Originaltitel: Van Wilder
USA 2002
Ryan Reynolds
Tara Reid
Tim Matheson
Regie: Walt Becker
Verleih: Universum (Constantin)
Als der liebenswerte Schwerenöter Van Wilder (Ryan Reynolds) sein siebtes Jahr am Coolidge College begeht, ohne auch nur ansatzweise einen ernsthaften Lebensunterhalt in Erwägung zu ziehen, hat sein Vater endgültig die Nase voll und dreht ihm den Geldhahn zu. Gezwungen, sich auf das zu konzentrieren, was er am besten kann, fasst Van eine Karriere als Partyveranstalter ins Auge. Tatsächlich entpuppen sich seine Feste als Hits, doch der Erfolg ruft auch Neider und eine investigative Studentenjournalistin (Tara Reid aus "American Pie") auf den Plan.
Der Name National Lampoon verpflichtet: In würdigstem Gedenken an den nationalen Partyfilmkracher "Ich glaub, mich tritt ein Pferd" entfaltet sich ein farbenprächtiges Kaleidoskop aus Satire, Slapstick und gnadenloser Geschmacklosigkeit.
Das Rezept für Non-Stop-Fun und Girlhunting nach dem Motto Rock around the clock heißt Van Wilder und ist der coolste Student in einer der frechsten Komödien des Jahres.
Lernen, bis der letzte Stoffmüll jede Gehirnzelle belegt. Unterrichtet von Hypnosespezialisten, die Lehrer heißen. Gequält vom Ehrgeiz, die Rente schon mit 25 zu sichern. Leben wie ein Hund - das ist Vergangenheit.
Gegenwart ist Van Wilder (Ryan Reynolds), die Antwort des neuen Jahrtausends auf Ferris Bueller, den Schulhelden der Achtziger. Van ist der King an seinem College, ist Frauenmagnet, Stimmungslegende, Mister Cool. Doch als ihm Dad, Typ bemitleidenswerter Workaholic, schon nach sieben Jahren den Geldhahn zudreht, schrillen die Alarmglocken.
Um sein geliebtes lockeres Collegeleben bis zu den ersten grauen Haaren ausdehnen zu können, zieht Van ein Geschäft auf. Wie der Gute-Laune-Guru als Partyorganisator seine Probleme löst und dabei die verklemmte Collegereporterin Gwen (Tara Reid aus "American Pie 2") entspannt, zeigt diese witzige Komödie.
Mit Sprüchen fürs Notizbuch, schrägen Typen und einem Humor, der auch in derben Momenten nicht charmefrei bleibt. Hier gibt es Nacktrennen auf dem Campus, indische Austauschstudenten, die mit Sex ihr Karma verbessern wollen, und natürlich einen selbstverliebten intriganten Blender ("Beverly Hills 90210"-Veteran Daniel Cosgrove), der angemessen sadistisch bestraft wird. Ein animierendes Gaggelage für ungetrübte Partylaune.
| Darsteller: | Ryan Reynolds | als Van Wilder | |
|---|---|---|---|
| Tara Reid | als Gwen Pearson | ||
| Tim Matheson | als Vance Wilder Sr. | ||
| Kal Penn | als Taj Mahal Badalandabad | ||
| Teck Holmes | als Hutch | ||
| Daniel Cosgrove | als Richard Bagg | ||
| Deon Richmond | als Mini Cochran | ||
| Alex Burns | als Gordon | ||
| Emily Rutherfurd | als Jeannie Jacobs | ||
| Paul Gleason | als Professor McDoogle | ||
| Erik Estrada | als Erik Estrada | ||
| Jason Winer | als Panos Patakos | ||
| Curtis Armstrong | als Campus-Polizist | ||
| Kim Smith | als Casey | ||
| Tom Everett Scott | als Elliot Grebb | ||
| Chris Owen | als Timmy | ||
| Regie: | Walt Becker | ||
| Drehbuch: | Brent Goldberg | ||
| David Wagner | |||
| Produzent: | Robert L. Levy | ||
| Peter Abrams | |||
| Andrew Panay | |||
| Jonathon Komack Martin | |||
| Koproduzent: | Ari Newman | ||
| Rick Joseph | |||
| Peter Nelson | |||
| Ausf. Produzent: | Kirk D'Amico | ||
| Philip von Alvensleben | |||
| Lucas Foster | |||
| Kamera: | James Bagdonas | ||
| Schnitt: | Dennis M. Hill | ||
| Musik: | David Lawrence | ||
| Produktionsdesign: | Rachel Kamerman | ||
| William Durrell | |||
| Kostüme: | Alexis Scott | ||
| Ton: | Itamar Ben-Jacob | ||
Das Frühjahr im Kino? Schnell abhaken. Das war's nicht, weder was Umsätze noch puren Filmgenuss anbetrifft. Zu viel "Rollerball", zu wenig "Mulholland Drive", und kein "Black Hawk Down" weit und breit.
Besserung naht, so darf man als Filmfan hoffen, im Sommer - einst belächelte Stiefsaison, mittlerweile aber mit ähnlich viel Power wie in den USA, wo man seit Jahren die höchsten Umsätze während der Hitzewelle einfährt. Mit Staunen kann man also seine Augen über das Lineup der diesjährigen Sommersaison wandern lassen - und sich erstmal freuen angesichts der Popcorn-Wunder, die auf uns zurollen.
Besonders augenfällig ist selbstverständlich das Duell zwischen "Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger" und "Spider-Man", das mit dem Zweikampf von "Harry Potter" und " Herr der Ringe" im vergangenen (und kommenden) Winter zu vergleichen ist.
"Episode 2" kann auf den eingeführten Namen setzen und vertrauen: "Episode I" kam vor drei Jahren auf acht Mio. Besucher und war erfolgreichster Kinofilm des Jahres 1999. Der neue Film verspricht spektakulärere Action, aufwändigere Bilder und eine komplexere, dramatisch dichtere Handlung, also sollte sich der Erfolg des Vorgängers durchaus toppen lassen.
Auf Spinnenbeinen an die Spitze?
Es sei denn, der drei Wochen später startende "Spider-Man" nimmt dem SF-Epos den Wind aus den Segeln. Ebenfalls für mehr als 100 Mio. Dollar hergestellt, handelt es sich um die von Comicfans seit Jahren herbeigesehnte Verfilmung des beliebtesten aller Marvel-Comics.
Mit Tobey Maguire, Kirsten Dunst und Willem Dafoe brillant besetzt, ist es Sam Raimi tatsächlich gelungen, den Look und das Feeling der Hefte adäquat für die Leinwand zu übersetzen: Hier gibt es nicht nur Effekte en masse, sondern auch eine witzige, berührende Geschichte eines Teenagers, der von einer Null zum Helden wird und schmecken muss, dass mit Ruhm auch die bittere Last der Verantwortung einhergeht.
Back in black
Aber auch die "Men in Black 2" darf man nicht unterschätzen: Vor fünf Jahren war der erste Teil mit 7,3 Mio. Besuchern der zweiterfolgreichste Film 1997 (nach "Titanic"). Nun hat sich das komplette Erfolgsteam von damals (Will Smith, Tommy Lee Jones, Barry Sonnenfeld) erneut eingefunden, um die pfiffige Saga weiter zu erzählen, in der diesmal die Rollen vertauscht sind (Smith muss jetzt Jones anlernen).
Mit "Scooby-Doo" geht noch eine weitere Comicverfilmung an den Start und zielt vor allem auf das Familienpublikum. Die Frage ist lediglich, ob der in den USA kultisch verehrte Cartoon-Hund (unterstützt von dem Jungstar-Kollektiv Matthew Lillard, Freddie Prinze und Sarah Michelle Gellar) hierzulande über den ausreichenden Bekanntheitsgrad verfügt, um in der Endabrechnung unter den ganz großen Rennern der Saison landen zu können - zumal am gleichen Wochenende zwei weitere Hitkandidaten an den Start gehen.
Cartoon Connection
"Spirit - Der wilde Mustang", der zweite Dreamworks-Zeichentrickfilm nach "Der Prinz von Ägypten", wendet sich überdies auch noch an die gleiche Zielgruppe, während "Wir waren Helden" mit Mel Gibson vornehmlich ein erwachsenes Publikum ansprechen sollte. In den USA war der ebenso kompromisslose wie patriotische Kriegsfilm mit einem Einspiel von etwa 75 Mio. Dollar einer der Hits des Frühjahrs.
"Spirit" und "Scooby-Doo" treffen überdies auf den Widerstand von "Lilo & Stitch", Disneys 41. abendfüllender Zeichentrickfilm, der zwar inhaltlich ganz neue Wege geht, aber auf die Power von einer handvoll Elvis-Songs setzen darf, die ganz wunderbar in die Story der Freundschaft eines hawaiianischen Mädchens mit einem garstigen Pokemon-Alien eingebaut wurden.
Blockbuster-Classics
Darüber hinaus setzt der Verleih wie gewohnt auf Blockbuster-Produzent Jerry Bruckheimer, dessen "Bad Company" vom Look und Inhalt an "Der Staatsfeind Nr. 1" erinnert: Anthony Hopkins muss in Windeseile aus dem Straßenpunk Chris Rock einen brauchbaren CIA-Agenten machen, um die Welt zu retten.
Und auch der Drachenfilm " Reign of Fire " mit Matthew McConaughey und Christian Bale hat das Zeug zum Renner des letzten Sommerabschnitts, was auch für John Woos "Windtalkers" oder den vierten Jack-Ryan-Film "Sum of All Fears", diesmal mit Ben Affleck (überdies ab 29. August in dem bemerkenswerten US-Nummer-eins-Film "Spurwechsel") gilt.
Komödien satt
Besonderes Augenmerk sollte man auf "About a Boy" (UIP, 22. August) richten, der männlichen Antwort auf "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" nach einem Bestseller von Nick Hornby, in der Hugh Grant seine bislang reifste komödiantische Leistung abliefert.
Jugendliche Filmfans werden indes mit der "Zurück in die Zukunft"-Variante "Clockstoppers", dem Sexulk "40 Tage und 40 Nächte" mit Josh Hartnett, dem Grossout-Spaß "Van Wilder" und der neuen Adam-Sandler -Komödie "Mr Deeds" (Columbia TriStar, 25. Juli) bedient.
Die ganze Palette aus Deutschland
Nicht allzu viele deutsche Produktionen stellen sich dem Ansturm der Hollywood-Schwergewichte: Die besten Karten hat vermutlich "Erkan & Stefan und die Mächte der Finsternis", da die beiden Blödelexperten auf einen erfolgreichen ersten Film (1,2 Mio. Besucher) und dank ihrer TV-Sendung "Headnut TV" auf gesteigerte Popularität bauen können.
Mit "Auf Herz und Nieren" meldet sich Thomas Jahn nach mehrjähriger Schaffenspause wieder mit einer markigen Krimikomödie zurück, während Michael Gutmann in der Claussen + Wöbke-Produktion "Herz im Kopf" eine ungewöhnliche Liebesgeschichte erzählt. Mit "Der Felsen" und "Baader" suchen auch zwei deutsche vieldiskutierte Wettbewerbsbeiträge der Berlinale ihr Glück beim Sommerpublikum.
Preisgekrönt und künstlerisch
Überhaupt stehen die Zeichen gut für attraktives Kunstkino: Berlinale-Publikumsliebling "8 Frauen" hat das Zeug zum Sleeperhit; Etienne Chatiliez versucht, mit "Tanguy - Der Nesthocker" an den Erfolg von "Das Glück liegt in der Wiese" anzuknüpfen, und Robert Altman öffnet endlich die Pforten zu seinem Oscar-nominierten "Gosford Park", in dem er Agatha Christie mit listiger Sozialkritik verknüpft.
Echte Leckerbissen sind neben dem nach zwei Jahren Wartezeit endlich auch bei ins in die Kinos kommenden "Sexy Beast" mit einem sensationellen Ben Kingsley die feine Romanverfilmung "Besessen" mit Gwyneth Paltrow und Adrian Lynes Rückkehr auf " Verhängnisvolle Affäre"-Territorium mit "Untreu", in dem Richard Gere eine, nun ja, verhängnisvolle Affäre seiner Ehefrau auf die Spur kommt. Politisch Interessierte werden bei "Der Stellvertreter" von Costa-Gavras auf ihre Kosten kommen.
Und wer jetzt immer noch nichts gefunden hat, worauf er sich freut, dem sei jetzt schon viel Spaß im Freibad, bei der Radtour, am Strand oder im Biergarten gewünscht.
Thomas Schultze
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