
Man spürt sofort, dass die beiden Frauen noch eine alte Rechnung miteinander zu begleichen haben. Anders als gewohnt aber ist es nicht das übliche "Mutter/Tochter-Ding": Rena (Thekla Carola Wied) und ihre Mutter Edith (Kyra Mladeck) eint und trennt Ediths Vergangenheit im Dritten Reich.
Wie so viele Menschen ihrer Generation hat auch die alte Frau stets nur ungern über diese Zeit gesprochen. Jahrzehntelang hat sie Rena mit einer Mischung aus Lügen und Halbwahrheiten hingehalten. Die Tochter weiß zwar, dass ihre Mutter für den "Lebensborn" gearbeitet hat, aber mehr auch nicht.
Der Film "Sie ist meine Mutter" beleuchtet ein Kapitel der NS-Geschichte, das kaum bekannt ist: Die "Lebensborn"-Heime sollten "rassisch und erbbiologisch wertvolle werdende Mütter" unterstützen. Im Klartext hieß das: Mütter, die sonst abgetrieben hätten, konnten in den Heimen ihre unehelichen Kinder zur Welt bringen; später wurde dann die Adoption arrangiert. Durch "Lebensborn"-Heime etwa in Skandinavien sorgte der Verein für die "Aufnordung" der deutschen Rasse: Hier fanden schwangere einheimische Frauen eine Zuflucht, die von ihren Landsleuten als "Deutschen-Flittchen" diskriminiert wurden.
Renas Mutter Edith hat sich ihrer unehelichen Tochter derart geschämt, dass sie bis in ein "Lebensborn"-Heim in die Nähe von Oslo geflohen ist. Aber war sie wirklich bloß, wie sie all die Jahre behauptete, eine harmlose Sekretärin? Die Vergangenheit wird wieder aufgerollt, als ein alter Mann Edith um eine Zeugenaussage bittet: Er ist überzeugt, Sohn eines der Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944 zu sein; deren Kinder wurden damals zwangsadoptiert. Edith weigert sich zu kooperieren, was den ohnehin permanent schwelenden Konflikt zwischen Mutter und Tochter wieder neu entfacht.
Der Film beruht auf der Autobiografie von Gisela Heidenreich, "Das endlose Jahr". Im Gegensatz zur Vorlage verzichtete die renommierte Autorin Hannah Hollinger, die viele Drehbücher für Matti Geschonneck geschrieben hat, auf Rückblenden; Regisseurin Dagmar Hirtz' Film kann sich voll und ganz auf die beiden Hauptfiguren und damit auf ihre vorzüglichen Hauptdarstellerinnen konzentrieren. Es gelingt beiden, diese spezielle Auseinandersetzung so auszutragen, dass sie gewissermaßen stellvertretend für jede Art von Generationenkonflikt steht. Gerade die Theaterschauspielerin Kyra Mladeck spielt Edith ohne Rücksicht auf Sympathieverluste. Einzig der Filmtitel gibt die schlichte Antwort auf die naheliegende Frage, wie es Rena so lange mit diesem Drachen aushalten konnte: "Sie ist meine Mutter." tpg.
| Darsteller: | Thekla Carola Wied | als Rena | |
|---|---|---|---|
| Kyra Mladeck | als Edith | ||
| Rüdiger Vogler | als Jan | ||
| Michael Altmann | als Friedrich | ||
| Florian Brückner | als Philip | ||
| Robert Dölle | |||
| Veronika von Quast | |||
| Regie: | Dagmar Hirtz | ||
| Drehbuch: | Hannah Hollinger | ||
| Produzent: | Prof. Regina Ziegler | ||
| Buchvorlage: | Gisela Heidenreich | ||
| Kamera: | Axel Block | ||
| Schnitt: | Nicola Undritz | ||
| Produktionsdesign: | Michael Köning | ||
| Ton: | Andreas Mücke-Niesytka | ||
Spätestens seit ihrer Hauptrolle in der 80er-Jahre-Serie "Ich heirate eine Familie" zählt Thekla Carola Wied zu den beliebtesten...
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