Hommage an die kürzlich verstorbene Choreografenlegende. http://images.kino.de/flbilder/max11/auto11/auto01/11010193/b150x150.jpg Pina

Filmdetails

Pina 3D-Kino

Hommage an die kürzlich verstorbene Choreografenlegende.


Pina
Start: 24.02.2011

Dokumentarfilm / Tanzen

Deutschland/Frankreich 2011
Laufzeit: 107 Min.
FSK: o.A. (ohne Altersbeschränkung)

Pina Bausch

Regie: Wim Wenders
Verleih: NFP (Warner)

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Inhalt

Die 1940 in Solingen geborene, in Essen und New York ausgebildete Tänzerin Pina Bausch zählt zu den bedeutendsten Choreografinnen der Welt. 1973 wird sie Leiterin des Balletts in Wuppertal und tauft es in Tanztheater um. Ihre Stücke und Choreografien, die auch Oper, Operette und internationale U-Musik aufgreifen und inhaltlich auch Alltägliches integrieren, sind vielfach ausgezeichnet worden. Ihr Theater ist verspielt, komisch, tragisch, überraschend, setzt auf ausdrucksstarkes Kostümbild und den Einsatz von Wasser und Erde.


Kritik

Pina

Mitreißende Hommage an die verstorbene Choreografin Pina Bausch und ihr Tanztheater Wuppertal, die 3D als perfektes Mittel nutzt, Tanz mit allen Sinnen erfahrbar zu machen.

Das lange von Wim Wenders geplante Projekt, einen Film über seine Freundin, die national und international geschätzte Choreografin Pina Bausch und ihr Werk zu machen wurde endlich realisiert - wenn auch ohne ihre direkte Beteiligung. Sie starb im Sommer 2009 während der Vorbereitung. So hat sich die Erzählperspektive verschoben, ihr Werk , ihre Choreografien aber, das zentrale Element der Doku, bleibt lebendig.

Den Eindruck des Lebendigen, das der Zuschauer des Films noch stärker als im Theater hat, ermöglicht die 3D-Technik. Hier sitzt der Zuschauer wirklich in der ersten Reihe bzw. sogar mit auf der Bühne zwischen den Tänzern. Zum authentischen Erlebnis gehört auch, dass außer der Musik auch das Atmen der Tänzer hörbar ist. Dass alles frisch und nicht im Geringsten museal wirkt, liegt natürlich auch an der besonderen, auch (emotionalen) Qualität der Stücke, die Bausch selbst ausgewählt hat. Ausschnitte aus "Sacre du printemps" (1975), "Kontakthof" (1978), "Café Müller" (1978) und "Vollmond" (2006) bei Neu-Aufführungen mit und ohne Publikum und an Wuppertaler Orten getanzt sind das Kernstück. Besonders aufregend wirkt der Tanz außerhalb der Bühne. Wenn etwa in moderner Dachetage, am Uferpark, im Schwimmbad oder vor aufgegebenen Industrieanlagen getanzt wird, reizt der Kontrast (von alltäglicher, statischer Stadtarchitektur und der Bewegung und den kräftigen Farben der Kostüme) und kommt das Spiel mit dem Raum noch deutlicher zum Ausdruck. Besonders amüsant ist eine Performance in der Schwebebahn. Zwischen die Tanzszenen, die unglaublich virtuos und verspielt Lebenslust ebenso wie Trauer transportieren, montiert sind Miniporträts der Ensemble-Mitglieder, ihre Gesichter werden einige Sekunden lang von der Kamera beobachtet bevor sie in wenigen Sätzen sagen, was Pina Bausch ihnen bedeutet, gegeben hat.

So ist "Pina" selbstverständlich eine Eloge. Aber Wenders ist wie bei seiner erfolgreichen Musik-Doku "Buena Vista Social Club" nicht daran interessiert, möglichst detaillierte und fundierte Informationen und Biografien zu präsentieren, sondern daran, ein Gefühl für die Personen und ihre Kunst zu vermitteln bzw. ihre Begeisterung für ihre Kunst auf den Zuschauer zu übertragen - was ihm erneut gelingt: Auch wenn Bausch nur in wenigen Einspielern von Archivmaterial physisch präsent ist, zeigt der Film Bausch als Vollblut-Künstlerin, der ihre Arbeit wichtiger als alles andere im Leben war, die aber auch warmherzig war und ihr Ensemble als Familie betrachtete. Nach diesem Film will man unbedingt mehr von ihren Choreografien sehen. hai.

Pina

Darsteller:  Pina Bausch  
 
Regie:  Wim Wenders  
Drehbuch:  Wim Wenders  
Produzent:  Gian-Piero Ringel  
Koproduzent:  Claudie Ossard  
  Chris Bolzli  
Ausf. Produzent:  Jeremy Thomas  
Kamera:  Hélène Louvart  
  Jörg Widmer  
Schnitt:  Toni Froschhammer  
Musik:  Matthias Burkert  
Ton:  André Rigaut  

Oscars: "The Artist" und Meryl Streep große Sieger

Ich habe einen Oscar! Ich … ich habe meine Dankesrede vergessen!

Großansicht Von der Academy mehrfach gewürdigt: Das Stummfilm-Kunstwerk "The Artist" und Meryl Streeps "Die Eiserne Lady". (Foto: ©A.M.P.A.S)

Von der Academy mehrfach gewürdigt: Das Stummfilm-Kunstwerk "The Artist" und Meryl Streeps "Die Eiserne Lady". (Foto: ©A.M.P.A.S)

Regisseur Michel Hazanavicius ging es wie den Helden seines Films - er war sprachlos! Sein Filmkunstwerk "The Artist" um eine Liebe in den letzten Tagen des Stummfilms ist von der Academy überraschend mit 5 Oscars zum meistprämierten Film gekürt worden - darunter Preise in allen drei "Königskategorien": Bester Film, Beste Regie und Bester Hauptdarsteller!

Doch der Franzose mit litauischen Vorfahren fand seine Sprache bald wieder, hielt eine überschwängliche Dankesrede und endete mit Worten, so poetisch wie sein Filmkunstwerk: "Im Film geht es um das Leben. Und an manchen Tagen ist das Leben wunderbar. Heute ist solch ein Tag. Danke! Danke!"

Ebenfalls fünf Oscars gingen an Martin Scorseses Verfilmung des Kultkinderbuchs "Hugo Cabret". Allerdings gab's die Goldjungs ausnahmslos in Bereichen, die in Hollywood eher zu den Nebenkategorien gezählt werden: Kamera, Visual Effects (hier stach man etwas überraschend den Blockbuster "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" aus), Ausstattung, Ton und Tonschnitt. Damit war Martin Scorsese eher einer der Verlierer des Abends.

Die Veteranin als heulender Backfisch

Ganz anders Academy-Liebling Meryl Streep. Auch sie hatte zu den Oscar-Favoriten gezählt, doch ihr Traum erfüllte sich auch: Streeps fast schon gespenstisch gute Leistung als britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher in "Die Eiserne Lady" brachte ihr bei der siebzehnten (!) Nominierung erwartungsgemäß endlich den dritten Oscar nach "Kramer gegen Kramer" und "Sophies Entscheidung".

Überraschenderweise verlor die Veteranin auf der Bühne des Kodak Theatre nach einem launigen Einstieg in ihre Dankesrede ("Ganz Amerika denkt sich jetzt 'Oh nein, nicht sie schon wieder'"!) komplett die Fassung und brach - unter stehenden Ovationen - in Tränen aus: "Ich werde wahrscheinlich nicht noch einmal hier oben stehen, also danke an Euch alle!" Trotz ihrer überragenden mimischen Leistung dankte Meryl Streep auch ihren Maskenbildnern, die ebenfalls einen Oscar erhielten.

Charmanter Franzose, geschasste US-Superstars

Kollege Jean Dujardin, der als Stummfilmstar in "The Artist" wirklich alle darstellerischen Register zieht, machte es dagegen kurz: "Ich liebe Euer Land!", schmeichelte er französisch-charmant dem Auditorium in Los Angeles, das eher mit George Clooney als Sieger für seine Rolle als überforderter Vater in "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten" gerechnet hatte. Clooney durfte sich aber zumindest über einen Drehbuch-Oscar für "The Ides of March" freuen.

Eine herbe Enttäuschung war die Oscar-Verleihung sowohl für Steven Spielbergs Kriegspferd-Epos "Gefährten" wie auch "Moneyball" mit Brad Pitt als revolutionärem Baseball-Coach. Trotz sechs Nominierungen gingen beide Filme komplett leer aus -weil in den entsprechenden Kategorien zumeist entweder "Hugo Cabret" oder "The Artist" punkteten.

Lange Gesichter in Deutschland

Auch aus deutscher Sicht boten die 84. Academy Awards keinen Grund zum Feiern. Für den Auslands-Oscar war der deutsche Vorschlag "Pina" gar nicht erst nominiert worden, hier machte erwartungsgemäß erstmals ein iranischer Beitrag das Rennen, "Nader und Simin - Eine Trennung". Aber als beste Doku war Wim Wenders' lyrisches 3D-Juwel um das Schaffen der verstorbenen Choreographie-Legende Pina Bausch nominiert und als Sieg-Kandidat gehandelt worden. Hier machte aber der US-Beitrag "Undefeated" um den Aufstieg eines erfolglosen Football-Teams das Rennen.

Die deutsche Kostümbildnerin Lisy Christl ("Anonymus") musste sich den Oscar-Abonnenten Dante Ferretti und Francesca Lo Schiavo für "Hugo Cabret" geschlagen geben und der deutsche Kurzfilm "Raju" zog gegen "The Shore" um eine Freundschaft im Nordirlandkonflikt den Kürzeren. Zumindest waren aber die deutschen Effektkünstler Alex Henning und Ben Grossmann von der Frankfurter Firma Pixomondo am Visual-FX-Oscar für "Hugo Cabret" beteiligt.

82 Jahre Übung für eine Dankesrede

Als ältester Schauspieler aller Zeiten gewann Christopher Plummer einen Oscar als Nebendarsteller in "Beginners". Der 82-Jährige erlebt im Film von Mike Mills zum Erstaunen seines Sohnes (Ewan McGregor) ein spätes Coming Out. Die Dankesrede des Veteranen zählte zu den absoluten Highlights der diesjährigen Academy Awards. Mit Blick auf die Oscar-Statue in seinen Händen begann Christopher Plummer:

"Mann, Du bist nur zwei Jahre älter als ich, wo warst Du nur die ganze Zeit?!?" Dann wandte er sich ans Publikum: "Wisst ihr, schon als ich aus der Gebärmutter meiner Mutter kam, habe ich diese Dankesrede einzuüben begonnen. Zu Eurem Glück ist das jetzt so lange her, dass ich sie inzwischen vergessen habe. Also: Danke!"

Feucht wie einst Halle Berry

Den Preis für die beste weibliche Nebenrolle überreichte Batman Christian Bale an Octavia Spencer, die in "The Help" eine mutige schwarze Haushaltsgehilfin spielt. Die Gewinnerin nutzte die Chance für einen Flirt: "Danke, dass ihr mich neben den heißesten Typen im Raum gestellt habt!" Spencers Dankesrede ersoff dann aber fast komplett in einer Tränenflut, die Halle Berry alle Ehre machte. Die letzten Worte "Danke… Welt!" konnte man nur noch erahnen.

Zum besten Animationsfilm wurde erwartungsgemäß "Rango" gekürt - eine besondere Genugtuung für Regisseur Gore Verbinski, der in Hollywood wegen seiner drei "Fluch der Karibik"-Filme als Popcorn-Filmemacher verschrien gewesen war. Er dankte überschwänglich Johnny Depp, der im Original dem titelgebenden Wildwest-Chamäleon seine Stimme leiht.

Trapez- und Sprach-Akrobatik

Als großes Highlight war eine Performance der legendären Artisten des Cirque du Soleil angekündigt worden - auch, weil mit 50 Künstlern die größte Truppe für einen Einzelauftritt der Truppe bereit stand. Die Hommage an Filmklassiker wie Hitchcocks "Verdacht" oder "King Kong" wirkte aber recht konventionell, trotz hoch in der Kuppel des Kodak Theatre schwebender Trapeze.

Erwartet souverän agierte Moderator Billy Crystal, der nur Notnagel war, nachdem das eigentlich vorgesehene Duo von Moderator Eddie Murphy und Produzent Brett Ratner wegen rassistischer Entgleisungen Ratners gehen musste. So kündigte Crystal den von seiner Krebserkrankung sichtbar erholten Michael Douglas als Präsentator für den Regie-Oscar mit den Worten an: "He occupied Wall Street, long before that was cool - Er besetzte die Wall Street, lange bevor das als cool galt!"

Und Crystal, der schon zum neunten Mal Oscar-Gastgeber war, lieferte den besten Trost für alle Verlierer des Abends, indem er die Bedeutung der Preisverleihung mit den ironischen Worten relativierte: "Nichts lenkt einen besser von den Wirtschaftskrisen in aller Welt ab, als einem Haufen Millionäre dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig goldene Statuen in die Hand drücken…"

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