Originaltitel: Richard III.
USA 1995
Sir Ian McKellen
Annette Bening
Jim Broadbent
Regie: Richard Loncraine
Verleih: Studiocanal
Richard, Herzog von Gloucester, hat nur einen Traum: Er will König von England werden. Dafür geht der skrupellose Intrigant während eines Bürgerkriegs in England auch über Leichen und riskiert ein Blutbad innerhalb seiner Familie. Als alle Hindernisse beseitigt sind und er endlich den Thron besteigt, verläßt Richard III das Glück: Alle Feinde vereinigen sich gegen ihn.

In den Iden des März (14. 3. 96) duellieren sich zwei berühmte Antihelden Shakespeares um des Zuschauers labile Gunst. Dabei kämpft der manipulierte "Othello" in beschaulich-traditionellem, der manipulierende "Richard III" in dynamisch-verfremdeten Ambiente. Ein wahrlich gewagter Akt, Aufstieg und Fall Richards vom Ende des 15. in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts zu verlegen. Der Lohn ist ein lebendiger, temporeicher, exzentrischer Film, dessen innovativer Ansatz das Interesse an Shakespeares maßlosestem Machtmenschen wiederbeleben dürfte.
Zumal "Richard III" von Beginn an ganz Kino ist - mit einer fast ausschließlich von Cinemascope-Bildern und Musik getragenen Ouvertüre der Gewalt, die Richard sogleich als eiskalten Mörder einführt. In einem fiktiven England der dreißiger Jahre liegen die Rosenkriege zwischen den Häusern York und Lancaster in den letzten Zügen. Nach der Ermordung des Königs herrscht nun ein York, Edward IV (John Wood), über das Reich. Sehr zum Mißfallen seines Bruders Richard, einem körperlich und moralisch verkrüppelten Machtmenschen. Mit Menjou-Bärtchen und verschlagenem Grinsen spielt Ian McKellen (zuletzt als alkoholisiertes Faktotum in "Jack & Sarah" zu bewundern) diese durchtriebene Schlange, die Freunde wie Feinde durch Schmeicheleien und Lügen in Sicherheit wiegt, um ihnen dann für immer die Luft zu nehmen. Brüder, Neffen, Ehefrau (Kristin Scott-Thomas) - alle landen auf Richards Schlachtbank, bis Königin Elizabeth (Annette Bening) den intriganten Metzger zur Rechenschaft zieht. McKellen, der in dieser Rolle schon auf der Bühne brillierte und für die Verfilmung mit Regisseur Loncraine ("Der Missionar") das Drehbuch schrieb, gewinnt seinem paranoiden intelligenten Monster zwar nicht sympathische, wohl aber witzige Seiten ab. Die Folge? Perfides Amüsement über einen Diktator mit unstillbarem Blutdurst. Die etwa in Dekor (Uniformen, Architektur) und Handlung (Säuberungswellen) gemachten Verweise auf das Nazi-Regime verringern die historische Distanz, machen den Schrecken greifbarer. Die Mahnung vor diktatorischem Terror bleibt intakt, obwohl die aufs Handlungsgerüst reduzierte, sprachlich sanft angepaßte Tragödie Verluste in der Figuren-Charakterisierung hinnehmen muß. An der Qualität der Inszenierung ändert dies freilich nichts. Der unbedingte Kinowillen macht "Richard III" zu einer der bislang zugänglichsten Shakespeare-Interpretationen. Und wenn am Ende Richard, wie Sigourney Weaver in "Alien 3", dämonisch lachend der Flammenhölle entgegensegelt, begleitet von Al Jolsons "I'm Sitting on Top of The World", grüßt nicht nur James Cagneys Klassiker "White Heat", sondern auch der ironische Witz des verstorbenen Dennis Potter. Eine schöne Hommage an den Autor von Loncraines vierten Film "Brimstone und Treacle" (1982). kob.
| Darsteller: | Sir Ian McKellen | ||
|---|---|---|---|
| Annette Bening | |||
| Jim Broadbent | |||
| Robert Downey Jr. | |||
| Nigel Hawthorne | |||
| Kristin Scott Thomas | |||
| Maggie Smith | |||
| John Wood | |||
| Adrian Dunbar | |||
| Dominic West | |||
| Regie: | Richard Loncraine | ||
| Drehbuch: | Sir Ian McKellen | ||
| Richard Loncraine | |||
| Produzent: | Lisa Katselas Paré | ||
| Stephen Bayly | |||
| Ausf. Produzent: | Ellen Dinerman Little | ||
| Sir Ian McKellen | |||
| Joe Simon | |||
| Maria Apodiacos | |||
| Buchvorlage: | William Shakespeare | ||
| Kamera: | Peter Biziou | ||
| Schnitt: | Paul Green | ||
| Musik: | Trevor Jones | ||
Boris B. macht Bumbum in der Wäschekammer und Anna K. Werbemillionen ohne einen Sieg - Tennisstars waren schon immer für filmreife Stoffe gut. Voilá: Der Film wird "Wimbledon" heissen, ohne Wäschekammer zwar, aber dafür mit Kirsten Dunst.
"Ich treibe keinen Sport. Ich esse was ich will!" Was Kirsten Dunst da über Kirsten Dunst sagt, klingt nicht nach viel Lust auf einen Spitzen-Platz in der Tennis-Weltrangliste.
Immerhin: "Viele Mädchen sind viel zu dünn. Beängstigend. Ich habe zum Glück genug Fleisch auf den Knochen." Das sollte eine gute Basis sein für einen überzeugenden Auftritt auf dem Center Court, denn genau da schickt sie Regisseur Richard Loncraine ("Richard III") hin.
In "Wimbledon", einst das Wohnzimmer von Boris Becker, soll sie Ruhm, Ehre und Preisgeld einspielen - mit Hindernisssen allerdings, denn es wird eine Liebes-Komödie. Der Glückliche an Kirstens Seite ist übrigens Paul Bettany ("A Beautiful Mind").
Regisseur und Filmpartner dürfen sich trotz der jugendlichen 21 Lenze der Schauspielerin auf eine reife Leistung freuen: Kirsten Dunst hatte mit sieben Jahren bereits mehr als 100 Werbespots gedreht und mit 12 als faszinierende Jung-Vampyrette Brad Pitt in "Interview mit einem Vampir" verzaubert.
Es folgten 22 weitere Filme, darunter "Jumanji", "Verrückt/Schön" und eben "Spider-Man". In "Mona Lisa Smile" grinst sie demnächst mit Julia Roberts um die Wette - dieser Film befindet sich derzeit in Postproduktion.
Kleine Eitelkeit: Kirsten Dunst liebt es, wenn ihr süßer Bauchnabel gut im Bild ist. In der "Wimbledon"-Rolle kann sie den so lange genüsslich präsentieren, bis ihn jemand als beste Nebenrolle für den Oscar vorschlägt...
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