Originaltitel: Spice World
Großbritannien 1997
Emma Bunton
Geri Halliwell
Melanie Brown
Regie: Bob Spiers
Verleih: UIP
Fünf Tage haben die Spice Girls noch, bis sie zum ersten Mal in ihrer Karriere in der Royal Albert Hall auftreten sollen. Bis dahin gilt es für das Girl-Power-Quintett noch, zahllose Fototermine, Proben, TV-Auftritte und Nachtclub-Besuche zu absolvieren, während sie auf Schritt und Tritt von Paparazzis und Fans verfolgt werden - immer angetrieben von ihrem neurotischen Manager.

Kunterbunt und voller bekannter Melodien ist sie geraten, die würzige Filmwelt des erfolgreichsten Damenquintetts aller Zeiten. Fans wird es daher auch nichts weiter ausmachen, daß Logik, Sinn und Verstand striktes Zugangsverbot in das Universum der fünf properen Mädels von der Popstelle haben. Der legendäre Beatles-Film "Yeah, Yeah, Yeah!" von Richard Lester stand zwar Pate für diese beliebige Aneinanderreihung mehr oder minder witziger Episoden aus dem fiktiven Bandleben der Spice Girls, an die Klasse dieser wunderbaren Fake-Doku aus dem Jahr 1964 kommt der überzuckerte Lolli made in U.K. aber nicht heran.
Fünf Tage verbleiben noch, bis die Spice Girls ihrer Karriere mit einem Auftritt in der altehrwürdigen Royal Albert Hall einen weiteren Höhepunkt hinzufügen wollen. Zeit genug, um mit dem in den Farben des Union Jack gehaltenen Spice-Bus (am Steuer: ein schlanker Meat Loaf) durch London zu fahren (ausgiebig und immer wieder), einen Abstecher nach Mailand zu unternehmen, sich mit dem Manager zu streiten, sich Gedanken über die Vergangenheit und Zukunft zu machen, Tagträumen nachzuhängen, Aliens zu begegnen, Discos zu besuchen, Tanzunterricht zu nehmen und einer Freundin bei der Geburt eines Babys zu helfen. Girl Power total also, mehr vermutlich, als Nichtfans vertragen können, die sich das neu formulierte Gruppenmotto "Spice Up Your Life" nicht aufs Banner geschrieben haben. Zur Abwechslung gibt es auch einige musikalische Einlagen, wobei es die Damen Posh, Ginger, Baby, Sexy und Sporty dabei belassen, altbekannte Gassenhauer ("Wannabe" etc.) in visuell weniger ansprechender Form als den bestens bekannten Videoclips zum besten zu geben.
Überhaupt ist die visuelle Umsetzung die eigentliche Enttäuschung in dem etwas lieblosen Kinoausflug eines bislang so makellos gehypten Markennamens. Den Tiefgang eines Scorsese hatte nun ohnehin niemand erwartet, dafür durfte man aber wenigstens auf die bildliche Grandezza und funkelnde Oberfläche eines guten Musikvideos hoffen. Regisseur Bob Spier will oder kann das nicht bieten. Vielmehr ist es ihm gelungen, selbst so verdiente Vollprofis wie Richard E. Grant oder George Wendt dazu zu bringen, sich auf das schauspielerische Nullniveau seiner fünf aufgeregt gackernden Stars zu bewegen. All das spielt für den Erfolg dieses allzu offensichtlich am Marketingreißbrett entstandenen Plastikfilmchens keine Rolle. Zwischen der Veröffentlichung des gleichnamigen Albums und der Frühjahrstour ideal plaziert, könnte einen Erfolg ohnehin nur der im Film immer wieder angesprochene Backlash gegen die Hypemaschine verhindern. Erste Anzeichen deuten ja bereits darauf hin, daß die Spice Girls ihren Zenit bereits überschritten haben.ts.
"Spice Up Your Live" war die Devise, die fünf charmante Gören aus Großbritannien in der ganzen Welt verbreiten wollten.
Am 23. Januar 1998 starteten die Spice Girls mit ihrem ersten Kinofilm "Spice World" in den amerikanischen Kinos, nachdem sie bereits in ganz Europa für gute Stimmung und klingelnde Kassen gesorgt hatten. Was dem überwiegend jungen Publikum recht gut gefiel, kam bei den Kritikern jedoch gar nicht gut an.
Sieben Nominierungen für die Goldene Himbeere folgten, von denen Mel C., Mel B., Emma, Geri und Victoria immerhin den als schlechteste Hauptdarstellerinnen entgegen nehmen durften. Dafür stiegen die Verkaufszahlen des zweiten Albums "Spiceworld" erneut in die Höhe, aus dem viele Titel für den Soundtrack verwendet wurden.
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