
Ein Krimi kann auch dann noch reizvoll sein, wenn man nach 15 Minuten ahnt, wer der Mörder war: weil man natürlich wissen will, ob man Recht hat. Folgt 75 Minuten später die Bestätigung, darf man durchaus enttäuscht sein, denn selbstredend möchte man lieber plausibel überrascht werden. Unerwartet ist in diesem "Polizeiruf" aus Halle Fall aber nur die Tatsache, dass der Täter nicht für alle Verbrechen verantwortlich ist, die im Verlauf der Handlung begangen werden.
Und im Grunde hat Regisseur Hans Werner, der das Buch gemeinsam mit Michael Arnal schrieb, auch nur das Pech, dass Lars Becker in einer Episode seines letzten "Nachtschicht"-Films ("Wir sind die Polizei") fast die gleiche Geschichte erzählt hat. Damals war's ein Juwelier, diesmal ein Baumarkt. Auch Werners Gangster verfügt offenkundig über Insider-Wissen: Er weiß, dass montags das meiste Geld zu holen ist, und legt zielsicher die Alarmanlage lahm. Dann aber unterläuft ihm ein fataler Fehler, und der Filialleiter erhascht einen Blick auf sein Gesicht. Der Ganove schießt ihn nieder, nimmt zwei Mitarbeiterinnen als Geisel und flieht.
Die "Polizeiruf"-Krimis aus Halle sind selten für Überraschungen gut, verblüffen aber immer wieder mit der Erkenntnis, dass dies ihrer Popularität keinen großen Abbruch tut. Auch diesmal hält sich die Spannung in Grenzen, aber eine unerwartete Wendung nimmt die Geschichte doch: Der Filialleiter ist lebensgefährlich verletzt, aber noch nicht tot. Der Gangster entführt daher die kleine Tochter der zuständigen Ärztin (Birge Schade): Die Mutter soll das Werk vollenden. Damit stellt sich den Kommissaren Schmücke und Schneider (Jaecki Schwarz, Wolfgang Winkler) eine noch drängendere Aufgabe als die Suche nach dem Täter: Es gilt, das Leben des Mädchens zu retten.
Ungleich reizvoller als der überschaubare Fall ist die neue Personalie: Die beiden Herberts werden durch Oberkommissarin Nora Lindner verstärkt. Vor allem Platzhirsch Schmücke entwickelt sich angesichts der jungen Kollegin zum kleinkarierten Prinzipienreiter. Dem Film aber tut die Frischzellenkur durch Isabell Gerschke gut: Sie bringt den Altherrenclub dermaßen auf Trab, dass das Inszenierungstempo gar nicht mehr so gemächlich wirkt. tpg.
| Darsteller: | Jaecki Schwarz | als Herbert Schmücke | |
|---|---|---|---|
| Wolfgang Winkler | als Herbert Schneider | ||
| Isabell Gerschke | als Oberkommissarin Nora Lindner | ||
| Oliver Hörner | als Manfred Weller | ||
| Susanne Hoss | als Iris Weller | ||
| Holger Daemgen | als Mathias Kirch | ||
| Carin C. Tietze | als Rita Dreher | ||
| Birge Schade | als Dr. Andrea Lund | ||
| Amber Bongard | als Sarah Lund | ||
| Wanda Colombina | als Sonja Heimanns | ||
| David Scheller | als Heinz "Zeppi" Zeppenfeld | ||
| Judith Richter | als Nathalie Schrade | ||
| Dieter Landuris | als Ralph Herder | ||
| Christian Leonhard | als Dr. Franke | ||
| Robert Glatzeder | als Sieper | ||
| Andreas Hofer | als Oberstaatsanwalt | ||
| Karin Düwel | als Gabi Rössner | ||
| Marie Gruber | als Rosamunde Weigand | ||
| Lutz Jeskulke | als Kriminaltechniker | ||
| Regie: | Hans Werner | ||
| Drehbuch: | Michael Arnal | ||
| Hans Werner | |||
| Produzent: | Peter Gust | ||
| Kamera: | Oliver-Maximilian Kraus | ||
| Schnitt: | Philipp Schmitt | ||
| Musik: | Markus Lonardoni | ||
| Produktionsdesign: | Christa Köppen | ||
| Ton: | Andreas Kaufmann | ||
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