Heike Makatsch
Anna Maria Mühe
Sebastian Urzendowsky
Regie: Ed Herzog
Verleih: NFP (Filmwelt)
Obwohl Musikproduzentin Anne (Heike Makatsch) viel Stress mit ihrer Plattenfirma hat und ihrem Freund Phillip (Marc Hosemann) einen Schwangerschaftsabbruch verheimlicht, fährt sie mit ihrer gerade volljährig gewordenen Schwester Marie (Anna Maria Mühe) in den Spanienurlaub. Die beiden sind einander wenig vertraut und kommen sich nur allmählich näher. Als Marie sich in Max (Ludwig Trepte) verliebt, den Anne sich gleich am ersten Abend geangelt hat, endet ihre Bewunderung für die Schwester. Latente Rivalitäten brechen auf.
Die nach dem Roadmovie "Almost Heaven" zweite Zusammenarbeit von Heike Makatsch und Ed Herzog ist ein prominent besetztes, feministisch geprägtes Frauenportrait zweier gänzlich verschiedener Schwestern, die das Selbstverständnis einer Generation verkörpern.

Die souverän aufspielende Heike Makatsch treibt feministische Seelenerforschung.
Heike Makatsch und Regisseur Ed Herzog... da war doch was. Richtig, "Almost Heaven", der die ehemalige Viva-Moderatorin auf musikalischem Selbstfindungstrip zeigte und die Zuschauer in der Vorhölle schmoren ließ. Eine Referenz, der nur Besseres folgen konnte. Was nun mit "Schwesterherz" gelungen ist. Das Drehbuch hat Makatsch zusammen mit der renommierten FAS-Redakteurin und Autorin Johanna Adorján verfasst, weil die Geschichte, ihrer Meinung nach, "eine ehrliche Deskription der Problematik einer neuen Generation ist". Ein Film mit Anliegen - gefährlich. Und dann noch die Probleme: Die hätten 80 Prozent der Frauen gerne. Denn "Heldin" Anne, forsch und kämpferisch, mit manchmal etwas zuviel Tristesse von Makatsch gespielt, ist eine erfolgreiche Musikmanagerin. Ihre mondäne Wohnung kann sich sehen lassen, die Klamotten sind schick (und teuer) und das Handy glüht im Dauereinsatz. Alles im Lot? Nein. Mit dem Freund (Marc Hosemann aus "Reine Formsache"), mit dem klappt's nämlich nicht. Er arbeitet nicht, hängt rum, feiert, ist wortkarg und unbeständig. Und von dem Kerl ist Anne auch noch schwanger.
Ein Feminismus-Stück also, das ein neues, starkes Frauenbild zeichnet, die selbstbewusste Drei-Wetter-Taft-Lady in den Mittelpunkt stellt. Die Story einer Frau, die den drei großen Ks - Kirche, Küche, Kinder - erfolgreich trotzt? Auf der einen Seite ja. Aber der Erfolg - das wird hier klar - ist auch teuer erkauft. Dafür muss die Individualität geopfert, mit den Wölfen geheult werden. Schön, schlank, fröhlich sein, das gehört, will man in einer Männergesellschaft bestehen, zum Geschäft - das hat Heike Makatsch als Fernseh-Über-Girlie wohl jahrelang am eigenen Leib erfahren müssen. Davon befreit sie sich hier. Endgültig. Radikal. Findet als Anne quasi zu sich selbst. Dabei hilft ihr ihre kleine Filmschwester Marie - sympathisch und talentiert: Anna Maria Mühe -, die sie zu deren 18. Geburtstag ins spanische Benidorm einlädt. Doch auch dort will Anne das Sagen haben und schleppt gleich mal betrunken Maries Verehrer Max (Sebastian Urzendowsky aus "Die Fälscher") ab.
Regnerisch, menschenleer, unwirtlich präsentiert sich die spanische Sonnenküste. Das Licht schimmert fahl, die grau-blauen Bilder Sebastian Edschmids wirken verwaschen, ausgelaugt. Sie spiegeln das desolate Innenleben Annes wider. Im Büro scheint sie niemand zu vermissen. Leere statt Geschäftigkeit. Schmerzhaft wird sie sich ihrer selbst bewusst. Plötzlich ist sie auf sich alleine gestellt und muss sich mit Marie auseinandersetzen, die nicht daran denkt, sich einfach dem Willen des kürzlich noch verehrten großen Vorbilds zu beugen. So lernen die beiden Frauen verschiedener Generationen voneinander, dass das Leben Schmerzen bereitet, dass es Wichtigeres gibt als Geld und gutes Aussehen. Nichts Neues, weder das Thema, noch die dualistische Struktur der Darstellung. Dafür stimmen aber die kleinen Gesten, die Nuancen, die Zwischentöne und zeugen dabei von guter Beobachtung. Den Rest erledigen, schauspielerisch souverän, Makatsch und Mühe. geh.
| Darsteller: | Heike Makatsch | als Anne | |
|---|---|---|---|
| Anna Maria Mühe | als Marie | ||
| Sebastian Urzendowsky | als Max | ||
| Ludwig Trepte | als Matze | ||
| Marc Hosemann | als Philip | ||
| Grischa Huber | als Mutter | ||
| Esther Zimmering | als Bettina | ||
| Denis Moschitto | als Klingelton-Mann | ||
| Felix Vörtler | als Annes Chef | ||
| Regie: | Ed Herzog | ||
| Drehbuch: | Heike Makatsch | ||
| Johanna Adorjan | |||
| Produzent: | Judy Tossell | ||
| Kamera: | Sebastian Edschmid | ||
| Schnitt: | Uta Schmidt | ||
| Produktionsdesign: | Brigitte Schlögel | ||
| Kostüme: | Sabine Böbbis | ||
| Maske: | Susanne Wörle | ||
| Ton: | Frank Regente | ||
Ob Heinz Badewitz schon 1967, als die Hofer Filmtage mit dem inoffiziellen Titel "Das kleinste Filmfestival der Welt" erstmals veranstaltet wurden, abschätzen konnte, welch wunderbare Entwicklung diese Veranstaltung in den vier darauf folgenden Jahrzehnten nehmen würde?
Vermutlich nicht - was aber auch keine Rolle spielt: Denn noch heute, zum 40-jährigen Jubiläum der Internationalen Hofer Filmtage, leitet Badewitz die Geschicke dieses einzigartigen Festivals selbst und bestimmt damit die Richtung.
Womit wir beim zweiten Titel angekommen sind: Der "dienstälteste Festivalleiter Europas" hat es auch in diesem Jahr wieder geschafft, eine wunderbare Kombination aus Anspruch und Unterhaltung ins Programm zu nehmen - und damit das bereits hohe Niveau der Vorjahre erneut übertroffen.
Ganz ohne Tricks ging's dann aber auch nicht: Um die Vielzahl der sehenswerten Filme ins Programm zu bekommen, durfte man diesmal einen Tag früher in die Hofer Kinos - was auch, zumindest haben wir's so empfunden - den Kampf um die begehrten Karten angenehm entschärfe.
Selbst wer sich spontan ins oberfränkische Hof begab und den allmorgendlichen Verkauf für den nächsten Tag aufgrund einer der vielen und exzessiven Filmtage-Partys verpasste, der konnte sich im Laufe des Tages noch Plätze für eine der rund 80 Erstaufführungen sichern.
Besonders schön: Obwohl ein Festival dieser Größe einer entsprechend professionellen Organisation bedarf, hat der unvergleichliche Charme der Hofer Filmtage auch im vierzigsten Jahr nicht gelitten. Ein sichtlich gut gelaunter Christoph Schlingensief begegnet einem lachend im Foyer (und weckt die Fra,ge mit welchem Film er in Hof eigentlich mal wieder unvorbereitete Zuschauer schocken möchte), und Regisseur Detlev Buck lobt im Gespräch mit KINO.DE die familiäre Atmosphäre und die einzigartige Stimmung. "Man fühlt sich eben immer noch zu Hause", so Buck.
Wir können nur zustimmen und sprechen abschließend noch unsere persönlichen Empfehlungen aus. Nach dem Eröffnungsfilm "Schwere Jungs" von Marcus H. Rosenmüller liefert Oliver Rihs' "Schwarze Schafe" dem Duo Stadlober/Schilling eine wunderbare Plattform und sorgt für reichlich Szenenapplaus.
Wir verlassen den mit dem Eastman-Förderpreis ausgezeichneten "NimmerMeer" von Toke C. Hebbeln nachdenklicher - um dann eine wunderbar aufspielende Heike Makatsch in "Schwesterherz" zu bewundern.
Einige der gezeigten Filme möchte man dann auch am liebsten gleich erneut sehen: so etwa Bernd Langes "Rabenbrüder" oder die österreichische Dokumentation "Aus der Zeit". Da die Beschreibung dieser kleinen und großen Meisterwerke den Rahmen jeder Berichterstattung sprengt, verbleiben wir abschließend mit der Empfehlung an Film- und Kino-Fans, im nächsten Jahr selbst vor Ort zu sein. Denn derzeit gibt es europaweit wohl nur in Hof diese exklusive Mischung aus Kult, Kultur und ganz großem Kino!
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