Originaltitel: Ondine
Irland 2009
Colin Farrell
Alicja Bachleda
Alison Barry
Regie: Neil Jordan
Verleih: Concorde
An der Küste von Kork geht dem irischen Fischer Syracuse eines Tages ein zauberhafter Fang ins Netz: Die schöne Frau ohne Vergangenheit, die vor seinen Augen langsam zum Leben erwacht, beflügelt seine Gefühle und Sinne ebenso wie die Fantasie seiner kleinen, an den Rollstuhl gefesselten Tochter. Unter ihrem geheimnisvollen Einfluss nimmt der Alltag im Dorf überraschende Wendungen. Und wie alle Märchen birgt auch dieses dunkle Geheimnisse, hinter denen sich eine andere, düstere Wahrheit verbirgt.

Klassisches Märchen und moderner Thriller - Neil Jordan verquickt gekonnt die konträren Genres und profitiert dabei von den magischen Bildern Christopher Doyles.
Das Glück hat ihn verlassen, den Fischer Syracuse, der Tag für Tag mit seinem verbeulten Trawler aufs Meer hinausfährt, nur um dann ohne eine einzige Makrele wieder heimzukehren. Dem Alkohol hat er abgeschworen, sich von seiner Frau, die noch an der Flasche hängt, getrennt. Eigentlich hält ihn nur noch seine an den Rollstuhl gefesselte Tochter Annie, die bei der Mutter wohnt, am Leben. Da geht dem Einzelgänger, ideal verkörpert vom traurig blickenden, langhaarigen und leicht schmuddeligen Colin Farrell ("Alexander"), eines Tages ein Frau ins Netz - oder ist es gar eine selkie, eine sagenumwobene Meerjungfrau?
Auf den ersten Blick erkennt man die Handschrift Neil Jordans, der - nachdem ein lang geplantes Hollywood-Projekt wieder einmal an der Finanzierung gescheitert war - enttäuscht in die irische Heimat zurückkehrte. Den Frust hat er sich da mit "Ondine - Das Mädchen aus dem Meer" von der Seele geschrieben, sich bei seiner 16. Spielfilmregie früherer poetischer Arbeiten erinnert - der wunderbaren Gangsterballade "Mona Lisa" etwa oder der Rotkäppchenvariante "Zeit der Wölfe". Wie ein Märchen beginnt er seinen Film, bedächtig im Tempo, sparsam in den Dialogen und mit einem guten Auge fürs Lokalkolorit.
Kaum ist Ondine - nuanciert und geheimnisvoll gespielt von Alicja Bachleda ("Trade - Willkommen in Amerika") - an Bord, geht es für Syracuse aufwärts. Reichlich Lachs und Hummer fischt er und auch seine Stimmung bessert sich - die geheimnisvolle Frau hat es ihm angetan. Derweilen forscht Annie (Alison Barry) nach Erklärungen für deren mysteriöses Auftauchen und ein Fremder beginnt, sich im Dorf nach Ondine umzuhören. Hier kippt der Ton des Films. Das Drama schleicht sich ein, der Thriller. Alles Magische weicht aus der Handlung, plötzlich wird's im Wortsinn handfest und Syracuse greift wieder zum Glas.
Man mag darüber streiten, ob der Film all seine Elemente "richtig" verknüpft, die Tempowechsel passen und ob die "logische" Erklärung der Geschehnisse überhaupt von Nöten ist. Fakt bleibt, dass atmosphärisch alles stimmt: Schroff und kantig wie die Gegend in der er lebt, gibt sich Farrell, nah dran bleibt Jordan an seinen Protagonisten und deren rauem (Arbeits-)Alltag, bestechend wie immer führt Christopher Doyle die Kamera. Neblig-mythisch gestaltet er seine Bilder, in denen Blau-, Grün- und Schwarztöne dominieren. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt Jordans Lieblingsschauspieler Stephen Rea als Ortspfarrer und Kjartan Sveinssons irritierender Score kommentiert perfekt die Handlung. geh.
| Darsteller: | Colin Farrell | als Syraceuse | |
|---|---|---|---|
| Alicja Bachleda | als Ondine | ||
| Alison Barry | als Annie | ||
| Stephen Rea | als Priester | ||
| Tony Curran | als Alex | ||
| Dervla Kirwan | als Maura | ||
| Emil Hostina | als Vladic | ||
| Don Wycherley | als Kettle, Vladics Killer | ||
| Norma Sheahan | als Bibliothekarin | ||
| Regie: | Neil Jordan | ||
| Drehbuch: | Neil Jordan | ||
| Produzent: | Neil Jordan | ||
| Ben Browning | |||
| James Flynn | |||
| Michael Maher | |||
| Peter Rawlinson | |||
| Kamera: | Christopher Doyle | ||
| Schnitt: | Tony Lawson | ||
| Musik: | Kjartan Sveinsson | ||
| Produktionsdesign: | Anna Rackard | ||
| Kostüme: | Eimer Ni Mhaoldomhnaigh | ||
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