Erwartungen mit, die man erfüllen muss. Das schränkt die kreativen Möglichkeiten ein - ganz anders als bei "Spider". Ich möchte ein Publikum erreichen, aber nicht mit den billigen Emotionen eines typischen Hollywood-Films. Ich will es herausfordern, denn ich halte mein Publikum für intelligent.

Großansicht In "Die Fliege" wird Jeff Goldblum nach einem Experiment zum aggressiven Monster (Foto: Fox)

In "Die Fliege" wird Jeff Goldblum nach einem Experiment zum aggressiven Monster (Foto: Fox)

» Vor einiger Zeit hätten Sie die Chance auf Hollywood-Projekte gehabt. Sie sollten die Regie von "Basic Instinct 2" und "Exorcist: The Beginning" übernehmen.

"Basic Instinct 2" ist geplatzt, weil es keine Einigung über die männliche Hauptrolle gab. Den "Exorcist"-Film sollte ich nicht machen. Die Produktionsfirma war zunächst an mir interessiert, aber dann wollten sie mich nicht mehr, nachdem sie "Spider" gesehen hatten.

» Obwohl Ihr Film hervorragende Kritiken bekam.

Ich kann mich noch sehr lebhaft an das Telefonat mit meinem Agenten erinnern: "Die fürchten sich vor dir. Deshalb nehmen sie Paul Schrader." Ich musste sofort loslachen. Verglichen mit ihm bin ich richtig harmlos.

Star

Ralph Fiennes

Als Sohn eines Architekten und einer Malerin schloss Fiennes seine Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Arts ab, wurde Mitglied der...

Star

Miranda Richardson

Ihre Figuren haben einen Zug ins Dekadent-Maliziöse, verdecken seelische Verletzungen hinter Contenance und tragen etwas von einer...

Top-Filme der Woche

  • Men in Black 3

    Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.

  • LOL

    Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.

 

treffpunkt kino kompakt

In der aktuellen Ausgabe: Die große Preview zu "Ice Age - Voll verschoben" und der erste Trailer zu "Skyfall"!

Zum Magazin

Das multimediale Kinomagazin jede Woche kostenlos per Mail - jetzt registrieren!

GO

Ähnliche Filme auf DVD & Blu-ray

 

Service

kino.de mobil

kino.de mobil

Das aktuelle Programm Ihres Lieblingskinos haben Sie überall dabei - kostenlos auf Ihrem Handy.