
Anwältin verlässt den Trubel der Großstadt, verdingt sich als Magd bei einem Bauern, verliebt sich und beschließt, ihre gesicherte Existenz und das mondäne Luxusleben aufzugeben, um hinfort mitten in der Nacht Kühe zu melken: So was funktioniert auch nur im Fernsehen. Die Rede ist allerdings nicht vom Kuppelformat "Bauer sucht Frau", sondern von einem typischen ARD-Freitagsfilm. So einfältig die Geschichte zunächst aber auch klingt, im Detail ist sie von Uwe Wilhelm (Buch und Regie) durchaus überzeugend ersonnen und umgesetzt. Natürlich wäre es nicht weiter schwer, dem Werk Verlogenheit und Konstruiertheit vorzuwerfen. Doch letztlich ist es das Genre, das zählt, und im Liebesfilm ist Realitätsnähe nun mal nicht die oberste Maxime.
Davon abgesehen hat Wilhelm seine Romanze geschickt verpackt: Elisabeth von Holbach (Claudine Wilde), als ebenso ehrgeizige wie erfolgreiche Anwältin in der Stuttgarter Kanzlei ihres Vaters (Walter Kreye) beschäftigt, soll im Schwarzwald nach dem Rechten sehen. Dort will ein Freund der Familie dem wegen Schneemangels absehbaren Ende des Tourismus vorgreifen und eine Autorennstrecke bauen. Alle Bauern der Gegend haben schon verkauft, nur Karl Lindner (Timothy Peach) bleibt stur. Als Elisabeth mit ihrem Auto stecken bleibt, hilft ihr prompt ausgerechnet Karl aus der Patsche. Sie gibt sich als EU-Beauftragte aus, wird von Familie Lindner (Siegfried Rauch und Barbara Focke als Eltern) herzlich aufgenommen, packt mit an und findet unversehens Gefallen: erst an der ungewohnten Arbeit, dann an Karl. Nebenbei erledigt sie allerdings auch ihren Auftrag: Lindner hat ein großes privates Darlehen aufgenommen. Wenn die Kanzlei das übernimmt, könnte sie ihn dazu zwingen, seinen Hof zu verkaufen. Hinter ihrem Rücken macht ihr Väter Nägel mit Köpfen, und damit sind die zarten Bande zwischen dem Landmenschen und der Stadtmaus brutal gekappt. Ausgerechnet jetzt stellt Elisabeth fest, dass sie schwanger ist.
Bei einigen Wortwechseln hat Wilhelm zwar entschieden zu dick aufgetragen, aber andererseits sind es gerade die Dialoge, die "Schwarzwaldliebe" von anderen Produktionen der ARD-Tochter Degeto unterscheiden. Größte Stärke des Films sind jedoch die beiden Hauptdarsteller. Gerade Claudine Wilde hat sich buchstäblich in die Rolle reingekniet und spielt die Städterin, die ihr Herz für die Landwirtschaft entdeckt, voller Hingabe. tpg.
| Darsteller: | Claudine Wilde | als Elisabeth von Holbach | |
|---|---|---|---|
| Timothy Peach | als Karl Lindner | ||
| Siegfried Rauch | als Franz Lindner | ||
| Barbara Focke | als Gertrude Lindner | ||
| Kim Fisher | als Margit Preiss | ||
| Max Gertsch | als Daniel Kerner | ||
| Walter Kreye | als Max von Holbach | ||
| Max Herbrechter | als Hans Eisner | ||
| Uwe Wilhelm | als Ferdinand Müller | ||
| Horst Krebs | als Tierarzt | ||
| Pia Ampaw | als Dr. Swami | ||
| Regie: | Uwe Wilhelm | ||
| Drehbuch: | Uwe Wilhelm | ||
| Produzent: | Tanja Ziegler | ||
| Kamera: | Martin Gressmann | ||
| Schnitt: | Birgit Gasser | ||
| Musik: | Reinmar Henschke | ||
| Produktionsdesign: | Thomas Stromberger | ||
| Kostüme: | Claudia Unger | ||
| Ton: | Tomas Kanok | ||
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