Originaltitel: Le refuge
Frankreich 2009
Isabelle Carré
Louis-Ronan Choisy
Pierre Louis-Calixte
Regie: François Ozon
Verleih: Arsenal
Mousse hängt an der Nadel genau wie ihre große Liebe Louis. Er stirbt an einer mit Valium gestreckten Überdosis Heroin, sie überlebt und erfährt im Krankenhaus von ihrer Schwangerschaft. Die bourgeoise Familie des Verstorbenen will eine Abtreibung. Sie weigert sich, will das Kind unbedingt bekommen und zieht sich in ein altes Landhaus an der Côte d'Azur zurück. Louis' schwuler Bruder besucht sie Monate später auf dem Weg nach Spanien und steht ihr bei.

Kompromisslos erzählt François Ozon die Geschichte einer Frau, die nach dem Tod ihres drogensüchtigen Freundes das gemeinsame Kind gegen alle Widerstände zur Welt bringt.
Jedes Jahr ein neuer Film - für François Ozon kein Problem, der inzwischen mit seiner Schnelligkeit Claude Chabrol in den besten Zeiten Konkurrenz macht. Seit 1997 ist ein Film von ihm pro Jahr so sicher wie das Amen in der Kirche. Und er wiederholt sich nicht, sondern ist immer auf der Suche nach neuen Handlungsmustern und Explorationsfeldern. Nach dem fantastisch-verschwurbelten "Ricky" kehrt er in "Le Refuge" zum menschlichen Drama mit erkennbarer narrativer Struktur zurück und gibt Isabelle Carré eine Traumrolle.
Als Mousse hängt sie an der Nadel wie ihre großen Liebe Louis (Melvil Poupaud aus "Die Zeit, die bleibt"). Er stirbt an einer mit Valium gestreckten Überdosis Heroin, sie überlebt und erfährt im Krankenhaus von ihrer Schwangerschaft. Die bourgeoise Familie des Verstorbenen will eine Abtreibung, sie weigert sich und zieht sich in ein altes Landhaus an der Côte d'Azur zurück. Louis' schwuler Bruder besucht sie Monate später auf dem Weg nach Spanien und bleibt länger als geplant.
"Le Refuge" ist Realismus orientiert, konzentriert sich auf eine Frauenfigur, die zwischen Tod und Leben schwankt, zwischen schmerzhafter Vergangenheit und hoffnungsvoller Zukunft und weitab von den Verführungen der Großstadt versucht, zu sich selbst zu finden. Kammerspielartig baut Ozon emotionale Spannungen zwischen den Protagonisten auf, die beiden zutiefst verletzten Charaktere begegnen sich im Niemandsland der Emotionen und in innerer Heimatlosigkeit, wie so oft bei ihm. Als dezenter Voyeurist und sensibler Künstler widmet er sich der Faszination und Sinnlichkeit des weiblichen Körpers, der schwangere Bauch ist Dreh- und Angelpunkt der Erzählung und Zeichen der Erlösung. Durch die reale Schwangerschaft von Isabelle Carré im sechsten Monat gewinnt der Film an Authentizität, wenn aus dem kaputten Junkie eine Frau wird, die Leben in sich trägt und Mutterschaft zelebriert.
Wie schon in "Die Zeit, die bleibt", wird auch hier die Fortpflanzung zum Garant gegen das Vergessen und Symbol der Hoffnung. Das Versagen der Männlichkeit findet ihr Gegengewicht in einer das Leben zurück erobernden Weiblichkeit. Ozon überrascht mit einem unerwarteten Schluss, der bürgerliche Seelen in Aufregung versetzen könnte, aber nur seine Konsequenz und Kompromisslosigkeit unterstreicht und knüpft in der Komplexität und Intensität der Figuren an seine bisher reifste Leistung "Unter dem Sand" an. mk.
| Darsteller: | Isabelle Carré | als Mousse | |
|---|---|---|---|
| Louis-Ronan Choisy | als Paul | ||
| Pierre Louis-Calixte | als Serge | ||
| Melvil Poupaud | als Louis | ||
| Claire Vernet | als Mutter | ||
| Jean-Pierre Andreani | als Vater | ||
| Marie Rivière | als Frau am Strand | ||
| Jerôme Kircher | als Arzt | ||
| Nicolas Moreau | als Verführer | ||
| Emile Berling | als Drogendealer | ||
| Maurice Antoni | als Priester | ||
| Regie: | François Ozon | ||
| Drehbuch: | François Ozon | ||
| Mathieu Hippeau | |||
| Produzent: | Claudie Ossard | ||
| Chris Bolzli | |||
| Kamera: | Mathias Raaflaub | ||
| Schnitt: | Muriel Breton | ||
| Musik: | Louis-Ronan Choisy | ||
| Produktionsdesign: | Katia Wyszkop | ||
| Kostüme: | Pascaline Chavanne | ||
| Maske: | Françoise Andrejka | ||
| Ton: | Brigitte Taillandier | ||
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