Mit einem Höchstmaß an Authentizität verfolgt die französische Filmemacherin Maiwenn Le Besco eine Sondereinheit der französischen Polizei, die sich mit Verbrechen an und von Jugendlichen befasst. Minuziös porträtiert sie den knallharten Alltag der Flics, bettet in die Kolportage aber auch eine Amour fou ein, die unerlaubte Liebesaffäre einer Journalistin mit einem Beamten. http://images.kino.de/flbilder/max11/mbiz11/mbiz38/z1138504/b150x150.jpg poliezei

Filmdetails

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Mit einem Höchstmaß an Authentizität verfolgt die französische Filmemacherin Maiwenn Le Besco eine Sondereinheit der französischen Polizei, die sich mit Verbrechen an und von Jugendlichen befasst. Minuziös porträtiert sie den knallharten Alltag der Flics, bettet in die Kolportage aber auch eine Amour fou ein, die unerlaubte Liebesaffäre einer Journalistin mit einem Beamten.


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Start: 27.10.2011

Originaltitel: Polisse

Drama / Kriminalfilm

Frankreich 2011
Laufzeit: 127 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Karin Viard
Joey Starr
Marina Foïs

Regie: Maïwenn Le Besco
Verleih: Wild Bunch

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Inhalt

Die Polizisten der Einheit für Jugendkriminalität haben einen Job, um den sie niemand beneidet: Täglich werden sie mit schrecklichen Verbrechen und extremer Aggression konfrontiert und müssen dennoch cool bleiben. Vom Innenministerium beauftragt, soll die Journalistin Melissa eine Reportage über die hartgesottenen Flics schreiben. Und verliebt sich alsbald in Fred, das schwarze Schaf des Trupps.


Kritik

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Eine Polizeieinheit in Paris bekämpft Verbrechen gegen Kinder. In den Händen der Regisseurin Maiwenn wird daraus ein Genrefilm, der den Vergleich mit den besten Polizeifilmen oder -serien nicht zu scheuen braucht.

"Polizei" nennt Maiwenn ihre dritte Regiearbeit - bezeichnender Weise in der orthographisch unkorrekten Form, die ihr Sohn bei einer Rechtschreibübung gewählt hat. Denn genau darum geht es, um Polizei und Kinder. Oder genauer gesagt: um die Brigade de Protection des Mineurs, eine zehnköpfige Sondereinheit der Pariser Polizei, die sich um jedwede Verbrechen an Minderjährige zu kümmern hat. Ohne große Umschweife und Exposition taucht der Film ein in den Alltag der Beamten, zeigt sie bei der Arbeit, bei ihren Gesprächen, bei sich zu Hause. So gut wie nie trennt er sich von seinen Protagonisten und entscheidet sich nie für eine klare Hauptfigur. Wenn man ehrlich ist, erzählt er eigentlich auch keine stringente Geschichte, zumindest keine konventionelle Geschichte in drei Akten und mit sauberem Spannungsaufbau.

Obwohl "Polisse" sich konventionellen dramaturgischen Kniffen verweigert, baut sich eine fast unerträgliche Spannung auf, weil einem die Figuren nach und nach ans Herz wachsen: Hautnah darf der Zuschauer miterleben, was sie erleben, wie sie fühlen, was der tägliche Umgang mit Päderasten und geschundenen Kindern mit ihren Seelen anstellt, was das Gesehene und Erlebte für ihr Privatleben bedeutet. Wenn es eine Rahmenhandlung gibt, dann ist es die Geschichte der Fotografin Melissa, gespielt von der Regisseurin selbst, die vom Innenministerium beauftragt wird, eine Reportage über die BPM zu machen, die für die Broschüre einer Imagekampagne benutzt werden soll. Wenn etwas vorhersehbar ist in "Polisse", dann ist es ihre Affäre mit Fred, absolut glaubwürdig gespielt von Rapstar Joeystarr als impulsiven Heißsporn der Gruppe, den sein großes Herz für Kinder öfter auch in die Bredouille bringt, weil er sich allzu oft von seinen Gefühlen leiten lässt. Und doch ist auch ihre Liebe immer nachvollziehbar, wie auch die anderen Freundschaften und Machtverhältnisse innerhalb der Gruppe.

Den atemlosen authentischen Erzählstil kennt man aus amerikanischen Fernsehserien wie "NYPD Blue ", "The Wire" oder "The Shield", aber wozu diese Serien sich über ganze Staffeln hinweg Zeit nehmen, das packt Maiwenn mit ihrem gemeinsam mit Emmanuelle Bercot geschriebenen Drehbuch in knappe zwei Stunden. Kaum eine Härte des Polizeialltags wird ausgelassen, und bei manchen Vignetten und Fällen - die nach Angaben der Regisseurin allesamt auf Tatsachen beruhen - stockt einem der Atem. Wenn etwa eine mittellose schwarze Frau ihren sechsjährigen Sohn auf dem Revier abliefert, weil er ein besseres Schicksal verdient hat, als so zu leben wie sie, oder wenn ein Päderast genüsslich davon erzählt, wie er sich an seiner Tochter vergangen hat, weil er weiß, dass seine guten Verbindungen in hohe Stellen ihm garantieren, bald auf freiem Fuß zu sein. Aber auch Raum für befreienden Humor gibt es Zuhauf, mit dem die Beamten dem täglichen Schrecken ihrer Arbeit begegnen. Bei dem hohen Tempo könnte einem leicht entgehen, dass dieser wie zufällig zusammengesetzte Film ganz präzise erzählt und inszeniert ist.

Mit hoher Ökonomie werden die Figuren vorgestellt und vertieft. Erst im Finale gönnt sich die Regisseurin den Kniff einer künstlerischen Verfremdung, indem sie eine Verzweiflungstat eines der Beamten und einen Befreiungsakt eines der misshandelten Kinder gegeneinander schneidet, und erzielt damit einen erschütternden Höhepunkt in ihrem großartigen Film. Vor allem verliert Maiwenn nie aus den Augen, um wen und was es geht. Sie mag von der Polizei erzählen, aber im Mittelpunkt stehen die Kinder. Und das erdet diesen großartigen Genrefilm, den man in einem Atemzug mit einem anderen Cannes-Meisterwerk der letzten Jahre, "Ein Prophet", nennen kann, auf eine Weise, die einem bisweilen das Herz zerreißt. Wenn man nicht gerade übergeht vor Begeisterung für diesen außerordentlichen Film. ts.

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Darsteller:  Karin Viard   als Nadine
  Joey Starr   als Fred
  Marina Foïs   als Iris
  Nicolas Duvauchelle   als Mathieu
  Maïwenn Le Besco   als Melissa
  Karole Rocher   als Chrys
  Emmanuelle Bercot   als Sue Ellen
  Frédéric Pierrot   als Balloo
  Arnaud Henriet   als Bamako
  Naidra Ayadi   als Nora
  Jérémie Elkaïm   als Gabriel
  Riccardo Scamarcio   als Francesco
  Sandrine Kiberlain   als Mme de la Faublaise
  Wladimir Yordanoff   als Beauchard
  Louis-Do de Lencquesaing   als M. de la Faublaise
  Laurent Bateau   als Hervé
  Riton Liebman   als Franck
  Anne Suarez   als Alice
  Carole Franck   als Celine
  Audrey Lamy   als Mutter
  Anthony Delon   als Alex
  Sophie Cattani   als drogenabhängige Mutter
  Lou Doillon   als Schwester Melissa
  Marcial Di Fonzo Bo   als Lehrer
 
Regie:  Maïwenn Le Besco  
Drehbuch:  Emmanuelle Bercot  
  Maïwenn Le Besco  
Produzent:  Alain Attal  
Ausf. Produzent:  Laurent Rizzon  
Kamera:  Claire Mathon  
  Jowan Le Besco  
Schnitt:  Yann Dedet  
  Laure Gardette  
Musik:  Stephen Warbeck  
Produktionsdesign:  Nicolas de Boiscuillé  
Kostüme:  Marité Coutard  
Ton:  Nicolas Provost  
  Sandy Notarianni  
  Rym Debbarh-Mounir  
  Emmanuel Croset  
Casting:  Nicolas Ronchi  

Star

Maïwenn Le Besco

* 17.04.1976

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