Regie: Alexandra Czok
Verleih: Kinobar Prager Frühling
Alexandra Czok legt ein Dokuporträt der Sängerin Sanije Torka vor, die Vorbild für Konrad Wolfs legendären Defa-Film "Solo Sunny" wurde, der 1980 bei der Berlinale ausgezeichnet wurde. Ausschnitte aus "Solo Sunny", Aufnahmen aus Sanijes Wohnung und Berliner Schauplätzen und Sanijes Kommentare, stellen direkte Verbindungen zwischen Kultfilm und ihrem wildem Leben her. Czok hält mit flüssiger Erzählweise, schönen Berlin-Bildern, Studien aus dem Frauenknast und Details am Rande (Gartenzwerg im Regen), einen spannenden Dokumentarfilm in Gang.

Das aufregende deutsch-deutsche Leben der Sängerin Sanije Torka, die Vorbild für Konrad Wolfs legendären Defa-Film "Solo Sunny" wurde.
Eine attraktive Frau im Rentenalter im offenen Strafvollzug im Frauenknast Tegel, die sich als "studierte" Ladendiebin bezeichnet, ist ein Phänomen, dem man nicht alle Tage begegnet. Die Frau, die sich in Alexandra Czoks aufregendem Dokuporträt "Solo für Sanije" so unangepasst wie umtriebig bewegt und aus ihrem Leben erzählt, ist die 1944 geborene Sanije Torka, die sich in der ersten und letzten Szene des Films hingebungsvoll wie ein Teenager schminkt und deren Maxime lautet: "Regeln übertreten macht Spaß."
Findelkind Sanije wuchs in einem Heim in Potsdam auf, das sie mit 17 Jahren verließ, war verheiratet mit einem Mann, der in den Westen floh, gab ihren Sohn, den sie bis heute nicht wiedergesehen hat, "leichtfertig" weg und schlug sich in den 60er- und 70er-Jahren als Sängerin und Entertainerin durch. Eine echte Bohémienne, genoss sie relativ liberale Zeiten in Ostsee-Hotels in Rostock, auf der Leipziger Messe und auf einer Russland-Tournee und fand in der DDR "alles zu schwach für mich". Sanije war eine rebellische Frau im Geist der Autorin Brigitte Reimann ("Franziska Linderhand"). Die Wende brachte die Leere, gegen die Sanije, die sich an kein bürgerliches Leben anpassen wollte und konnte, anging: als Ladendiebin, die die Beute großzügig verteilt.
Was der Film an kulturhistorischem Mehrwert bietet, ist Konrad Wolfs "Solo Sunny", der Renate Krössner 1980 den Silbernen Bären der Berlinale einbrachte. Sanije hatte Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase (der heute mit Andreas Dresen arbeitet) 1969 kennengelernt, sie diente ihm als Vorbild für Sunny, die allem widersprach, was in der DDR auf Linie gelebt werden sollte. Erwähnt werden durfte Sanije nur als Beraterin. Ausschnitte aus "Solo Sunny", Aufnahmen aus Sanijes Wohnung und Berliner Schauplätzen und Sanijes Kommentare, stellen direkte Verbindungen zwischen Kultfilm und wildem Leben her. Alexandra Czok hält mit flüssiger Erzählweise, schönen Berlin-Bildern, Studien aus dem Frauenknast und Details am Rande (Gartenzwerg im Regen), einen spannenden Dokumentarfilm in Gang. Wie ihre Heldin, die sich erinnert: "Das war's, was ich eigentlich wollte - du bist der Mittelpunkt." Sehenswert. ger.
| Darsteller: | Sanije Torka | ||
|---|---|---|---|
| Regie: | Alexandra Czok | ||
| Drehbuch: | Alexandra Czok | ||
| Kamera: | Jakobine Motz | ||
| Schnitt: | Gudrun Steinbrück | ||
| Ton: | Christian Reiß | ||
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