
Irgendwo in der Entstehungsgeschichte dieses Werks taucht auch Ludwig Ganghofer als Pate auf, aber die Autorinnen Brigitte Blobel und Konstanze Breitebner haben die Handlung sehr glaubwürdig in die Gegenwart übertragen: Hartmut Griesmayrs Film ist eine gelungene Mischung aus Melodram und Öko-Drama. Zunächst geht es allerdings um ein in Filmen dieser Art überaus beliebtes Motiv: die Heimkehr der verlorenen Tochter.
Geologin Lena (Julia Stemberger) hat vor Jahren nach einer Tragödie ihr Heimatdorf in den Bergen verlassen: Erst ist ihre Beziehung in die Brüche gegangen, dann hatte ihre Mutter bei der Suche nach ihr einen tödlichen Autounfall; Vater Gottfried (Michael Mendl) gibt Lena bis heute die Schuld am Tod seiner Frau. Nun hat er Krebs, und weil er sich nicht behandeln lassen will, ruft sein Arzt Lena an: Sie soll Gottfried umzustimmen. Der zeigt sich allerdings gleich wieder von seiner grimmigsten Seite, und eigentlich würde Lena postwendend wieder das Weite suchen, wenn sie nicht eine bestürzende Entdeckung gemacht hätte: Das Alpendorf soll ein Skiparadies werden. Der geplanten Liftanlage würde allerdings der örtliche Schutzwald zum Opfer fallen. Lena ist überzeugt, dass das Gutachten, das die Rodung des Waldes erlaubt, gekauft ist: Einzig diese Bäume verhindern, dass der Hang bei einem Unwetter Richtung Dorf abrutscht. Aber Lena trifft auf eine Gegnerin, die ihr Leben schon einmal zerstört hat: Bauherrin ist Magda (Elke Winkens), die heutige Ehefrau ihrer großen Liebe Anton (Thure Riefenstein).
Natürlich ahnt man früh, dass Anton der Vater von Lenas entzückender Tochter ist, und das ist bei Weitem nicht die einzige Vorhersehbarkeit der Geschichte. Trotzdem ist "Schatten der Erinnerung" keines der üblichen Heimatdramen, selbst wenn die Kamera (Rolf Greim) naturgemäß in Alpenpanoramen, Wolkengebirgen sowie Bächen und Blumen schwelgt. Wichtiger sind Griesmayr trotzdem die Figuren; gerade Mendl ist als griesgrämiger Alp-Öhi sehr überzeugend. Anders als in den Klassikern des Genres dienen die Naturaufnahmen zudem nicht als naheliegende Dopplung des emotionalen Aufruhrs, weder in düsterer noch in kitschiger Hinsicht. Dass Buch und Regie die Spannung des Finales zusätzlich zuspitzen, indem sie Opa und Enkelin in Richtung der zu Tal donnernden Bergmassen schicken, mag dramaturgisch durchsichtig sein, verfehlt seine Wirkung aber nicht, zumal der optische Effekt des Bergrutsches ziemlich imposant ist. Zur Verdeutlichung der ökologischen Botschaft des Films genügen Griesmayr ohnehin die wenigen Einstellungen, in denen er eine moderne Baumfällmaschine wie ein riesiges bösartiges Insekt inszeniert, das im Nu den Hang kahl frisst. tpg.
| Darsteller: | Julia Stemberger | als Dr. Lena Simmerauer | |
|---|---|---|---|
| Michael Mendl | als Gottfried Simmerauer | ||
| Thure Riefenstein | als Anton Karcher | ||
| Elke Winkens | als Magda Karcher | ||
| Emily Matschnig | als Theres Simmerauer | ||
| Alexander Strobele | als Dr. Sturminger | ||
| Martina Zinner | als Maria | ||
| Arthur Klemt | als Paul | ||
| Stefan Matousch | als Beamter | ||
| Katharina Winkler | als Vivian | ||
| Regie: | Hartmut Griesmayr | ||
| Drehbuch: | Brigitte Blobel | ||
| Konstanze Breitebner | |||
| Produzent: | Kurt J. Mrkwicka | ||
| Sabine Tettenborn | |||
| Koproduzent: | Sabine Tettenborn | ||
| Ausf. Produzent: | Andreas Kamm | ||
| Oliver Auspitz | |||
| Buchvorlage: | Ludwig Ganghofer | ||
| Kamera: | Rolf Greim | ||
| Schnitt: | Alarich Lenz | ||
| Musik: | Joe Mubare | ||
| Produktionsdesign: | Katharina Wöppermann | ||
| Kostüme: | Cinzia Cioffi | ||
| Ton: | Johannes Rommel | ||
Die österreichische Schauspielerin Julia Stemberger wurde 1984 als Hauptdarstellerin von Walter Bannerts Kinofilm "Herzklopfen" bekannt...
Er gibt sich immer stark, einen Softie oder Zweifler hat er nie gespielt. Mit sparsamen mimischen Mitteln und vorzugsweise ohne Dialog...
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