Marc Hosemann
Bruno Cathomas
Jule Böwe
Regie: Oliver Rihs
Verleih: BBQ (Filmwelt)
Fred (Kirk Kirchberger), seines Zeichens Chef-Satanist, hockt daheim rum, hört die Kelly Family und pflegt seine Großmutter. Charlotte (Jule Böwe) arbeitet als Touristenführerin auf der Spree und spielt einem Bekannten Reichtum vor. Auch Boris (Marc Hosemann) täuscht vor, Kohle zu haben. Als angeblicher Porschefahrer erschleicht er sich in einer Luxushotelsuite einen One-Night-Stand und verliebt sich erfolglos. Breslin (Robert Stadlober) und Julian (Tom Schilling) wollen arbeitslose Künstler ausnutzen, während eine Türkengang versucht Frauen anzubaggern.
Mehrere Episoden über den ganz alltäglichen Großstadtwahn hat Oliver Rihs ("Brombeerchen") zu einer deftigen Anarcho-Komödie verarbeitet, in der alle Figuren scheitern dürfen. Das ist bissig bis vulgär, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen und in Schwarzweiß.

Berlin als Treffpunkt schwarzer Schafe skizziert diese ausgelassene, anarchische Filmkomödie, die die Schweizer Oliver Rihs und Olivier Kolb mit minimalen Mitteln und maximalem Spaß - für Zuschauer und Team - realisiert haben.
Auf internationalen und nationalen Festivals kam das aus skurrilen, gnadenlos komischen und den guten Geschmack extrem strapazierenden Episoden lose zusammengesetzte etwas andere Hauptstadtporträt bei Publikum und Kritik bestens an. Bei den Filmtagen in Hof etwa wurde es mit dem Förderpreis ausgezeichnet. Das vielköpfige Autorenteam ließ sich zwar auch von den US-Indiekomödien eines John Waters oder Kevin Smith' inspirieren, brachte aber dennoch eine Menge eigener origineller Ideen ein. Etliche bekannte deutsche Schauspieler mussten nicht lange gebeten werden und spielten für maximal eine Handvoll Euro mit, z.B. Robert Stadlober und Tom Schilling. Sie mimen stinkfaule Möchtegern-Revoluzzer, die u.a. mit einem Klo durch Berlin fahren, das irgendwann unzweckmäßig benutzt wird. Jule Böwe spielt eine Berliner Göre, die sich als Reiseführerin auf einem Spreeboot durchschlägt und sich über eine schnieke Schulkameradin samt deren Münchner Anhang sowie ihren betrunkenen Freund (Milan Peschel) ärgert. Marc Hosemann ist ein ehemaliges Hand-Modell, der sich von seiner Hand trennen will, um die Versicherung zu kassieren. Außerdem gibt es noch eine Gruppe deutsch-türkischer Freunde, die bei ihren machomäßigen Anmachen nicht besonders gut ankommen und zwei gutmütige Satanisten, die ihre Oma für ein Sex-Ritual missbrauchen. Das klingt grenzwertig, ist aber mitunter sehr witzig. Auch wenn nicht alle Episoden oder Gags überzeugen können, funktioniert das Low-Budget-Werk alle Mal als Berlin-Film, der die Stadt jenseits der touristischen Mitte in Sprache(n), Atmosphäre und jungem Lebensgefühl treffend wiedergibt. Den perfekten Soundtrack dazu liefert King Khan und die für den Inhalt fast zu schöne, stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Fotografie Produzent und Koautor Kolb. Schweizer sind eben die besseren Berliner bzw. Berlinbeobachter. hai.
| Darsteller: | Marc Hosemann | als Boris Wecker | |
|---|---|---|---|
| Bruno Cathomas | als Roger | ||
| Jule Böwe | als Charlotte Heinze | ||
| Milan Peschel | als Peter | ||
| Robert Stadlober | als Breslin | ||
| Tom Schilling | als Julian | ||
| Kirk Kirchberger | als Fred | ||
| Daniel Zillmann | als Arnold | ||
| Eralp Uzun | als Ali | ||
| Oktay Özdemir | als Birol | ||
| Barbara Kowa | als Nadja | ||
| Jenny Deimling | als Daniela Köhler | ||
| Regie: | Oliver Rihs | ||
| Drehbuch: | Thomas Hess | ||
| Daniel Young | |||
| Olivier Kolb | |||
| David Keller | |||
| Oliver Rihs | |||
| Michael Auer | |||
| Produzent: | Oliver Rihs | ||
| Olivier Kolb | |||
| Kamera: | Olivier Kolb | ||
| Schnitt: | Andreas Radtke | ||
| Bettina Blickwede | |||
| Sarah Clara Weber | |||
| Till Ufer | |||
| Produktionsdesign: | René Römert | ||
| Jochen Sauer | |||
| Kostüme: | Barbara Schramm | ||
| Maske: | Janka Venus | ||
| Casting: | Uwe Bünker | ||
Ob Heinz Badewitz schon 1967, als die Hofer Filmtage mit dem inoffiziellen Titel "Das kleinste Filmfestival der Welt" erstmals veranstaltet wurden, abschätzen konnte, welch wunderbare Entwicklung diese Veranstaltung in den vier darauf folgenden Jahrzehnten nehmen würde?
Vermutlich nicht - was aber auch keine Rolle spielt: Denn noch heute, zum 40-jährigen Jubiläum der Internationalen Hofer Filmtage, leitet Badewitz die Geschicke dieses einzigartigen Festivals selbst und bestimmt damit die Richtung.
Womit wir beim zweiten Titel angekommen sind: Der "dienstälteste Festivalleiter Europas" hat es auch in diesem Jahr wieder geschafft, eine wunderbare Kombination aus Anspruch und Unterhaltung ins Programm zu nehmen - und damit das bereits hohe Niveau der Vorjahre erneut übertroffen.
Ganz ohne Tricks ging's dann aber auch nicht: Um die Vielzahl der sehenswerten Filme ins Programm zu bekommen, durfte man diesmal einen Tag früher in die Hofer Kinos - was auch, zumindest haben wir's so empfunden - den Kampf um die begehrten Karten angenehm entschärfe.
Selbst wer sich spontan ins oberfränkische Hof begab und den allmorgendlichen Verkauf für den nächsten Tag aufgrund einer der vielen und exzessiven Filmtage-Partys verpasste, der konnte sich im Laufe des Tages noch Plätze für eine der rund 80 Erstaufführungen sichern.
Besonders schön: Obwohl ein Festival dieser Größe einer entsprechend professionellen Organisation bedarf, hat der unvergleichliche Charme der Hofer Filmtage auch im vierzigsten Jahr nicht gelitten. Ein sichtlich gut gelaunter Christoph Schlingensief begegnet einem lachend im Foyer (und weckt die Fra,ge mit welchem Film er in Hof eigentlich mal wieder unvorbereitete Zuschauer schocken möchte), und Regisseur Detlev Buck lobt im Gespräch mit KINO.DE die familiäre Atmosphäre und die einzigartige Stimmung. "Man fühlt sich eben immer noch zu Hause", so Buck.
Wir können nur zustimmen und sprechen abschließend noch unsere persönlichen Empfehlungen aus. Nach dem Eröffnungsfilm "Schwere Jungs" von Marcus H. Rosenmüller liefert Oliver Rihs' "Schwarze Schafe" dem Duo Stadlober/Schilling eine wunderbare Plattform und sorgt für reichlich Szenenapplaus.
Wir verlassen den mit dem Eastman-Förderpreis ausgezeichneten "NimmerMeer" von Toke C. Hebbeln nachdenklicher - um dann eine wunderbar aufspielende Heike Makatsch in "Schwesterherz" zu bewundern.
Einige der gezeigten Filme möchte man dann auch am liebsten gleich erneut sehen: so etwa Bernd Langes "Rabenbrüder" oder die österreichische Dokumentation "Aus der Zeit". Da die Beschreibung dieser kleinen und großen Meisterwerke den Rahmen jeder Berichterstattung sprengt, verbleiben wir abschließend mit der Empfehlung an Film- und Kino-Fans, im nächsten Jahr selbst vor Ort zu sein. Denn derzeit gibt es europaweit wohl nur in Hof diese exklusive Mischung aus Kult, Kultur und ganz großem Kino!
Der Theater-, Film- und Fernsehschauspieler Marc Hosemann wurde in Filmen wie "Liebe deine Nächste" (1998) von Detlev Buck, "Long Hello and...
Jule Böwe gilt spätestens seit sie 1997 in Thomas Ostermeiers legendärer Inszenierung des Stücks "Shoppen & Ficken", das an der Baracke am Deutschen...
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.