Catherine Keener
Oliver Platt
Rebecca Hall
Regie: Nicole Holofcener
Verleih: Sony Pictures
Die New Yorker Kate und Alex betreiben einen florierenden Handel mit gebrauchten Möbeln und legen ihr Geld in Immobilien an. Neben ihnen wohnt in einer ihrer Wohnungen die 91-jährige Andra, deren Ableben Voraussetzung dafür ist, dass das Paar den Wohnraum für sich und seine Tochter erweitern kann. Bald schon bekommen die beiden Skrupel: Um das angespannte Verhältnis zu Andra zu verbessern, laden sie die alte Dame und deren zwei erwachsene Enkelinnen zu sich zum Abendessen ein - mit unvorhergesehenen Folgen.

Warmherzige New York-Komödie über Stadtneurotiker und ihre Lebenskrisen, das schlechte Gewissen reich zu sein, während andere darben.
Woody Allen hat es vorexerziert, wie die Bourgeoisie in Big Apple ihre Kümmernisse pflegt und darüber mit Inbrunst und ohne Lösungen diskutiert. In seine Fußstapfen tritt Nicole Holofcener mit ihrem leicht ironischen, aber dennoch liebevollen Blick auf eine Familie, der es eigentlich gut geht. Natürlich gibt es Konfliktsituationen, eheliche Untreue, Teenager-Frust und ein diffuses Schuldgefühl, privilegiert zu sein, wenn vor der Haustür Armut und Obdachlosigkeit grassieren. So drückt Kate einem der homeless people auch schon mal 20 Dollar in die Hand, während sie ihrer pubertierenden Tochter die 200-Dollar-Jeans strikt verweigert. Mit ihrem Mann betreibt sie einen edlen Trödelladen, ersteht billig Möbel aus Wohnungsauflösungen Verstorbener, um sie mit fettem Gewinn zu verscherbeln. Aus schlechtem Gewissen gibt sie gerne, informiert sich im Internet über schreckliche Schicksale wie Kinder mit Hasenscharten oder bringt einem irritierten Erben eine wertvolle Vase zurück, der das Teil verständnislos im Müll entsorgt. Kate und ihr Mann Oliver sind Gutmenschen, die zwar das Nebenappartement zur Vergrößerung des eigenen kaufen wollen, der eigensinnigen Nachbarin aber nicht den Tod an den Hals, sondern zum 91. Geburtstag noch ein langes Leben wünschen. Bei allem Grübeln über die Ungerechtigkeit der Welt entgeht es Kate, dass der Gatte fremdgeht, das Töchterchen unter Akne und Gefühlswirren leidet und sie selbst sich immer weiter von der Wirklichkeit entfernt.
Sehr "europäisch" ist dieses New York-Movie inszeniert, mit langen Gesprächen und leisen Tönen, Aufmerksamkeit für persönliche Details und auch Mut, die Protagonistin mit Mutter Teresa-Syndrom nicht immer ganz perfekt und sympathisch zu zeigen. Was bei einer Catherine Keener als alter Ego der Regisseurin schwer fällt, ist sie doch couragiert, großherzig und will in ihrer manchmal übertrieben scheinenden Betroffenheit nur das Beste. In einer wunderbar entlarvenden Szene scheitert schon der Versuch einer ehrenamtlichen Arbeit im Ansatz, die schicke Manhattan-Lady kann den Anblick von Behinderung und Alter nicht ertragen. Gegen ihre Präsenz haben die Nebenfiguren kaum eine Chance. Unaufgeregt aber dennoch bissig-spitzzüngig und pointenreich, mit Witz und ein bisschen Moral verziert, zeichnet Holofcener den selbst gemachten Stress der Mittelschicht. Ein Platz im Leben...verzweifelt gesucht. Aber alles wird gut. mk.
| Darsteller: | Catherine Keener | als Kate | |
|---|---|---|---|
| Oliver Platt | als Alex | ||
| Rebecca Hall | als Rebecca | ||
| Amanda Peet | als Mary | ||
| Ann Guilbert | als Andra | ||
| Sarah Steele | als Abby | ||
| Thomas Ian Nicholas | als Eugene | ||
| Lois Smith | als Mrs. Portman | ||
| Josh Pais | als Adam | ||
| Romy Rosemont | als Carrie-Ann | ||
| Rebecca Budig | als Big Back | ||
| Portia | als Mrs. Melnick | ||
| Amy Wright | als Erin | ||
| Kathleen Doyle | als Anita | ||
| Timothy Doyle | als Kevin | ||
| Regie: | Nicole Holofcener | ||
| Drehbuch: | Nicole Holofcener | ||
| Produzent: | Anthony Bregman | ||
| Ausf. Produzent: | Caroline Jaczko | ||
| Kamera: | Yaron Orbach | ||
| Schnitt: | Robert Frazen | ||
| Musik: | Marcelo Zarvos | ||
| Kostüme: | Ane Crabtree | ||
| Ton: | Stuart Deutsch | ||
| Casting: | Jeanne McCarthy | ||
Ironisch-liebevoll behandelt Nicole Holofcener in "Please Give" das Gutmenschentum einer New Yorkerin. Die Independent-Regisseurin findet das Filmbusiness sexistisch und wünscht sich mehr Arthouse-Kinos.
Um Geld und schlechtes Gewissen kreiste schon Ihr letzter Film "Friends with Money".
NICOLE HOLOFCENER: Das ist mir erst nach Fertigstellen des Drehbuchs aufgefallen, Themen wie Wohltätigkeit, Reichtum, Familie beschäftigen mich. So spielen in "Please Give" eigene und Erfahrungen von Freunden mit hinein. Ich habe auch schon öfter versucht, ehrenamtlich zu arbeiten und bin dabei an meine Grenzen gestoßen. Mit meinem Job und meinen beiden Kindern bin ich zwar ausgelastet, versuche aber trotzdem, anderen zu helfen. Alle meine Filme sind sehr persönlich, das war auch "Friends with Money". Wer genau hinguckt, findet immer ein Stück von mir.
Spüren Sie als Independent-Regisseurin etwas von der vielbeschworenen Krise?
Das Drehbuch stieß auf große Sympathie, aber das kommerzielle Potenzial schien einigen zu unsicher. Ein Investor sprang kurz vor dem Dreh ab. Erst war Sony Classics mit im Boot, dann kam der Rückzieher, letztendlich konnten wir sie doch noch überzeugen. Ein Wechselbad der Gefühle. Da Sony meinen letzten Film finanziert hatte, wollte ich gern die Zusammenarbeit fortsetzen. Seit der Finanzkrise gestaltet sich die Finanzierung eines Arthouse-Films schwieriger, der kleinste Risikofaktor schreckt ab. Dennoch darf ich nicht klagen, für meinen ersten Spielfilm "Walking and Talking" musste ich sechs Jahre lang kämpfen, hier dauerte es ein Jahr. Allerdings verfügten wir nur über ein Drei-Mio.-Dollar Budget.
Warum ärgerten Sie sich über die Bezeichnung Frauenfilm?
Haben Sie schon mal etwas von einem "Männer-Film" gehört? Ich nicht. Dieser Stempel diskriminiert. Beim Label "für ein weibliches Publikum", kommen Männer erst gar nicht. Diese willkürliche Einteilung ist sexistisch, wie das ganze Filmbusiness. Trotzdem kann ich mit meiner bisherigen Karriere zufrieden sein und von Glück reden, die Geschichten erzählen zu können, die ich will.
Inwieweit profitieren Sie von der TV-Arbeit?
Zusätzliche Erfahrung schadet nicht, ich lerne neue Schauspieler und potenzielle Crewmitglieder kennen. Ich hätte auch Angst, bei meinen wenigen Kinofilmen vielleicht die Praxis verlieren.
Gibt es eine Parallele zwischen Woody Allens New Yorker Humor und dem Ihren?
Ich habe als Heranwachsende keinen von Woody Allens New-York-Filmen verpasst, bin aber auch beeinflusst von Albert Brooks oder Mike Leigh. Mein Humor ist durch meine jüdische Herkunft geprägt, ich liebe einen gewissen Zynismus oder eine bestimmte Art von Ironie. Das ist aber kulturell, nicht religiös bedingt.
Gehen Sie oft ins Kino?
Ich bin zu beschäftigt mit meinen Kindern und meiner Arbeit. Einen neuen Film der Coen-Brüder schaue ich mir natürlich an, aber nicht unbedingt jeden Hollywood-Film. Die richten sich oft an ein junges Publikum und verkaufen es mit diesen Sequels für dumm. Filme, die mir gefallen, fliegen schnell wieder aus dem Kino. Ein schönes Arthouse-Kino nach dem anderen verschwindet, und bei der Fixierung auf das erste Wochenende schrumpfen die Chancen für alles, was nicht den Durchschnittsgeschmack bedient.
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