Sebastian Bezzel
Michael A. Grimm
Simon Schwarz
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Verleih: Constantin
Seit er denken kann, steht Möchtegern-Bobfahrer Gamser im Schatten seines großen Konkurrenten, dem Dorfler. Doch 1952, dem Jahr der Olympischen Winterspiele in Oslo, will er es noch einmal wissen. Mit drei Freunden aus Jugendtagen schafft er die Qualifikation für Olympia, die auch sein hochdekorierter Erzrivale in der Tasche hat. Doch nur ein Team hat eine reelle Chance auf eine Medaille.
Bahn frei für vier bayerische Schwergewichtler, die die Olympische Goldmedaille im Bobfahren holen wollen. Der Kampf auf den Kufen wird für alle Beteiligten zum turbulenten Höllenritt.
Underdog Gamser und seine Kumpels wollen bei Olympia aufs Siegerpodest (Foto: Constantin)
Die Nation ist im Goldrausch. Nach der sommerlichen Euphorie um die Fußball-WM heißt es nun: Deutschland, ein Wintermärchen! Regisseur Marcus H. Rosenmüller verfilmte nach wahren Begebenheiten die Geschichte um das deutsche Bobteam bei den Olympischen Spielen 1952. Erst kürzlich landete der in Tegernsee geborene Filmemacher einen Überraschungserfolg mit der bajuwarischen Komödie "Wer früher stirbt, ist länger tot".
Mit zünftigem Lokalkolorit und frechem, rustikalem Witz geht es auch in seinem Nachfolgewerk zur Sache: Vier stattliche Burschen aus Garmisch-Partenkirchen wollen den Olympischen Eiskanal erobern - doch das ist leichter gesagt als getan. Denn bisher hat das Kufenkleeblatt noch nie ein Rennen gewonnen!
Kalorien zählen für den Sieg: Knödel und Schweinsbraten sollen für mehr Schwung im Eisparcours sorgen (Foto: Constantin)
Zwar ist ihre Fahrtechnik fulminant, doch dafür sind die selbst gezimmerten Bobs von Teamanführer Gamser (Sebastian Bezzel, SWR-"Tatort") umso wackliger. Jetzt aber, da eine Olympiateilnahme im norwegischen Oslo winkt, legt Gamser sich besonders ins Zeug. Schließlich geht es für ihn um mehr, als "nur" eine Medaille: Mit einem Sieg könnte er seinem Erzrivalen, dem arroganten Brauereibesitzer Dorfler (Nicholas Ofczarek), endlich mal eins auswischen.
Denn Dorfler geht mit seinem Team ebenfalls in Oslo an den Start, gilt dort sogar als Favorit. Getreu dem Motto "Jetzt pack' mers!" stürzen sich Gamser und seine Kumpels Franzl (Michael A. Grimm), Gustl (Antoine Monot Jr.) und Leusl Peter (Simon Schwarz) in den Medaillenkampf. Doch kaum in Oslo angekommen, werden die Underdogs mit allerlei Widrigkeiten der skurrilen Art konfrontiert.
"Cool Runnings" auf Bayerisch - da wird gegrantelt, dass die Schweineschwarte kracht! Regisseur Rosenmüller entführt mit wonnig-wohligen Nostalgiebildern in jene längst vergangenen Tage, in denen auf dem Bob noch wohlgenährte Masse gefragt war.
Als wortwörtlich "dicke" Kufenkumpels brilliert ein großartiges Darstellerensemble, dem die Gratwanderung zwischen deftiger Gaudi und feinfühligem Freundschaftsdrama perfekt gelingt. Bleibt nur zu wünschen: Guten Rutsch!
| Darsteller: | Sebastian Bezzel | als Gamser | |
|---|---|---|---|
| Michael A. Grimm | als Franzl | ||
| Simon Schwarz | als Leusl Peter | ||
| Antoine Monot, Jr. | als Gustl | ||
| Nicholas Ofczarek | als Dorfler | ||
| Andreas Harwarth | als Kaspar | ||
| Stefan Betz | als Basti | ||
| Daniel Zillmann | als Toni | ||
| Rike Schmid | als Anna Dorfler | ||
| Liane Forestieri | als Rosi | ||
| Denise Zich | als Eislaufprinzessin Mücke | ||
| Lisa Maria Potthoff | als Gerdi | ||
| Bastian Pastewka | als von Hase | ||
| Horst Krause | als Delegationsleiter | ||
| Barbara Bauer | als Ursel | ||
| Maximilian Brückner | als Reporter Robert | ||
| Martin Walch | als Schiedsrichter | ||
| Sylvester Leo | als Schieler Waschtl | ||
| Florian Thompson | als Leusl mit 12 | ||
| Josef Friedl | als Gustl mit 10 | ||
| Philipp Epping | als Franzl mit 13 | ||
| Regie: | Marcus H. Rosenmüller | ||
| Drehbuch: | Philipp Roth | ||
| Produzent: | Molly von Fürstenberg | ||
| Viola Jäger | |||
| Harry Kügler | |||
| Koproduzent: | David Groenewold | ||
| Martin Moszkowicz | |||
| Kamera: | Torsten Breuer | ||
| Schnitt: | Anne Loewer | ||
| Musik: | Gerd Baumann | ||
| Maske: | Waldemar Pokromski | ||
| Ivana Nemcová | |||
| Casting: | Nessie Nesslauer | ||
Ob Heinz Badewitz schon 1967, als die Hofer Filmtage mit dem inoffiziellen Titel "Das kleinste Filmfestival der Welt" erstmals veranstaltet wurden, abschätzen konnte, welch wunderbare Entwicklung diese Veranstaltung in den vier darauf folgenden Jahrzehnten nehmen würde?
Vermutlich nicht - was aber auch keine Rolle spielt: Denn noch heute, zum 40-jährigen Jubiläum der Internationalen Hofer Filmtage, leitet Badewitz die Geschicke dieses einzigartigen Festivals selbst und bestimmt damit die Richtung.
Womit wir beim zweiten Titel angekommen sind: Der "dienstälteste Festivalleiter Europas" hat es auch in diesem Jahr wieder geschafft, eine wunderbare Kombination aus Anspruch und Unterhaltung ins Programm zu nehmen - und damit das bereits hohe Niveau der Vorjahre erneut übertroffen.
Ganz ohne Tricks ging's dann aber auch nicht: Um die Vielzahl der sehenswerten Filme ins Programm zu bekommen, durfte man diesmal einen Tag früher in die Hofer Kinos - was auch, zumindest haben wir's so empfunden - den Kampf um die begehrten Karten angenehm entschärfe.
Selbst wer sich spontan ins oberfränkische Hof begab und den allmorgendlichen Verkauf für den nächsten Tag aufgrund einer der vielen und exzessiven Filmtage-Partys verpasste, der konnte sich im Laufe des Tages noch Plätze für eine der rund 80 Erstaufführungen sichern.
Besonders schön: Obwohl ein Festival dieser Größe einer entsprechend professionellen Organisation bedarf, hat der unvergleichliche Charme der Hofer Filmtage auch im vierzigsten Jahr nicht gelitten. Ein sichtlich gut gelaunter Christoph Schlingensief begegnet einem lachend im Foyer (und weckt die Fra,ge mit welchem Film er in Hof eigentlich mal wieder unvorbereitete Zuschauer schocken möchte), und Regisseur Detlev Buck lobt im Gespräch mit KINO.DE die familiäre Atmosphäre und die einzigartige Stimmung. "Man fühlt sich eben immer noch zu Hause", so Buck.
Wir können nur zustimmen und sprechen abschließend noch unsere persönlichen Empfehlungen aus. Nach dem Eröffnungsfilm "Schwere Jungs" von Marcus H. Rosenmüller liefert Oliver Rihs' "Schwarze Schafe" dem Duo Stadlober/Schilling eine wunderbare Plattform und sorgt für reichlich Szenenapplaus.
Wir verlassen den mit dem Eastman-Förderpreis ausgezeichneten "NimmerMeer" von Toke C. Hebbeln nachdenklicher - um dann eine wunderbar aufspielende Heike Makatsch in "Schwesterherz" zu bewundern.
Einige der gezeigten Filme möchte man dann auch am liebsten gleich erneut sehen: so etwa Bernd Langes "Rabenbrüder" oder die österreichische Dokumentation "Aus der Zeit". Da die Beschreibung dieser kleinen und großen Meisterwerke den Rahmen jeder Berichterstattung sprengt, verbleiben wir abschließend mit der Empfehlung an Film- und Kino-Fans, im nächsten Jahr selbst vor Ort zu sein. Denn derzeit gibt es europaweit wohl nur in Hof diese exklusive Mischung aus Kult, Kultur und ganz großem Kino!
Sebastian Bezzel wird gern und oft in TV-Krimiserien und -reihen besetzt. War er zunächst hauptsächlich in Nebenrollen zu sehen,...
Michael A. Grimm ist seit Ende der 90er-Jahre ein viel beschäftigter Theaterschauspieler. Daneben war er immer wieder auch in kleineren...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.