Originaltitel: L' école de la chair
Frankreich 1998
Isabelle Huppert
Vincent Martinez
Vincent Lindon
Regie: Benoît Jacquot
Verleih: Arsenal
Die im Berufsleben erfolgreiche Dominique, sie arbeitet mit einem japanischen Designer zusammen, verfällt dem jüngeren Rumtreiber und Glegenheitsstricher Quentin, der sich nicht nur leidenschaftlich an sie gebunden fühlt. Sie dagegen gibt sich ihm ganz hin. Je mehr sie die Beziehung aufrechtzuerhalten sucht, desto mehr trennen sie sich.

In seinen zehnten Spielfilm erzählt der Franzose Benoit Jacquot sehr frei nach Yukio Mishimas Roman "Nikauati Nagakko" von der obsessiven Beziehung zwischen einer reifen Frau und ihrem jungen Liebhaber, die in der Wüste ihrer Gefühle mit Lüge und Täuschung spielen.
Daß ein Mann um die Vierzig sich eine junge Geliebte hält, darüber regt sich kaum jemand auf. Erst langsam kämpfen sich Frauen auf diesem für sie unbekannten Terrain vor - mit Scheu, Scham und schlechtem Gewissen. Eine von ihnen ist Dominique, eine arrivierte Single-Frau, die ihre Anerkennung aus der Arbeit in einem Pariser Modehaus bezieht. Als sich in einer Bar ihre Blicke mit denen des jungen Quentin kreuzen, ist sie wie magisch von seiner Attraktivität angezogen. Was als folgenloser One-Night-Stand geplant war, entwickelt sich zu einer Sex-betonten Beziehung, die unter die Haut geht. Quentin zieht zu der Dame aus feinen Kreisen und läßt sich aushalten, aber nicht domestizieren. Er kommt und geht, wann er will, verletzt und wird verletzt. Die Gänsehaut der Lust weicht der Kälte des gegenseitigen Unverständnisses. Sie gehen durch die "Schule des Fleisches" ("L' école de la chair" lautet der Originaltitel) und leiden am Ende des schmerzlichen Beziehungstangos an ihren psychischen Wunden.
Jacquot Benoit verläßt sich ganz auf den diskreten Chareme der Bourgeoisie und seine intellektuelle Heldin, die ihren Hormonhaushalt vom Kopf her lenken will, und vernachlässigt leider etwas den von seiner Triebhaftigkeit zerrissenen Prolo, der an Mann und Frau Gefallen findet und sich auf dem billigen Schwulenstrich wohler fühlt als im teuren Gourmet-Tempel. Es fehlt in diesem Sado-Maso-Verhältnis an wirklich rauhem Sex, die seelischen Abgründe sind nur zu ahnen. Die pointierten Dialoge und verbalen Tiefschläge lassen jedoch keinen Zweifel an der Schärfe des Geschlechterkrieges und der Tiefe der Blessuren, die Worte treffen wie Pfeile mitten ins Herz. Drehbuchautor Jacques Fieschi ("Nelly & Monsieur Arnaud") erweist sich als Meister seines Fachs. Bei der Umkehr sexuellen Rollenverhaltens gibt es wortreiche K.O.-Schläge nach allen Seiten und Lebensweisheiten wie "Wir alle sind jemandes Onkel oder Nutte" oder die Erkenntnis, daß Frauen aus Liebeskummer trinken, "um sich darin zu suhlen, Männer, um darüber hinwegzukommen".
Trotz der Schwächen funktioniert die Geschichte - nicht zuletzt wegen einer großartigen Isabelle Huppert, die ihren seelischen Panzer nur langsam und zu spät öffnet. Und Vincent Martinez, der zufällig entdeckt wurde, als er seinen Bruder Olivier am Set von "Der Husar auf dem Dach" besuchte, zeigt nicht nur körperliches Ebenmaß, sondern auch schauspielerische Fähigkeiten. mk.
| Darsteller: | Isabelle Huppert | als Dominique | |
|---|---|---|---|
| Vincent Martinez | als Quentin | ||
| Vincent Lindon | als Chris | ||
| Marthe Keller | als Laurence Thorpe | ||
| François Berléand | als Soukasz | ||
| Danièle Dubroux | als Danièle | ||
| Bernard Le Coq | als David Cordier | ||
| Jean-Claude Dauphin | als Louis-Guy | ||
| Roxane Mesquida | als Marine Thorpe | ||
| Michelle Goddet | als Quentins Mutter | ||
| Jan-Michell | als Marcus | ||
| Regie: | Benoît Jacquot | ||
| Drehbuch: | Jacques Fieschi | ||
| Produzent: | Fabienne Vonier | ||
| Ausf. Produzent: | Fabienne Tsai | ||
| Buchvorlage: | Yukio Mishima | ||
| Kamera: | Caroline Champetier | ||
| Schnitt: | Luc Barnier | ||
| Produktionsdesign: | Katia Wyszkop | ||
| Kostüme: | Corinne Jorry | ||
| Ton: | Jean-Claude Laureux | ||
| Brigitte Taillandier | |||
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