Daniel Auteuil
Marianne Denicourt
Jeanne Balibar
Regie: Benoît Jacquot
Verleih: Prokino (Filmwelt)
1794 lässt Robespierre Köpfe rollen. Auch der Freigeist und Atheist Marquis de Sade soll wegen revolutionsfeindlicher Haltung liquidiert werden. Doch seine bürgerliche Geliebte Marie-Constance sorgt dafür, dass er in ein Gefängnis-Sanatorium kommt, wo er Theateraufführungen inszeniert und schreibt wie ein Besessener und die junge, unerfahrene Emilie kennen lernt.

Den Namen Marquis de Sade verbindet man gemeinhin mit Sadismus, schockierenden Romanen wie "Justine ou les malheurs de la vertu", der Lust am Quälen. Nichts von alledem ist in Benoit Jacquots fiktivem Porträt des berüchtigten Franzosen zu finden. Sade ist hier ein abgeklärten Libertin und Freund der Frauen, der selbst der blutigsten Phase der Französischen Revolution mit Gelassenheit begegnet.
Benoit Jacquot ist ein Meister in der subtilen Darstellung weiblicher Befindlichkeiten, lässt seine Heroinen emotionale Grenzerfahrungen machen, unvergesslich Isabelle Huppert in "Die Schule des Begehrens". "Sade" handelt vom berühmten Schriftsteller, der seit 1777 fast 30 Jahre in Gefängnissen und die letzten Jahre seines Lebens in der Irrenanstalt von Charenton verbrachte, und natürlich von den Frauen, von zwei Frauen, die ihm verfallen sind. 1794 schwappt eine Terrorwelle über das Land, die Guillotine arbeitet ohne Unterlass, Robespierre lässt die Köpfe rollen. Der Puritaner sieht in dem Aristokraten einen gefährlichen Freigeist und Atheisten, einen unmoralischen Menschen, den es wegen revolutionsfeindlicher Haltung zu liquidieren gilt. Doch die bürgerliche Marie-Constance Quesnet sorgt dafür, dass ihr zu Tode verurteilter Geliebter nach Picpus kommt, eine Art Gefängnis-Sanatorium, in dem er erst einmal vor Verfolgung sicher ist, auch ein Ort, in dem Repräsentanten des Alten Regimes gegen entsprechende Zahlung ihren Kopf retten können. Sade findet in ihnen Darsteller für eine Theateraufführung, läuft zur Hochform als Organisator und Regisseur auf, schreibt wie ein Besessener und trifft auf Emilie de Lancris - jung, unerfahren, nach Liebe brennend.
Nach Serge Bramlys Roman "La terreur dans le boudoir" mischt Jacquot historische Fakten und Fantasie zu einem feingesponnenen Labyrinth von Begehrlichkeiten. Im Gegensatz zu den mordenden und keine Gnade kennenden Jakobinern erscheint Sade wie ein angenehmer Zeitgenosse. Der Mann mit dem zweifelhaften Ruf ist kein Sadist, sondern Objekt der Begierde. Marie-Constance gibt sich einem anderen hin, um ihn zu retten, Emilie will - hin- und hergerissen zwischen Faszination und Abscheu - nur eins, körperliche Liebe mit dem 50Jährigen. Wenn er das Mädchen in einem sinnlichen Initiations-Ritual erste sexuelle Erfahrungen machen lässt (er "dirigiert", ein junger Mann führt aus), ist das nicht nur ein Moment größter Intimität, sondern auch ein raffiniert inszenierter ästhetischer Genuss. Daniel Auteuil spielt die zynische und zugleich verletzbare Spielernatur als schauspielerisches Kraftpaket mit großer Präsenz und brillant-geschliffenen Dialogen - intelligente Unterhaltung mit großem Schauwert. Ein Arthouse-Publikum sollte dieses exorbitante Kino-Juwel zu schätzen wissen. mk.
| Darsteller: | Daniel Auteuil | als Marquis de Sade | |
|---|---|---|---|
| Marianne Denicourt | als Sensible | ||
| Jeanne Balibar | als Madame Santero | ||
| Grégoire Colin | als Fournier | ||
| Isild Le Besco | als Emilie de Lancris | ||
| Jalil Lespert | als Augustin | ||
| Jean-Pierre Cassel | als Le vicomte de Lancris | ||
| Philippe Duquesne | als Coignard | ||
| Vincent Branchet | als Chevalier de Coublier | ||
| Raymond Gérome | als Président de Maussane | ||
| Dominique Reymond | als Madame de Lancris | ||
| Frédérique Tirmont | als Madame d'Amblet | ||
| Daniel Martin | als Monsieur Santero | ||
| Monique Couturier | als Duchesse Villars-Brancas | ||
| Scali Delpeyrat | als Robespierre | ||
| Léo Le Bevillon | als Charles | ||
| Regie: | Benoît Jacquot | ||
| Drehbuch: | Jacques Fieschi | ||
| Bernard Minoret | |||
| Produzent: | Patrick Godeau | ||
| Ausf. Produzent: | Françoise Galfré | ||
| Buchvorlage: | Serge Bramly | ||
| Kamera: | Benoît Delhomme | ||
| Schnitt: | Luc Barnier | ||
| Musik: | Francis Poulenc | ||
| Produktionsdesign: | Sylvain Chauvelot | ||
| Kostüme: | Christian Gasc | ||
| Ton: | Michel Vionnet | ||
| Dominique Gaborieau | |||
Daniel Auteuil zählt zu den populärsten Schauspielern Frankreichs und erhält durchschnittlich jedes zweite Jahr eine César-Nominierung....
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