Fünf miteinander verwobene Handlungsstränge erzählen von den unmittelbaren Auswirkungen des Anschlags vom 11. September 2001auf den Alltag in Deutschland. Die Geschichten spielen zwischen dem Tag des Attentats und dem Beginn der Luftangriffe auf Afghanistan. http://images.kino.de/flbilder/max03/mbiz03/mbiz24/z0324402/b150x150.jpg September

Filmdetails

September

Fünf miteinander verwobene Handlungsstränge erzählen von den unmittelbaren Auswirkungen des Anschlags vom 11. September 2001auf den Alltag in Deutschland. Die Geschichten spielen zwischen dem Tag des Attentats und dem Beginn der Luftangriffe auf Afghanistan.


September
Start: 26.06.2003

Drama

Deutschland 2003
Laufzeit: 109 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Nina Proll
Catharina Schuchmann
Justus von Dohnányi

Regie: Max Färberböck
Verleih: X Verleih (Warner)

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Inhalt

Auf "11'09'02" folgen nun die Reaktionen aus Deutschland - festgehalten in fünf verbundenen Episoden aus dem Großstadtalltag deutscher Menschen zwischen dem Tag des Anschlags und dem Beginn der Luftangriffe auf Afghanistan: Die Geschichte eines Moslems, der sich von seiner deutschen Frau entfremdet; eines Schriftstellers, der zum Fundamentalismus-Experten wird; eines Polizisten und eines Vermögensberaters, den die Ereignisse in den Ruin treiben.

Fünf deutsche Schriftsteller verarbeiteten ihre Gedanken zu den Anschlägen vom 11. September 2002, Regisseur Max Färberböck verknüpfte sie mit den Fernsehbildern, die sich weltweit im kollektiven Bewusstsein verankert haben, zu einem nachdenklichen filmischen Ganzen.


Kritik

September

War danach wirklich nichts mehr, wie es vorher war? Mit der Frage, wie jeder einzelne 9/11 erlebt hat, konfrontiert Max Färberböck den Zuschauer nach "Aimée und Jaguar" in einer neuen Lektion über die Auswirkungen des Politischen ins Private aus allerjüngster Zeit.

Erzählt werden mehrere Geschichten "ganz normaler Menschen", die in Episodenmanier lose miteinander verknüpft sind - oder auch nicht. Färberböck geht es um den Einbruch der Katastrophe in den Alltag, das emotionale Chaos, den Wendepunkt, den sie darstellen kann. Dabei lässt er durch Bilder des einstürzenden World Trade Centers, anderweitiges Doku-Material und den Titel keinen Zweifel am konkreten Anlass. Der Film spielt zwischen dem 11. September und den amerikanischen Angriffen auf Afghanistan. Doch er entzieht die Bilder, die jeder kennt, ihrer dokumentarischen Bedeutung, indem er sie ohne die gewohnte Fernsehumgebung zeigt, vielmehr im Rahmen eines fiktiven Senders mit Nachrichtensprecherin Sandra (Anja Kling), und vermischt so Reales mit Fiktion. Ein Kunstgriff, der Allgemeingültigkeit verleihen soll, aber auch irritiert.

Sechs (!) Autoren, darunter Färberböck selbst, verfassten die Geschichte(n) von vier deutschen Paaren bzw. Familien aus verschiedenen sozialen Verhältnissen, die - auch auf Grund von Besetzung und zeitlicher Gewichtung - von unterschiedlicher Qualität sind. Die Episoden sind verwoben durch Überblendungen und Zwischenschnitte, ein stilistisches Mittel, das bis an seine Grenze getrieben wird.

Im Zentrum steht die Geschichte der Familie Scholz - weil sie eine Entwicklung durchmacht, aber auch, weil sie die interessanteste schauspielerische Leistung liefert. Catharina Schuchmann, die an der Seite von Justus von Dohnányi alias Philipp Scholz dessen Ehefrau Julia spielt, beeindruckt als Newcomerin mit einer beachtlich glaubwürdigen Darstellung. Diese Julia, Mutter von drei Kindern, weigert sich, den Scheidungswunsch ihres Mannes zu akzeptieren. Während die Bilder vom Crash über den TV-Schirm flimmern, laufen in dessen Büro die Telefone heiß: Seine Broker-Firma verliert ein Vermögen. Am Ende hat er den Wert seiner Familie erkannt, während Julia immer tiefer in die Depression abgleitet. Das kleine Restaurant von Ashraf (René Ifrah) dagegen macht guten Umsatz: die Leute sitzen zu Hause und schauen TV, freut sich der pakistanische Pizzabäcker. Das gefällt seiner hochschwangeren deutschen Freundin Lena (Nina Proll) gar nicht, die von ihm ein eindeutiges Statement gegen den Terror erwartet, und, als sie es nicht bekommt, in eine Vertrauenskrise stürzt. Zur gleichen Zeit bemüht sich der aufstrebende Nachwuchsautor Baumberger (Moritz Rinke), unter den Attacken seiner Yuppie-Freundin Natascha (Stefanie Stappenbeck), um einen angemessenen links-intellektuellen Standpunkt im deutschen Blätterwald, während Helmer (Jörg Schüttauf in einer "Fahnder"-Variante), Einsatzleiter eines Polizei-Sonderkommandos und erklärter Freund der USA, vor allem an der emotionalen Front kämpft. Dieser Helmer ist vielleicht die tragischste Figur des Films, mit sich und seinem Leben uneins, einsam und unfähig, sich mit seiner (herzkranken) Frau, den Schulden und einem Sohn, den er nicht versteht, auseinander zu setzen.

Zwischen Ehe-, Schreib-, Vertrauens- und Existenzkrise kämpfen sich diese Menschen durch ihren Alltag. Dabei gibt es Bilder und Episoden von Intensität und Dichte, die emotional berühren, aber es gelingt dieser "Short Cuts"-Variante nicht immer, den Gefahren des Betroffenheits-Kinos zu entgehen. Ein Film, der sich mit seinen verschiedenen Blickwinkeln in Un Certain Regard in Cannes behaupten konnte. Der durchaus mutigen Gesellschafts-Parabel sind Zuschauer zu wünschen, die sich nicht von den vielleicht zu oft gesehenen Bildern schrecken lassen, sondern sich auf eine Reflexion der persönlichen Dimension des weltverändernden Datums einlassen. boe.

September

Darsteller:  Nina Proll   als Lena
  Catharina Schuchmann   als Julia Scholz
  Justus von Dohnányi   als Philipp Scholz
  Jörg Schüttauf   als Helmer
  Moritz Rinke   als Felix Baumberger
  Sólveig Arnarsdóttir   als Susanne
  Stefanie Stappenbeck   als Natascha
  René D. Ifrah   als Ashraf
  Anja Kling   als Sandra
  Susanne Herleth   als Frau Breuer
  Lili Färberböck   als Isabell Scholz
  Leopold Färberböck   als Gregor Scholz
  Haydar Zorlu   als Benjamin Frank
  Peter Fitz   als Isidor Krantz
  Kristina van Eyck   als Klavierlehrerin
  Albert Kitzl   als Moshen
  Michael Wittenborn   als Waller
  Rosa Enskat   als Frau Peters
  Vincent Heppner   als Robert
  Errol Trotman-Harewood   als John Glenn
  Murali Perumal   als Naim
  Henny Reents   als Bianca
  Ercan Durmaz   als Erkan
  Zahra Kazim   als Sarah
  Grischa Huber   als Gudrun
 
Regie:  Max Färberböck  
Drehbuch:  John von Düffel  
  Maria Scheibelhofer  
  Matthias Pacht  
  Moritz Rinke  
  Sarah Khan  
  Max Färberböck  
Produzent:  Martin Hagemann  
  Max Färberböck  
Koproduzent:  Käte Caspar  
  Ulrich Caspar  
Ausf. Produzent:  Anne Leppin  
  Sigrid Hoerner  
Kamera:  Carl-Friedrich Koschnick  
Schnitt:  Ewa Lind  
Musik:  Dario Marianelli  
Produktionsdesign:  Knut Loewe  
Kostüme:  Monika Jakobs  
Ton:  Frank Kruse  
  Prof. Martin Steyer  

Star

Nina Proll

Nina Proll gilt als das Multitalent des österreichischen Films. Sie ist nicht nur eine gefragte Schauspielerin, sondern singt und tanzt regelmäßig...

Star

Justus von Dohnányi

Deutscher Schauspieler und Regisseur. Er spielt gern saftige Rollen, in denen er das Zwiespältige ausloten kann,...

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