Mohammed Bakri
Lior Miller
Tomer Russo
Regie: Saverio Costanzo
Verleih: Ventura
Mohammeds Familie wohnt im Niemandsland zwischen einer Palästinensersiedlung und einem israelischen Militärstützpunkt. Als sich die Auseinandersetzungen zuspitzen, kommen Soldaten und ergreifen Besitz von dem Haus. Mohammed aber denkt nicht daran, zu weichen. So kommt es, dass die Soldaten das obere Stockwerk als Ausguck nutzen, während in der Parterre die Familie notdürftig Alltag spielt. Natürlich bleiben dabei Begegnungen der besonderen Art nicht aus.
Gleich zwei Leoparden für Film und Hauptdarsteller Mohammed Bakri gab es beim Filmfestival von Locarno für das dichte, realitätsnahe Drama des italienischen Regisseurs Saverio Costanzo.

Mit dem Gewinn des Goldenen Leoparden von Locarno 2004, dem Fipresci Preis San Francisco 2005 sowie diversen Auszeichnungen für Hauptdarsteller Mohammed Bakri empfiehlt sich Saverio Costanzos Doku-Drama "Private".
Ursprünglich vom Produktionsland Italien für den Auslands-Oscar eingereicht, wurde dieses Ansinnen von der Academy kategorisch abgelehnt, weil im Film entgegen der Statuten nicht Italienisch, sondern Arabisch, Englisch und Hebräisch gesprochen wird. Eine groteske Geschichte, die perfekt mit der erzählten korrespondiert. Auf tatsächlichen Begebenheiten beruhend, "berichtet" Regisseur und Koautor Costanzo von Mohammed B., der mit seiner fünfköpfigen Familie im Niemandsland zwischen einem palästinensischen Dorf und einem israelischen Militärstützpunkt lebt. Ewig von den Soldaten schikaniert, will die entnervte Ehefrau das Haus längst aufgeben, woanders hinziehen, ruhiger, unbeschwerter leben. Was für Mohammed keine Option darstellt. Auch nicht, als eine Armeeeinheit eines Tages sein Heim besetzt, in den ersten Stock einzieht, während sich Mohammed und die seinen im Erdgeschoss drängeln. Nach Einbruch der Dunkelheit müssen sie die Ausgangssperre einhalten, sich zu siebt ins Wohnzimmer zum Schlafen zurückziehen.
Formal dem Heimvideostil verpflichtet, großteils aus der Hand gedreht - Unschärfen, Überbelichtungen und stete nervöse Unruhe inklusive - wird hier das Private öffentlich. Die (finanzielle) Not gebiert eine Tugend, die dem Filmemacher erlaubt, nah und unmittelbar an seine Protagonisten heranzugehen, ihnen wortwörtlich auf den Leib zu rücken und so die Bedrängung durch den Feind spürbar zu machen. Die große Politik erscheint endlich "begreifbar", die verschiedenen Standpunkte von militant bis pazifistisch werden konkret durchgespielt, den einzelnen Familienmitgliedern bzw. "Besatzern" zugeordnet. Der Nahost-Konflikt, sonst primär durch Fernsehbilder von Selbstmordattentaten und postwendenden Vergeltungsschlägen präsent, verlagert sich in vier "eigene" Wände, die der Zuschauer "mitbewohnt". Dabei spart sich Saverio Costanzo eine deutliche Parteinahme, wobei freilich klar wird, wo seine Sympathien liegen. Und die muss man haben für den groß aufspielenden Mohammed Bakri, der Gandhi gleich passiven Widerstand leistet und selbst in Momenten größter Demütigung nie Ruhe und Würde verliert. geh.
| Darsteller: | Mohammed Bakri | als Mohammad B. | |
|---|---|---|---|
| Lior Miller | als Commander Ofer | ||
| Tomer Russo | als Gefreiter Eial | ||
| Hend Ayoub | als Mariam B. | ||
| Arin Omary | als Samiah B. | ||
| Marco Alsaying | als Jamal B. | ||
| Niv Shafir | als Gefreiter Dan | ||
| Sahar Lachmy | als Gefreiter Ariel | ||
| Regie: | Saverio Costanzo | ||
| Drehbuch: | Saverio Costanzo | ||
| Camilla Costanzo | |||
| Alessio Cremonini | |||
| Sayed Oashua | |||
| Produzent: | Mario Gianani | ||
| Ausf. Produzent: | Patrizia Costantini | ||
| Kamera: | Luigi Martinucci | ||
| Schnitt: | Francesca Calvelli | ||
| Ton: | Gabriele Moretti | ||
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