Starkes, verstörendes Drama nach dem preisgekrönten Roman von J. M. Coetzee. http://images.kino.de/flbilder/max09/mbiz09/mbiz32/z0932506/b150x150.jpg Schande

Filmdetails

Schande

Starkes, verstörendes Drama nach dem preisgekrönten Roman von J. M. Coetzee.


Schande
Start: 17.09.2009

Originaltitel: Disgrace

Drama

Australien/Südafrika 2008
Laufzeit: 118 Min.
FSK: ab 16 Jahre

John Malkovich
Jessica Haines
Eriq Ebouaney

Regie: Steve Jacobs
Verleih: Alamode (24 Bilder)

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Inhalt

Der 52-jährige David Lurie lehrt in Kapstadt romantische Poesie und verführt mit Vorliebe blutjunge, farbige Studentinnen. Das jüngste Opfer des selbsterklärten Diener des Eros, Melanie, und ihr Freund machen die Affäre publik. David will sich nicht entschuldigen und gibt freiwillig seinen Posten auf. Er besucht seine lesbische Tochter Lucy, die ganz allein auf dem Land auf einer Farm lebt und arbeitet. Als sie dort von drei schwarzen Jugendlichen überfallen, Lucy vergewaltigt, und er verletzt wird, beginnt ein Umdenkungsprozess bei David.


Kritik

Schande

In der Adaption von Nobelpreisträger J.M. Coetzees kontroversem Roman erlebt John Malkovich als Literaturprofessor am eigenen Leib brutal den Wandel Südafrikas.

Vor zehn Jahren erschien "Schande", der die gewalttätigen Umwälzungen in Südafrika kurz nach Ende der Apartheid seziert - ein selbst im südafrikanischen Parlament kontrovers diskutiertes Werk, das nicht nur den Booker-Preis gewann, sondern auch mit den Ausschlag zur Verleihung des Literaturnobelpreises an den in Kapstadt geborenen Schriftsteller gab. Die postkoloniale Hochburg der weißen Unterdrücker ist auch Ausgangspunkt eines intimen Dramas, das zugleich als Parabel auf gesellschaftliche Brennpunkte dient.

Der intellektuelle Ästhet David Lurie (Paraderolle für John Malkovich), Literaturprofessor wie einst Coetzee, lehrt romantische Poesie und gefällt sich als byronesker Ironiker, geleitet von Stolz und Vorurteil. Der selbsternannte "Diener des Eros" steigt neuerdings der farbigen Studentin Melanie nach, die sich als obskures Objekt der Begierde erweist, seinen Zudringlichkeiten erst indifferent, anschließend verstört begegnet. Ihr aggressiver Freund bedroht David, der im Hörsaal vielsagende Gedichte zitiert, die das Geschehen und sein Gefühlsleben paraphrasieren. Erfolglos, denn schließlich wird die Affäre publik und nach einem handfesten Skandal sieht der Casanova nur einen Ausweg, mit erhobenem Haupt den Anschuldigungen zu begegnen: Er quittiert den Dienst und zieht sich auf die abgeschiedene Farm seiner lesbischen Tochter Lucy (stark: Jessica Haines) zurück. Hier zeigt sich der Romantiker, der seine Gefühle hinter einer Maske süffisanter Bemerkungen versteckt als unfähig, seine koloniale Attitüde abzulegen und der veränderten Gegenwart zu begegnen. Dafür bricht diese umso brutaler ein: Ein Trio schwarzer Plünderer überfällt das Haus, erschießt die Hunde, versucht ihn zu töten und vergewaltigt Lucy. Diesen (Kultur)schock überlebt David schwer gezeichnet. Als Lucy von einer Anzeige absieht und ihr farbiger Hilfsarbeiter Petrus (Eriq Ebouaney) offenbar die Kriminellen deckt, zerbricht Davids Weltbild endgültig.

Steve Jacobs ("Die schöne Spanierin") wirft einen verstörenden Blick auf die Seele eines Landes, das nicht nur zwischen Schwarz und Weiß zerrissen ist, wo Rassismus, Gewalt und Sexualität ineinander fließen, sich Trennlinien irritierend auflösen, um neuen, schmerzhaften Verflechtungen zu weichen. Weshalb auch Lucy quasi für die Sünden ihres Vaters büßt und die Erniedrigung als Teil ihrer Überlebensstrategie in Kauf nimmt: Sie schaut nur nach vorne, David nur zurück. Zwar gelingt es nicht, die Motive der Personen bis ins Letzte zu ergründen, was die Plausibilität mitunter erheblich schwanken lässt. Aber damit trifft das schwierige Werk genau den heiklen, provokanten Ton der Vorlage. Das verlangt vom Zuschauer einiges und der Film reizt seine Metaphern - wie die des Hundelebens - bis zum Äußersten aus. Doch steht er auf Augenhöhe von jüngeren Weltliteraturverfilmungen wie "Der menschliche Makel" oder "Elegy".

tk.

Schande

Darsteller:  John Malkovich   als Prof. David Lurie
  Jessica Haines   als Lucy
  Eriq Ebouaney   als Petrus
  Fiona Press   als Bev Shaw
  Antoinette Engel   als Melanie
 
Regie:  Steve Jacobs  
Drehbuch:  Anna Maria Monticelli  
Produzent:  Yves Marmion  
  Wouter Barendrecht  
  Julio DePietro  
  Michael J. Werner  
Buchvorlage:  J.M. Coetzee  
Kamera:  Steve Arnold  
Schnitt:  Alexandre Franceschi  
Musik:  Anthony Partos  
  Graeme Koehne  
Produktionsdesign:  Mike Berg  
  Annie Beauchamp  
Ton:  Sam Petty  

Star

John Malkovich

Vom Schauspielstil her eher europäisch introvertiert und psychologisch differenziert seine Rollen auslotend, ist John Malkovich seit 1999...

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