Hoch emotionale Verfilmung des gefeierten Romans "Push" von Sapphire, in der sich eine 200 Kilo schwere Teenagerin gegen alle Widrigkeiten durchsetzen kann. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto06/10060459/b150x150.jpg Precious - Das Leben ist kostbar

Filmdetails

Precious - Das Leben ist kostbar

Hoch emotionale Verfilmung des gefeierten Romans "Push" von Sapphire, in der sich eine 200 Kilo schwere Teenagerin gegen alle Widrigkeiten durchsetzen kann.


Precious - Das Leben ist kostbar
Start: 25.03.2010

Originaltitel: Precious: Based on the Novel Push by Sapphire

Drama

USA 2008
Laufzeit: 110 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Gabourey Sidibe
Mo'Nique
Aunt Dot

Regie: Lee Daniels
Verleih: Prokino (Fox)

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Inhalt

Harlem, 1987. Precious ist eine 200 Kilo schwere Teenagerin, die vom Leben arg gebeutelt wird. Vom Vater vergewaltigt, von der Mutter misshandelt, flüchtet sich die 16-Jährige in Tagträume die ein besseres Leben verheißen. Das ist allerdings weit entfernt. Obwohl schon in der neunten Klasse, kann das Mädchen weder lesen noch schreiben. Als Precious von der Schule zu fliegen droht, schließt sie sich einem alternativen Lehrprogramm an und stößt auf eine verständnisvolle Lehrerin. Die entdeckt das kreative Potenzial ihrer Schülerin.


Kritik

Precious - Das Leben ist kostbar

Zweifach Oscar-prämiertes schmerzhaft realistisches Sozialdrama von Lee Daniels, in dem es mit Gabourey Sidibe als Titelheldin eine sensationelle Newcomerin zu feiern gilt.

"Precious", was sich (auch) mit "geschätzt" übersetzen lässt, wird Claireece "Precious" Jones nicht - ihre Umwelt verachtet sie zutiefst. Der Teenager ist extrem übergewichtig, verschlossen und hat keine Freunde. Sie kleidet sich nachlässig, redet kaum. Ihr Leben im Harlem des Jahre 1987 ist die Hölle, zum zweiten Mal hat der eigene Vater sie bereits geschwängert. Die Mutter sitzt tagein tagaus auf dem Sofa, schaut fern, behandelt die Tochter wie einen Dienstboten und prügelt sie windelweich. In der Schule lümmelt sie teilnahmslos in der letzten Reihe, die neunte Klasse besucht sie, doch sie kann weder lesen noch schreiben.

"Precious - Das Leben ist kostbar" besticht als raues, schonungsloses, hartes und doch optimistisches Sozialdrama, trifft einen wie ein Schlag in die Magengrube. Hier bekommt man es mit einer der überzeugendsten US-Produktionen aus dem Jahr 2009 zu tun, Dutzende Preise sind der verdiente Lohn. Lee Daniels ("Shadowboxer") zeichnet als Regisseur verantwortlich, den Roman "Push" von Sapphire hat er adaptiert und dafür einen Oscar bekommen, als ausführende Produzentin war die einflussreiche TV-Moderatorin Oprah Winfrey - sie wurde als Kind sexuell missbraucht und mit 13 Jahren ungewollt schwanger - maßgeblich am Zustandekommen des Projekts beteiligt.

Der "Push", der Stoß, der Ruck, setzt die Handlung in Gang. Precious selbst gibt ihn sich. Äußerlich vielleicht unansehnlich, besitzt sie ein reiches Seelenleben, kann träumen und hoffen. Als sie von der Schule zu fliegen droht, schließt sie sich einem alternativen Lehrprogramm an. Each One/Teach One heißt dieses und ihre neue Lehrerin Ms. Rain (verständnisvolle Augenweide: Paula Patton). Die entdeckt bald das kreative Potenzial in ihrer Schülerin, ermutigt sie Tagebuch zu schreiben.

Wer nun glaubt, dass der Film an diesem Punkt zur typischen sacharinsüßen Hollywood-Aschenputtel-Mär mutiert, aus dem hässlichen Entlein ein strahlender Schwan wird, sieht sich getäuscht. Daniels baut bedingungslos auf Realität und realistische Figurenzeichnungen, verzichtet bei seiner Inszenierung auf jegliche Mätzchen - was nicht heißt, dass er konventionell erzählt. Vielmehr verwebt er Rückblenden, Erinnerungen, innere Monologe und Traumszenen gekonnt miteinander, baut humoristische Momente mit ein, meidet im Soundtrack Schmalz und Kitsch, setzt auf dynamische, kraftvolle Songs.

Der größte "Effekt", der genialste Coup bleibt aber Gabourey Sidibe als gebeutelte (Anti-)Heldin, die hier erstmals auf der Leinwand zu sehen ist und ihre Rolle auslebt - dumpf nach außen, trotzig, den Kopf demütig gesenkt, schwerfällig im Gang und doch tief im Inneren kämpferisch und hoffnungsfroh. Oscar-nominiert ist sie, genauso wie die populäre Komikerin Mo'Nique, die ihre gewalttätige Mutter spielt und den Preis auch tatsächlich in Empfang nehmen durfte. Als Klasse für sich erweist sich, höchst überraschend auch kaum zu erkennen, Skandal-Pop-Star Mariah Carey als Sozialarbeiterin, während Rockmusiker Lenny Kravitz als schmucker Krankenpfleger für die Wohlfühl-Vibes zuständig ist. A-Klasse-Kino mit variierter Obama-Botschaft: "Yes, she can!". geh.

Precious - Das Leben ist kostbar

Darsteller:  Gabourey Sidibe   als Clareece 'Precious' Jones
  Mo'Nique   als Mary (Precious' Mutter)
  Aunt Dot   als Tootsie (Precious' Großmutter)
  Paula Patton   als Ms. Rain (Lehrerin)
  Mariah Carey   als Mrs. Weiss (Sozialarbeiterin)
  Lenny Kravitz   als John (Krankenpfleger)
  Sherri Shepherd   als Cornrows (Schulsekretärin)
  Stephanie Andujar   als Rita
  Chyna Layne   als Rhonda
  Amina Robinson   als Jermaine Hicks
  Xosha Roquemore   als Joann
  Angelic Zambrana   als Consuelo
  Susan Taylor   als Die gute Fee
 
Regie:  Lee Daniels  
Drehbuch:  Geoffrey Fletcher  
Produzent:  Lee Daniels  
  Sarah Siegel-Magness  
Koproduzent:  Mark G. Mathis  
Ausf. Produzent:  Lisa Cortes  
  Tom Heller  
  Tyler Perry  
  Oprah Winfrey  
  Simone Sheffield  
Buchvorlage:  Sapphire  
Kamera:  Andrew Dunn  
Schnitt:  Joe Klotz  
Musik:  Mario Grigorov  
Produktionsdesign:  Roshelle Berliner  
Kostüme:  Marina Draghici  
Casting:  Billy Hopkins  
  Jessica Kelly  

Die Lieblingsfilme der Redaktion 2010

Die Redaktion hegt einen bösen Verdacht...

Großansicht Erhielt von uns im Schnitt die besten Platzierungen im Jahres-Ranking: "Inception" (Foto: Warner)

Erhielt von uns im Schnitt die besten Platzierungen im Jahres-Ranking: "Inception" (Foto: Warner)

Bestimmt hat uns Christopher Nolan eine "Inception" verpasst, damit wir sein SciFi-Meisterwerk an die Spitze unserer kino.de-internen Jahrescharts befördern. Besonders anfällig war dafür Kollege Alex Jodl, der das Hirnexperiment mit einem groß aufspielenden Leonardo DiCaprio auf seiner Liste sogar ganz oben führt. Alle anderen sahen "Inception" zwar eher im Mittelfeld, aber es ist der einzige Film, den ausnahmslos alle Redakteure in ihre Top Ten nahmen.

Das zeigt, wie vielseitig das Kinojahr 2010 war: Ob George Clooney über den Wolken und vor allem darunter den Sinn des Lebens haschte, Sam Rockwell auf dem Mond einer grausigen Selbtserkenntnis gewahr wurde, Harry Potter sich poetisch dem finalen Kampf gegen Voldemort entgegenzeltete oder 9 Häkelhelden der Postapokalypse trotzten - jeder fand in seinem Lieblingsgenre echte Kinojuwelen. Hier die komplette Liste unserer Topfilme 2010:

REDAKTIONSFAVORITEN: DIE BESTEN KINOFILME 2010
 

Boris Sunjic<br />Redaktionsleiter kino.de

Boris Sunjic
Redaktionsleiter kino.de

Matthias Ott<br />Redaktionsleiter Publikumsmagazine

Matthias Ott
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Alexander Jodl<br />Redaktionsleiter video.de

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Michaela Jacob
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Wir wünschen wundervolle Feiertage!

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* 11.12.1967

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