Originaltitel: Broken Arrow
USA 1996
John Travolta
Christian Slater
Samantha Mathis
Regie: John Woo
Verleih: Fox
Einst waren die beiden Stealth-Bomber-Piloten Vic Deakins und Riley Hale die besten Freunde. Doch nachdem sich Deakins als Verräter erweist, Hale aus dem Flieger katapultiert und eine nukleare Waffe in seinen Besitz bringt, wendet sich das Blatt. Mit Hilfe der National-Park-Rangerin Terry nimmt Hale die Verfolgung auf.

Vorsicht vor massivem Schußwaffengebrauch, warnt die Fox das Publikum in ihrer US-Werbekampagne für "Operation Broken Arrow". Doch nicht nur Freizeit-Ballistiker kommen auf ihre Kosten in John Woos aberwitzigem Stunt-Bollwerk über zwei entführte Nuklearwaffen, sogenannte Broken Arrows, in dem der Urvater des hypermodernen Daueractionfilms neue Wege einschlägt: Die ballettartige Eleganz seiner Hongkong-Klassiker ("The Killer", "Hardboiled") weicht hier der unerbittlichen Härte eines Techno-Thrillers made in Hollywood.
Mit seinem nicht gänzlich gelungenen US-Debüt "Harte Ziele" hatte Woo seine Visitenkarte abgegeben. Was in der verspielten Italowestern-Hommage noch häufig wirkte wie eine Fingerübung, war im Rückblick bereits ein erster Schritt zu neuen Ufern. In "Operation Broken Arrow" ist die Entwicklung abgeschlossen: Der einst als "Mozart der Zerstörung" gefeierte Regisseur feiert explosive Urständ als Donnergott der nuklearen Apokalypse. Wie Petersens "Outbreak" ist Woos neuer Film ein perfekt auf amerikanische Bedürfnisse zugeschnittener Groß-Actioner. Vorbei die Zeit, in der Feuergefechte inszeniert wurden, als wären sie choreografierte Musical-Einlagen. Die Vorbilder sind hier deutlich John McTiernans muskulöse Macho-Action und natürlich "Speed", der ebenfalls von Graham Yost geschrieben wurde. Bei Woo ist das alles nur noch einen Tick überdrehter, lauter, wilder, gefährlicher - und natürlich stilisierter: Action dient hier nicht zur Auflösung von Handlungsentwicklungen, sondern wird zur Handlung selbst, zur fortwährenden Bewährungsprobe im Kugel- und Bombenhagel.
Wie so oft bei Woo stehen die Begriffe Freundschaft, Loyalität und Verrat im Mittelpunkt. Hier sind es zwei einst befreundete Stealth-Bomber-Piloten, die sich in der malerischen Wüste von Utah in einer Art archaischem Ur-Kampf in Canyons, Minen und schließlich einem Güterzug beharken, nachdem der ältere und erfahrenere der beiden zwei nukleare Sprengköpfe in seine Gewalt gebracht hat, um damit die Vereinigten Staaten zu bedrohen. Woo scheut sich nicht, seine beiden Hauptfiguren trotz der hochtechnologisierten Kampfarena mythisch zu überhöhen. Zu den Klängen von Duane Eddys Twangy-Guitar fängt er seinen Bösewicht Deakins in extremer Zeitlupe ein, als wäre er der Held eines Spaghettiwesterns. Einen besseren als John Travolta könnte man sich für die Rolle nicht vorstellen. In einer erneuten Variation seiner Verkörperung von Coolness läßt er einen Hauch von psychotischer Megalomanie einfließen. Travolta versteht, daß er in einem betont körperlichen Film wie diesem nicht mit Schauspielkunst glänzen muß. Hier ist bloße Präsenz gefragt, und er, der noch in "Pulp Fiction" geduckt schlurfte wie ein angeschossenes Tier, füllt die Leinwand mit selbstsicherer Überlegenheit. Kein Wunder, daß sein Duell des Willens mit dem blendend aufgelegten Christian Slater - der Actionheld des cleveren Teenagers - trotz Dauerbombardement der Sinne mehr Sprengkraft besitzt als die beiden A-Bomben, um die sie vordergründig kämpfen. Die beiden Stars sind die wahren Broken Arrows in diesem Donnerwetter von fast biblischen Ausmaßen, in der auch Samantha Mathis als tatkräftige Park Rangerin mehr sein darf als schmückendes Beiwerk: Als erste Frau in einem Woo-Film langt sie kräftig hin. Wer Action will, kommt um "Operation Broken Arrow" nicht herum - auch wenn John Woo dem Film nicht jenen asiatischen Stempel aufdrückt, den sich seine Fangemeinde vielleicht von ihm erwartet hätte. ts.
| Darsteller: | John Travolta | ||
|---|---|---|---|
| Christian Slater | |||
| Samantha Mathis | |||
| Delroy Lindo | |||
| Bob Gunton | |||
| Frank Whaley | |||
| Howie Long | |||
| Vondie Curtis-Hall | |||
| Jack Thompson | |||
| Regie: | John Woo | ||
| Drehbuch: | Graham Yost | ||
| Produzent: | Mark Gordon | ||
| Bill Badalato | |||
| Ausf. Produzent: | Christopher Godsick | ||
| Dwight H. Little | |||
| Kamera: | Peter Levy | ||
| Schnitt: | John Wright | ||
| Steve Mirkovich | |||
| Joe Hutshing | |||
| Musik: | Hans Zimmer | ||
Beim geplanten WWII-Epos "Flying Tiger Heroes" setzt Action-Regisseur John Woo voll auf die fliegerischen Qualitäten von Tom Cruise.
Seien wir doch mal ehrlich: Während seiner Zeit in Hollywood hat Action-Ikone John Woo drei vernünftige Filme hervorgebracht - "Operation: Broken Arrow", "Im Körper des Feindes" und "Mission: Impossible 2". Beim ganzen Rest seines Schaffens ist er mal mehr, mal weniger hinter seinen kreativen Möglichkeiten zurückgeblieben. Lag's an den Kreativ-Knebeln der Traumfabrik, lag's an einem schöpferischen Tief - wer will das sagen. Fest steht, dass der Regisseur mit dem sicheren Händchen für stilisierte Gewalt zumindest filmisch in seinem Mutterland besser aufgehoben war - und wieder ist.
Jetzt will Woo offenbar das Beste aus beiden Welten kombinieren: Für sein neues Projekt "Flying Tiger Heroes" möchte der Regiestar Tom Cruise mit an Bord holen. "Der Film basiert auf einer wahren Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg. Damals unterstützte eine Gruppe freiwilliger amerikanischer Kampfpiloten Chinas Luftwaffe beim Kampf gegen die Japaner und half, den Krieg zu gewinnen." Clair Chennault hieß der Kommandeur dieser legendären Staffel - noch immer ein gefeierter Volksheld in China. Kein Wunder, dass Valkyrie-Attentäter Cruise auch in dieser Rolle das Nazi-Regime filmisch bekämpfen möchte. "Die ganze Geschichte dreht sich um Freundschaft zwischen China und den USA", erklärte Woo auf einer Pressekonferenz in Peking.
Zwischen Pathos und Freundschaft soll aber auch Platz für Action sein: John Woo verspricht "die spektakulärsten Massenschlachten, die je in einem chinesischen Film zu sehen waren". Und das im teuersten Film, der je in China gedreht wurde. 100 Mio. Dollar sollen bis zum Kinostart den Weg auf die Leinwand finden. Ein guter Teil davon vermutlich für die Gage des heldenhaften Cruise. Sei's gedankt, dass China auch filmisch ein Billiglohnland darstellt. Dann reicht der Rest vielleicht doch noch für einen lohnenden Action-Kracher aus der Kreativschmelze von Orient und Okzident.
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