Ein vielschichtiger "Polizeiruf" aus Halle über jugendliche Schwermut. http://images.kino.de/flbilder/max11/auto11/auto06/11060517/b150x150.jpg Polizeiruf 110: Leiser Zorn

Filmdetails

Polizeiruf 110: Leiser Zorn

Ein vielschichtiger "Polizeiruf" aus Halle über jugendliche Schwermut.


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Inhalt

Ein Mädchen aus gutem Haus ist von einem Dach in die Tiefe gestoßen worden. Ein Mordmotiv hätten unter anderem ihr Exfreund, mit dem sie abrupt Schluss gemacht hat, sowie ihre Freundin, der sie den Jungen zuvor ausgespannt hatte. Viel interessanter als Verdächtiger ist jedoch Lehrer Benneke, in den das Mädchen offenkundig verliebt war. Am Tatort haben die Spurensucher einen teuren Füller gefunden, den Frau Benneke ihrem Mann geschenkt hat.


Kritik

Polizeiruf 110: Leiser Zorn

tDie Zurückhaltung ehrt Thorsten Näter und den MDR. Ein Privatsender wäre mit dem Thema Amoklauf wahrscheinlich ganz anders umgegangen. Der Film "Leiser Zorn" aber baut die Spannung behutsam auf, fast unmerklich.

Dank einer ausgezeichneten Besetzung kann Thorsten Näter (Buch und Regie) seine Geschichte ohnehin sehr vielschichtig erzählen. Schon die Eingangssequenz vereinigt kunstvoll alle Figuren, die im Lauf der Handlung ins Visier der Ermittler geraten werden. Ihr Weg führt sie zu der Leiche einer jungen Frau: Anka, ein Mädchen aus gutem Hause, galt nach dem Tod ihres Vaters zwar als schwermütig, ist aber eindeutig von einem Dach in die Tiefe gestoßen worden. Menschen mit Motiv gibt es zuhauf, darunter ihr Ex-Freund, mit dem sie abrupt Schluss gemacht hat; ihre Freundin, der sie diesen Freund zuvor ausgespannt hatte; und einen russischen Aussiedlerjungen, mit dem sie sich angelegt hat. Ein viel interessanterer Verdächtiger aber ist Ankas Lehrer Benneke (Devid Striesow), in den sie offenkundig verliebt war. Am Tatort haben die Spurensucher einen teuren Füller gefunden, den Frau Benneke ihrem Mann geschenkt hat.

Mindestens so reizvoll wie die Mördersuche sind die Geschichten am Rande. Näter integriert sie so geschickt in die Handlung, dass sie nie überfrachtet wirkt. Christian Redl spielt einen "Wendeverlierer", der sein karges Einkommen durch das Sammeln von Leergut aufbessert. Er landet ebenfalls auf der Liste der Verdächtigen, denn bei ihm findet die Polizei die Sachen des Mädchens. Auch die Aussiedlerproblematik spielt eine Rolle, zumal die Stimmung zwischen den deutschen und den russischen Jugendlichen ausgesprochen feindselig ist. Erst recht faszinierend aber wird der Film, als die Ermittler auf Ankas Rechner einen E-Mail-Briefwechsel mit einem so genannten Krieger finden, der (passend zum Kleist-Jahr) Heinrich von Kleist zitiert und Videobotschaften schickt. In den animierten Bildern geht es um den gemeinsamen Freitod. Der letzte Film ist allerdings die kaum verschlüsselte Ankündigung eines Amoklaufs.

Im Gegensatz zu früheren "Polizeiruf"-Krimis aus Halle, die immer gern gemächlich waren, ist "Leiser Zorn" von Anfang an fesselnd. Am Ende steigert sich das noch, zumal Näter seine Hauptdarsteller mitten ins Gewimmel des bekannten Laternenfests geschickt hat. Spätestens das Finale, als Schmücke (Jaecki Schwarz) allein den Täter stellt, treibt die Spannung auf die Spitze. Davon abgesehen erweist sich Isabell Gerschke erneut als Glücksgriff, weil sie als Dritte im Bunde des Ermittler-Teams nach wie vor für viel frischen Wind sorgt und selbst in einer Kampfsporteinlage eine gute Figur macht. Schwarz als Platzhirsch bekommt allerdings auch noch einen zweiten großen Auftritt: In einer der wenigen heiteren Szenen nimmt er den jungen Aussiedlern das Segel aus dem Wind, als sie sich auf russisch über ihn lustig machen; die Sprache beherrscht der alte Hase selbstredend auch. tpg.

Polizeiruf 110: Leiser Zorn

Darsteller:  Jaecki Schwarz   als Herbert Schmücke
  Wolfgang Winkler   als Herbert Schneider
  Isabell Gerschke   als Nora Lindner
  Christian Redl   als Hubert Marka
  Devid Striesow   als Heiner Benneke
  Valerie Koch   als Sova Benneke
  Henriette Nagel   als Anke Lebrecht
  Isolda Dychauk   als Nele Führmann
  Kai Malina   als Tim Engert
  Philipp Kubitza   als Lennart Lose
  Edin Hasanovic   als Oleg Kramer
  Carlo Degen   als Götz Zenker
  Marie Gruber   als Rosamunde Weigand
  Karin Düwel   als Gabi Rössner
  Naomi Krauss   als Lennarts Mutter
  Tatjana Blacher   als Ankas Mutter
 
Regie:  Thorsten Näter  
Drehbuch:  Thorsten Näter  
Produzent:  Peter Gust  
Kamera:  Achim Hasse  
Schnitt:  Julia von Frihling  
Musik:  Axel Donner  
Produktionsdesign:  Christa Köppen  
Kostüme:  Marion Bergmann  
Ton:  Andreas Kaufmann  
Casting:  Ines Rahn  

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Jaecki Schwarz

In Konrad Wolfs autobiographisch angehauchter, hoch gelobter DEFA-Produktion "Ich war neunzehn" hatte Jaecki Schwarz bereits 1968 sein Kino...

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Wolfgang Winkler

* 02.03.1943

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