Eine alte Dame hat erst den Jackpot des Bad Homburger Casinos geknackt und ist dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Zumindest aus Sicht des Publikums scheint der Fall klar, denn der Kirchenmusikdirektor hat einen Unfall mit Todesfolge und Fahrerflucht begangen. Was außer dem tieftraurigen Paul niemand ahnt: Die Wahrheit ist noch viel tragischer. Doch Kommissar Keller ist ohnehin viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt; und mit Kellnerin Sophie.

"Heute ist der Tag, an dem ich sterbe. Und du wirst mich getötet haben": ein rätselhafter Satz. Fast schon eine Botschaft aus dem Jenseits. Und der Auftakt zu einem Krimi, wie er in dieser Form wohl allein in der Reihe "Polizeiruf 110" möglich ist: Für einen "Tatort" wäre die Geschichte viel zu schräg.
Tatsächlich schrammt der Film mitunter knapp an der Parodie vorbei, zumal sich Titus Selge (Buch und Regie) munter in anderen Genres bedient. Mal Romanze, mal Burleske, streckenweise Beziehungsdrama: Hier ist alles drin. Damit knüpft Selge nahtlos an seinen ersten "Polizeiruf"-Beitrag aus Bad Homburg an, mit dem Jan-Gregor Kremp seinen Einstand als Hauptkommissar Keller gab: ein ziemlich unkonventioneller Ermittler, der in dieser Geschichte wenigstens dreimal reichlich angetrunken ins Bett geht und mindestens ebenso oft die Schlafplätze wechselt. Das muss er auch, denn sein Vaterhaus ist jetzt ein Freudenhaus, was den verblichenen Altvorderen, ohnehin ein ruheloser Geist, am Ende gar aus der Stadt treibt.
Kein Wunder, dass sowohl Selge wie auch seine Hauptfigur den kriminalistischen Teil der Geschichte alsbald aus den Augen verlieren. Keller ist ohnehin mehr mit seiner ungeklärten Beziehung zur kessen Kellnerin Sophie (Inga Busch) beschäftigt. Dabei gäbe es durchaus einen Fall zu klären: Eine alte Dame hat erst den Jackpot des örtlichen Casinos geknackt und ist dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Zumindest aus Sicht des Publikums scheint der Fall klar, denn Kirchenmusikdirektor Paul (Gustav Peter Wöhler), in Jugendjahren Kellers bester Freund, hat im Verlauf einer regenumtosten Autofahrt einen Unfall mit Todesfolge und Fahrerflucht begangen. Was außer dem tieftraurigen Paul niemand ahnt: Die Wahrheit ist noch viel tragischer.
Genau genommen sind der Unfall und seine Aufklärung aber beinahe bloß die Rahmenhandlung, denn im Zentrum der Geschichte steht die in diversen Rückblenden erzählte Freundschaft. Schon damals ist es im Verlauf eines Mopedrennens zu einem grotesken Todesfall gekommen, und zwar just unter jener Brücke, an der offenbar auch die vermisste Spielerin gestorben ist.
Weil Selge die Geschichte auch noch durch diverse Slapstick-Elemente anreichert, wäre eine übertriebene Inszenierung kontraproduktiv gewesen. Also belässt er es bei ungewöhnlichen Perspektiven und sinnfreien Einstellungen (ein bildschirmfüllender Hundehintern) und beschränkt sich ansonsten völlig zu Recht darauf, sich an den Leistungen seiner vorzüglichen Darsteller zu erfreuen. tpg.
| Darsteller: | Jan-Gregor Kremp | als Kommissar Thomas Keller | |
|---|---|---|---|
| Inga Busch | als Sophie Stein | ||
| Rüdiger Vogler | als Edgar Dobler | ||
| Gustav Peter Wöhler | als Paul Bertram | ||
| Felix Vörtler | als Polizist Norbert | ||
| Karin Baal | als Vera | ||
| Petra Zieser | als Monika Bertram | ||
| Matthias Scheuring | als Bestatter Teske | ||
| Pino Schiliro | als Pino | ||
| Heinrich Giskes | als Nachbar | ||
| Jürgen Stössinger | als Heinrich Keller | ||
| Jasmin Schwiers | als Angelina und Andrea | ||
| Jörg Schüttauf | als Fritz Dellwo | ||
| Fee Hübner | als Henriette Keller | ||
| Regie: | Titus Selge | ||
| Drehbuch: | Titus Selge | ||
| Produzent: | Arno Maass | ||
| Kamera: | Frank Blau | ||
| Schnitt: | Elke Herbener | ||
| Musik: | KAB Fischer | ||
| Produktionsdesign: | Károly Pákozdy | ||
| Kostüme: | Francesca Merz | ||
| Ton: | Peter Senkel | ||
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