Originaltitel: South Park: Bigger, Longer and Uncut
USA 1999
Regie: Trey Parker
Verleih: Warner
Die Drittklässler Kenny, Kyle, Cartman und Stan erleben im Kino den Film "Asses of Fire" der kanadischen Komiker Terrence und Philipp und übernehmen zahllose obszöne Zitate in ihren Sprachgebrauch. Das hat Folgen: Kyles entrüstete Mutter gründet die Organisation "Mothers Against Canadians", die die Komiker öffentlich hinrichten lassen will. Doch die Kids schreiten ein.

Bereits der doppeldeutige Titel läßt erahnen, wo es in der Filmversion der popkultigen, mit Profanitäten durchsetzten Zeichentrick-Kabelserie gleichen Namens langgeht. Munter-vergnügt werden sexuelle Tabus gebrochen und generell alles respektlos durch den subversiven Fleischwolf gedreht, was an erzamerikanischen Moralwerten heilig ist. Die Rechnung der Schöpfer Trey Parker und Matt Stone ging nun auch an der Kinokasse auf: Am verlängerten Startwochenende konnten die abartigen Antiautoritätsabenteuer von Kenny und Konsorten deftige 23,1 Mio. Dollar einspielen.
Vordergründig handelt es sich um eine obzöne Kalauerkanonade, die sich infantil kichernd in Badezimmer- und Genitalienhumor ergeht. Doch Parker und Stone, auf deren Konto auch die rowdyhaft-rüden Realspielfilme "Baseketball" und "Orgazmo" gehen, haben gewichtigere (und persönliche) Hühnchen zu rupfen. Sie wettern gegen Zensur durch die MPAA ("South Park" konnte erst nach diversen Schnittauflagen der kommerziell tödlichen NC17-Alterfreigabe entgehen), die "schreckliche Gewalt erlaubt, solange keine anzüglichen Ausdrücke benutzt werden", und Organisationen von hysterischen Müttern, die das Recht auf Meinungsfreiheit untergraben wollen.
Die Drittkläßler Kenny, Kyle, Cartman und Stan gehen ins Kino, um sich den analfixierten Film "Asses of Fire" des kanadischen Komikerteams Terrence und Philip anzusehen. Ihre kindlichen Gemüter saugen die vorgetragene obzöne Schimpfwortlitanei auf wie Schwämme, was ihnen in der Schule und Zuhause mächtige Probleme einhandelt. Kyles entrüstete Mutter Sheila geht auf die Barrikaden und gründet die Organisation "Mothers against Canadians". Es dauert nicht lange und ein regelrechter Krieg steht vor Tür. Terrence und Philip sollen nun öffentlich hingerichtet werden, doch die Kiddies gründen nun ihre eigene Widerstandsbewegung.
Die Animation ist dem Serienstandard entsprechend rudimentär ausgefallen, wobei ein paar ausgefeiltere computergenerierte Backdrops hinzugefügt wurden. Im Stil traditioneller Disney-Animation wurden insgesamt 15 musikalische Nummern eingebaut, die nicht nur den Disney-Standardt verulken, sondern sich auch höchst amüsant an Broadwaymelodien und kontemporären Rap- und R&B-Schnulzen vergreifen. Alberne Angriffe unter die Gürtellinie müssen so diverse Zielscheiben wie Saddam Hussein (als sexsüchtiger Liebhaber des Teufels), Winona Ryder (demonstriert scheinbar vaginale Kunststückchen mit Pingpongbällen), Bill Gates (bekommt die Kugel) und "Star Wars"-Untier Jar Jar Binks über sich ergehen lassen. Trotz schneidend sarkastischer Seitenhiebe auf Patrioten, Rassisten, Homosexuelle und New-Ager versteht es diese Anarchokomödie außer Rand und Band, auch noch eine positive Botschaft von Toleranz unterzubringen. ara.
| Sprecher: | Trey Parker | als Stan Marsh/Eric Cartman/Satan | |
|---|---|---|---|
| Matt Stone | als Kyle Broslofski/Kenny Mc Cormi | ||
| Mary Kay Bergman | als Liane Cartman/Sheila Broslofsk | ||
| Isaac Hayes | als Jerome 'Chef' McElroy | ||
| Jesse Howell | als Ike Broflovski | ||
| Anthony Cross-Thomas | als Ike Broflovski | ||
| Bruce Howell | als Man in Theatre | ||
| Deb Adair | als Woman in Theatre | ||
| Jennifer Howell | als Bebe Stevens | ||
| George Clooney | als Dr. Gouache/Doctor | ||
| Heinz Hoenig | |||
| Regie: | Trey Parker | ||
| Drehbuch: | Trey Parker | ||
| Matt Stone | |||
| Pam Brady | |||
| Produzent: | Trey Parker | ||
| Matt Stone | |||
| Koproduzent: | Anne Garefino | ||
| Deborah Liebling | |||
| Ausf. Produzent: | Scott Rudin | ||
| Adam Schroeder | |||
| Schnitt: | John H. Venzon | ||
| Musik: | Marc Shaiman | ||
| Trey Parker | |||
| Animation: | Eric Stough | ||
Alec Baldwin, Sean Penn, Tim Robbins, George Clooney, Liv Tyler, Susan Sarandon, Martin Sheen, Janeane Garofalo, Michael Moore, George W. Bush, John Kerry und Kim Jong Il werden alle ganz schön sauer sein, wenn sie "Team America: World Police sehen".
Bereits "Southpark - Der Film" ging wenig zimperlich mit amerikanischen Werten um (Foto: Warner)
Das behauptet zumindest der Trailer von "Team America: World Police", der am 15. Oktober in den amerikanischen Kinos anläuft. Der kritische Marionetten-Film der "South-Park"-Macher Matt Stone und Trey Parker sorgt natürlich bereits im Vorfeld für saure Gesichter, besonders im Weißen Haus.
Warum allerdings im Trailer auch Bush-Gegner aufgezählt werden und warum sich diese ebenfalls über den Film ärgern könnten, wird wohl erst ab Mitte Oktober klar sein.
Bis dahin gibt es aber auch so schon genügend Aufregung: Aktueller Anstoß ist neben dem üblichen Sarkasmus - "Terror ist kein Spaßthema", so ein Sprecher des Weißen Hauses - eine Liebesszene zwischen zwei der Puppendarstellern. Möglicherweise erhält der Film aus diesem Grund ein sogenanntes R-Rating: Den Film dürften in den USA dann nur Menschen jenseits der 17 Lenze sehen.
Die angeblich anzügliche Marionetten-Liebelei ist wohl nur Nebenkriegsschauplatz, tatsächlich ist der Film an sich ein Dorn im Auge der Bush-Administration. "Team America" persifliert nämlich Bushs Antwort auf den globalen Terrorismus und seine Warnung vor der "Achse des Bösen". Die Puppen-Truppe der "World Police" sorgt dabei actionreich und mit mehr als einem Augenzwinkern für weltweiten Frieden, Wohlstand und Amerikanismus. Damit überschreitet die Satire die Grenze des Geschmackvollen, zumindest nach Ansicht einiger US-Regierungsvertreter.
"Ich würde den Machern vorschlagen, dass sie denjenigen, die sich aufopfern, um Amerika sicher zu machen, Respekt entgegenbringen", sagte ein Abgesandter des Weißen Hauses "Der Film ist unverschämt - nicht lustig".
Äußerungen, die kaum verwundern - am wenigsten die beiden System-Kritiker Stone und Parker, denn genau darauf zielen sie mit ihren schrägen Serien und Filmen schließlich stets ab. Und so freuen sie sich wahrscheinlich über jeden Unkenruf aus dem Weißen Haus - eine bessere Pressearbeit gibt's wohl kaum.
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