Originaltitel: Schilf
Deutschland 2012
Mark Waschke
Stipe Erceg
Bernadette Heerwagen
Regie: Claudia Lehmann
Verleih: X Verleih (Warner)
Die Physiker Sebastian und Oskar wurden an der Uni zu besten Freunden, ein unzertrennliches Duo, der eine pragmatisch und etwas linkisch, der andere genial und elegant. Doch nach heftigen fachlichen Auseinandersetzungen und nachdem Sebastian geheiratet und einen Sohn bekommen hat, ist ihre Beziehung abgekühlt, die beiden sehen sich nur noch selten. Da wird Sebastians Sohn entführt. Der Junge werde freigelassen, wenn Sebastian einen Mord begeht, wird anonym gefordert. Sebastian sucht verzweifelt Hilfe bei seinem alten Freund.

Science Fiction nach einem Roman von Juli Zeh: Ihre Spekulation um Paralleluniversen drücken sich in einem psychologischen Krimi um zwei konkurrierende Freunde aus.
Das 2007 erschienene Buch der deutschen Autorin Juli Zeh ("Spieltrieb") ist nicht ihr erster Ausflug in die Zukunft und wurde bereits im Erscheinungsjahr für das Münchner Volkstheater dramatisiert. Nun hat Spielfilmdebütantin Claudia Lehmann den anspruchsvollen Stoff gemeinsam mit Leonie Terfort adaptiert: Sie fokussieren in der Arthouse-Mystery mehr auf Gedankenspiele denn auf genretypische Spannung.
Mark Waschke ("Unter dir die Stadt") gelingt eine sehenswerte Leistung als Familienvater und Physikprofessor Sebastian, der sich in seiner Viele-Welten-Theorie, der Annahme vieler Paralleluniversen, verrannt hat. Zumindest nach Ansicht seines Studienfreundes Oskar (Stipe Erceg wieder undurchsichtig), der ihn eifersüchtig vor laufenden TV-Kameras desavouiert. Als Sebastians junger Sohn entführt wird und ihn ein anonymer Erpresser zur Tötung eines Arztes auffordert, begeht er kopflos den Mordanschlag, muss aber bald feststellen, dass seine Theorie auf unheimliche Weise wahr wird: Sein Sohn taucht auf, als sei nichts gewesen und von einer Leiche gibt es weit und breit keine Spur. Dinge sind fortan möglich und gleichzeitig nicht, Sebastian verliert den Boden unter den Füßen und weiß nicht mehr, ob er ein Mörder ist, unschuldig, oder schlicht den Verstand verliert.
Seine Flucht ins CERN bei Genf wurde an dem renommierten Institut vor Ort gedreht und das mysteriöse Trau-Schau-Wem entwickelt zwischenzeitlich durchaus Thrillerqualitäten, erweist sich aber überwiegend als gut gespieltes Psychodrama. Es benutzt seine phantastisch anmutenden akademischen Ideen von Quantenphysik, Kosmologie und Zeitreisen vor allem, um seine Hauptfigur in ein verwirrendes Doppelleben zwischen zwei Welten zu schicken. Das mag dramaturgisch konventionell aufgelöst sein, die theoretischen und philosophischen Facetten regen auf jeden Fall zu extensiven Diskussionen an. Mögen manche Nebenfiguren auch so blass bleiben wie das farblich gedimmte, grobkörnige Bild, die handwerklich gelungene Reflexion über Vorstellung und Wirklichkeit, Schuld und Moral ist niveauvolle Nahrung für den Geist.
tk.
| Darsteller: | Mark Waschke | als Sebastian Wittich | |
|---|---|---|---|
| Stipe Erceg | als Oskar Hoyer | ||
| Bernadette Heerwagen | als Maike Wittich | ||
| Nicolas Treichel | als Nick Wittich | ||
| Sandra Borgmann | als Rita Skura | ||
| Bernhard Conrad | als Schnurpfeil | ||
| Paul T. Grasshoff | als Dr. Ralph Dabbeling | ||
| Regie: | Claudia Lehmann | ||
| Drehbuch: | Claudia Lehmann | ||
| Leonie Terfort | |||
| Produzent: | Manuela Stehr | ||
| Buchvorlage: | Juli Zeh | ||
| Kamera: | Manuel Mack | ||
| Schnitt: | Nikolai Hartmann | ||
| Kostüme: | Andrea Schein | ||
| Maske: | Jana Schulze | ||
| Dorothea Wiedermann | |||
| Ton: | Marc Meusinger | ||
| Casting: | Simone Bär | ||
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