
Krimikunst aus München: Dominik Grafs Film ist eine mutige Premiere für den neuen "Polizeiruf 110" des BR.
Missgünstige Kollegen werfen Dominik Graf gern vor, seine Filme seien auch deshalb so herausragend, weil er regelmäßig das Budget überziehe und daher größere Möglichkeiten habe. Mehr Geld ist aber nicht automatisch gleichbedeutend mit mehr Qualität. Außerdem traut sich der neunfache Grimme-Preisträger immer wieder, konventionelle Erzählweisen zu ignorieren. Insofern war es durchaus mutig vom BR, die Premiere des neuen Münchener "Polizeirufs" ausgerechnet Graf anzuvertrauen: Künstlerisch sind seine Krimis regelmäßig herausragend, aber das Publikum ist offenbar (wie zuletzt bei der preisgekrönten Serie "Im Angesicht des Verbrechens") oft überfordert.
Auch "Cassandras Warnung" stellt eine Herausforderung dar. Das Drehbuch stammt von Günter Schütter, der nicht nur einige von Grafs preisgekrönten Fernsehfilmen geschrieben hat ("Polizeiruf: Der scharlachrote Engel", "Tatort: Frau Bu lacht"), sondern schon vor 17 Jahren "Die Sieger", einen klassischen Polizeifilm. In dieses Genre gehört auch "Cassandras Warnung", weshalb sich das Werk deutlich vom gewohnten familienfreundlichen Sonntagskrimi unterscheidet. Das gilt auch für die Akustik: Es macht zwar den Reiz eines guten Krimis aus, dass man nicht alles versteht, aber in diesem Fall kann man das durchaus wörtlich nehmen, weil sich regelmäßig diverse Tonebenen überlagern. Das Stilmittel der Kakophonie ist durchaus typisch für die Geschichte, obwohl der Handlungskern gar nicht so kompliziert ist: Im Haus des Polizisten Gerry Vogt (Ronald Zehrfeld) ist eine Frau ermordet worden. Er vermutet, dass eine eifersüchtige Geliebte dahintersteckt, die den Gast für Gerrys Gattin gehalten hat. Der neue Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) ordnet Polizeischutz für Diana Vogt (Alma Leiberg) an. Tatsächlich folgen weitere Mordversuche.
Die zuständige BR-Redakteurin Cornelia Ackers schwärmt, dieser "Polizeiruf" enthalte die "überraschendste Wendung", die sie je in einem Film erlebt habe. Das ist zwar hemmungslos übertrieben, doch Schütters clever konstruiertes Drehbuch sorgt mit seinen vielen komplexen Nebenfiguren immer wieder für verblüffende Momente. Eher irritierend ist dagegen die am Krimi der Siebziger orientierte Bildsprache (Kamera: Hanno Lentz). Mit Matthias Brandt hat der BR allerdings einen herausragenden Darsteller gefunden. Aber das war nicht anders zu erwarten. tpg.
| Darsteller: | Matthias Brandt | als Hanns von Meuffels | |
|---|---|---|---|
| Anna Maria Sturm | als Anna Burnhauser | ||
| Ronald Zehrfeld | als Gerry Vogt | ||
| Alma Leiberg | als Diana Vogt | ||
| Tobias van Dieken | als Pandora Büchschen | ||
| Philipp Moog | als McFly | ||
| Samir Fuchs | als Ari Ben Kanaan | ||
| Florian Münzer | als Kobl | ||
| Sarah Lavinia Schmidbauer | als Kumi Rüth | ||
| Ljubisa Ristic | als Amir | ||
| Diana Marie Müller | als Fatima | ||
| Gerhard Wittmann | als Ried | ||
| Andreas Heinzel | als Zegler | ||
| Doris Kunstmann | als Serrano | ||
| Lena Baader | als Marina Ried | ||
| Walter Hess | als unbekannter Herr | ||
| Korbinian Tyroller | als Nachbarsjunge | ||
| Rainer Haustein | als Pathologe | ||
| Victoria Sordo | als McFlys Ehefrau | ||
| Toni Arjeton Osmani | als Verdächtiger | ||
| Elisabeth Wasserscheid | als Krankenschwester | ||
| Regie: | Dominik Graf | ||
| Drehbuch: | Günter Schütter | ||
| Produzent: | Ronald Mühlfellner | ||
| Kamera: | Hanno Lentz | ||
| Schnitt: | Ulla Möllinger | ||
| Musik: | Florian van Volxem | ||
| Produktionsdesign: | Ina Kirchhoff | ||
| Kostüme: | Barbara Grupp | ||
| Ton: | Frank Hoyer | ||
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