Katja Riemann
Maria Schrader
Martin Feifel
Regie: Margarethe von Trotta
Verleih: Concorde
Im Jahre 1943 demonstrieren einige Frauen vor einem Gestapo-Internierungslager in der Berliner Rosenstraße für die Freilassung ihrer dort inhaftierten jüdischen Ehemänner und Familienmitglieder. Aus wenigen Mutigen werden bald hunderte, es kommt zu lautstarkem Protest, bis die Nazis schließlich einlenken und die Männer frei lassen. Jahre später macht sich eine New Yorker Journalistin daran, die Ereignisse von damals anhand Zeitzeugenberichten zu rekonstruieren.
Einen Bogen über ein halbes Jahrhundert und durch zahlreiche Nebengeschichten schlägt Margarethe von Trotta in ihrem ersten Kinofilm seit fast zehn Jahren. Stars wie Katja Riemann, Maria Schrader und Jürgen Vogel ließen sich da nicht lange bitten.
Nur die Liebe zählt: Katja Riemann kämpft mit hunderten von Frauen für die Freilassung ihrer jüdischen Männer. Und gewinnt.
Tiefe Gefühle und spannende Historie. Margarethe von Trotta bringt beides zusammen, verknüpft Gegenwart und Vergangenheit zu einem Drama um bedingungslose Liebe und erzählt dabei eine Geschichte, die nur wenige kennen dürften.
Die flotte New Yorker Journalistin Hannah reist zur Spurensuche ins ferne Deutschland, um hinter das Geheimnis ihrer Mutter zu kommen.
Dort trifft sie die 90jährige Lena Fischer, die ihr eine fast unglaubliche Geschichte aus dem Jahre 1943 erzählt. Hunderte von "arischen" Frauen protestierten unter Lebensgefahr in der Rosenstraße vor einem Gefängnis für die Freilassung ihrer jüdischen Männer.
Darunter auch die damals junge Lena, die das kleine, verlassen in der Menge stehende Mädchen Ruth (Hannahs Mutter) vor den Kriegswirren schützte. Die mutigen Frauen setzten sich gegen die Nazis durch und - unglaublich, aber wahr - ihre Männer wurden freigelassen.
Katja Riemann, Maria Schrader und Jürgen Vogel spielen die Rollen ihres Lebens. Wer bei "Der Pianist" Tränen vergoss, darf die Heldinnen der "Rosenstraße" nicht verpassen.
| Darsteller: | Katja Riemann | als Lena Fischer | |
|---|---|---|---|
| Maria Schrader | als Hannah Weinstein | ||
| Martin Feifel | als Fabian Fischer | ||
| Jürgen Vogel | als Arthur von Eschenbach | ||
| Jutta Lampe | als Ruth Weinstein | ||
| Doris Schade | als Lena Fischer (mit 90 Jahren) | ||
| Fedja van Huêt | als Luis Marquez | ||
| Carola Regnier | als Rachel Rosenbauer | ||
| Svea Lohde | als Ruth (mit 7 Jahren) | ||
| Jutta Wachowiak | als Frau Goldberg | ||
| Jan Decleir | als Nathan Goldberg | ||
| Thekla Reuten | als Klara Fischer | ||
| Lilian Schiffer | als Erika | ||
| Lena Stolze | als Miriam Süssmann | ||
| Isolde Barth | als Mutter Fabian | ||
| Fritz Lichtenhahn | als Vater Fabian | ||
| Carine Cruzen | als Mutter Erika | ||
| Nina Kunzendorf | als Litzy | ||
| Martin Wuttke | als Goebbels | ||
| Hans-Peter Hallwachs | als Baron von Eschenbach | ||
| Gaby Dohm | als Baroness von Eschenbach | ||
| Regie: | Margarethe von Trotta | ||
| Drehbuch: | Margarethe von Trotta | ||
| Pamela Katz | |||
| Produzent: | Richard Schöps | ||
| Henrik Meyer | |||
| Markus Zimmer | |||
| Koproduzent: | Errol Nayci | ||
| Volkert Struycken | |||
| Kamera: | Franz Rath | ||
| Schnitt: | Corina Dietz | ||
| Musik: | Loek Dikker | ||
| Produktionsdesign: | Heike Bauersfeld | ||
| Kostüme: | Ursula Eggert | ||
| Ton: | Eric Rueff | ||
| Casting: | Sabine Schroth | ||
Margarethe von Trotta greift in "Rosenstraße " ein lang vergessenes Thema auf: den Kampf einer Gruppe Berliner Frauen um die Freilassung ihrer jüdischen Männer im Jahr 1943. Die prominent besetzte Geschichte brachte dieses Jahr im Wettbewerb "Venezia 60" Katja Riemann als Preisträgerin hervor.
» Was fühlen Sie, wenn Sie an das Filmfest in Venedig denken?
MARGARETHE VON TROTTA: Ich fühle mich einfach gut, Venedig bedeutet ein Gang nach Hause. Da habe ich tolle Erfahrungen gemacht, nicht nur durch den Goldenen Löwen für "Die bleierne Zeit". Ich habe lange in Italien gelebt, war einige Male Jurymitglied und bin auch privat oft zu meinem "Lieblingsfestival" gefahren. Es ist mir sehr vertraut.
» Wieso zog sich das Projekt über fast ein Jahrzehnt hin?
Das erste Drehbuch habe ich 1994/95 geschrieben und bis 1996 haben Volker Schlöndorff und Studio Babelsberg versucht, das Geld zusammenzukriegen, aber es war nichts zu machen, vielleicht wegen der Komödienzeit. Im Nachhinein muss ich sagen, es hat mir gut getan. Denn damals hätte ich den Film ganz chronologisch und nur auf die Zeit bezogen inszeniert.
» Wie kam es dann doch noch zu einer Realisierung?
Das habe ich Dramaturg Martin Wiebel zu verdanken, der den Stoff Richard Schöps von Studio Hamburg vorschlug. Schöps, erfolgreich mit "Gloomy Sunday", las das Skript und wir beschlossen, noch einmal Drehbuchförderung zu beantragen und ein neues Drehbuch zu schreiben.
» Haben Sie viel verändert?
Nachdem ich schon alle Hoffnungen begraben hatte, startete ich mit neuem Elan. Dazwischen lagen Fernseharbeiten, u.a. meine vierteilige Uwe Johnson-Adaption "Jahrestage". Johnson fängt auch immer an, von New York zu erzählen und geht dann nach Deutschland zurück. Diese Methode gefiel mir sehr gut. Dazu kommt, dass viele Juden nach Amerika emigriert sind und ihre Geschichte da weitergeht.
» Warum erzählen Sie ein fiktives Schicksal?
Fiktion auf der Basis von Fakten. Die Schicksale, die man mir erzählte, waren doch nicht so stringent, und ich wollte mich nicht nur auf eine Person konzentrieren. Zu Beginn der Recherchen habe ich mit mehr als zehn Zeitzeugen gesprochen, es gab ja nicht nur die Frauen, die draußen standen und ihre Männer zurückwollten, sondern auch Jugendliche, die ihre Mütter begleiteten, oder Jugendliche in dem Sammellager. Es sind viele Details.
» Wo ist der Bezug zum Heute?
Ganz aktuell: Das Mahnmal in der Berliner Levetzowstraße, wo sich einst die größte Synagoge befand, und vor dem Maria Schrader im Film steht, wurde erst vor kurzem wieder beschädigt. Der andere Bezug liegt im New Yorker Handlungsstrang. Es gibt immer noch Menschen, die nicht über das Entsetzliche reden können, die verdrängen, um nicht verrückt zu werden. Und Liebe, Zivilcourage und Mut sind nicht an eine bestimmte Zeit gebunden.
» Ob Gudrun Ensslin, Carla Aldrovandi, Rosa Luxemburg oder hier Lena Fischer - Ihre Frauenfiguren kämpfen, ohne zur Heldin geboren zu sein.
Das fand ich an "Rosenstraße" so wichtig. Der Protest war keine geplante politische Demonstration, sondern ein Widerstand, der sich aus dem Leben ergab. Männer ziehen in den Krieg, das wird befohlen. Frauen treffen individuell Entscheidungen und werden unfreiwillig zu Heldinnen, entwickeln aus der persönlichen Verzweiflung heraus eine große Kraft.
» Seit Ihrem Kinofilm "Das Versprechen" von 1994 arbeiteten Sie für das Fernsehen. Aus der Not heraus?
Ich bedaure es nicht, denn ich bekam die Möglichkeit zu interessanten Filmen, "Jahrestage" war eine Herausforderung. Natürlich habe ich damit auch überwintert. Es war zunächst eine Notentscheidung, weil ich nach drei Jahren Drehbuchschreiben finanziell am Ende war.
» Aber Sie haben den Traum vom Kino nicht aufgegeben?
Beim Fernsehen muss man mit weniger Drehtagen und weniger Mitteln versuchen, etwas Gutes zu schaffen. Wenn ein Sender sich für ein Projekt entscheidet, dann sind auch die Mittel da.
Das Schöne beim Fernsehen: Man kann gleich loslegen, während es beim Kinofilm immer noch zwei Jahre oder länger dauert. Am liebsten würde ich alternierend arbeiten. Aber natürlich bin ich froh über jeden Kinofilm. Während man bei einem TV-Film von Anfang an alles parathalten muss, weil sonst die Leute wegzappen, muss ich im Kino nicht alles sofort in kleinen verständlichen Häppchen servieren. Das ist für mich das Aufregendste, sich langsam einer Figur oder einem Thema anzunähern und dann einzutauchen.
» "Rosenstraße" ist eine deutsch-holländische Koproduktion. Gab es nicht genug Interesse oder Geld in Deutschland?
Ich glaube, wir haben das Maximum dessen bekommen, was an Förderung möglich ist. Das reichte aber nicht bei dem 6,5-Mio.-Euro-Budget. Ohne den holländischen Partner hätten wir das Projekt nicht stemmen können. Und nicht zu vergessen, dadurch kamen wir auch in den Genuss von Eurimages-Fördermitteln.
» Müssen wir wieder fast zehn Jahre auf Ihren nächsten Kinofilm warten?
Ich hoffe nicht, brauche aber etwas Abstand. Gerade habe ich den TV-Film "Die andere Frau" beendet und ein Spielfilmangebot aus Italien über die Zeit des italienischen Faschismus abgelehnt. Ich will nicht schon wieder in diese Epoche einsteigen.
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