Deutsche Tragikomödie mit hervorragender Besetzung über einen jungen Mann, der in Berlin in den Tag hinein lebt.
In außergewöhnlicher schwarz-weiß Optik komponierter Blick ins Berliner Lebensgefühl und Porträt eines jungen Drifters.
Hier ist er, der ultimative Berlin-Film, auch wenn Regisseur Jan Ole Gerster, der auch das Drehbuch schrieb, diesen Begriff gerne vermeiden möchte, weil er ihn für negativ besetzt hält. Er folgt einem Endzwanziger, wie der durchs Leben schlurft. Niko hat das Jurastudium schon vor zwei Jahren geschmissen, kassiert vom Papa aber immer noch die Kohle und fühlt sich rundum wohl beim Nichtstun. Bis eines Tages alles aus dem Ruder gerät. Die Freundin sagt nach der Liebesnacht abrupt Adieu, sein Daddy ist sauer und kappt ihm die Unterstützung, der Verkehrs-Psychologe gibt ihm wegen "emotionaler Unausgeglichenheit" und "Minderwertigkeitskomplexen" den Führerschein nicht zurück, der neue Nachbar drängt ihm fette Fleischklopse auf, ein fieser Kontrolleur erwischt ihn beim Schwarzfahren und in der ganzen Stadt, in der sonst jeder Möchtegern-Literat Caffé Latte schlürft, scheint's keinen "normalen" Kaffee mehr zu geben.
Eine nette Metapher. Abhängen in Szenevierteln und in Cafés sitzen wird hier zur reinsten Schwerarbeit. Wunderbar träge gibt sich Tom Schilling als jemand, der nicht weiß wohin, an dem das Leben vorbeizieht, auch wenn er mit einem Loser-Kumpel durch die Stadt zieht und sich bei einer alternativen Theateraufführung unbeliebt macht, erst ganz am Ende Verantwortung übernimmt - für einen völlig Fremden, den er am Tresen trifft. Ziel- und Orientierungslosigkeit bestimmen den Alltag dieses Antihelden zwischen Sarkasmus, Melancholie und schwarzem Humor, garniert mit lakonischen Dialogen und subversivem Witz
In brillanter schwarz-weiß-Ästhetik überzeugt das Spielfilmdebut mit lässiger Handlung auch optisch. Berlin präsentiert sich ohne die oft prätentiöse Attitude von Coolness, bildet in manchmal fast magischen Impressionen die Folie für einen an der Spree anscheinend häufig anzutreffenden Typus. Dass Gerster über lange Zeit alltägliche Geschichten und Situationen aufschrieb, verleiht der Story einen authentischen Touch. "Oh Boy" ist auch ein Abgesang auf die typische Berliner Subkultur, die es wohl bald nicht mehr gibt. Überraschenderweise erinnert die leicht tragische Komödie streckenweise an May Spils' Kassenknüller "Zur Sache Schätzchen" von 1968 mit Werner Enke als nonchalantem Nichtstuer, der nicht erwachsen werden will. Fast 45 Jahre liegen zwischen den beiden Filmen, aber die beiden Protagonisten teilen zumindest eine Leidenschaft, die Verweigerung der gewohnten Ordnung. mk.
Niko lebt in Berlin in den Tag hinein. Eines Morgens trennt sich seine Freundin von ihm und er hat nicht einmal mehr das Kleingeld für einen Kaffee. Das Konto ist gesperrt, und sein Papa hat die Schnauze voll, ihn Jahre nachdem er das Studium geschmissen hat, weiter zu unterstützen. Mit seinem nicht minder erfolglosen Kumpel Matze lernt Niko eine Tänzerin kennen, die die beiden zu ihrem Stück einläd. Es ist experimentell und sie selbst entpuppt sich als Psychotante. Und die Nacht ist noch lange nicht vorbei für Niko.
| Originaltitel | Oh Boy |
| OV | Ja |
| OmU | Ja |
| Genre | Drama / Komödie |
| Filmpreis | - |
| USA-Start | - |
| Kinostart (D) | 01.11.2012 |
| Besucher (D) | 276.231 |
| Einspielergebnis (D) | € 1.934.223 Bes. (EDI) 276.231 Bes. (FFA) 227.217 |
| FSK | ab 12 Jahre |
| WWW | - |
Andreas Schröders
Psychologe
Ulrich Noethen
Walter Fischer
Frederick Lau
Ronny
Marcos Kantis
Produzent
Alexander Wadouh
Produzent
Martin Lehwald
Produzent
Michal Pokorny
Produzent
Susanne Mann
Produktionsleit ung
Juliane Friedrich
Produktionsdesi gn
Philipp Kirsamer
Kamera
Anja Siemens
Schnitt
The Major Minors
Musik
Cherilyn MacNeil
Musik
Juliane Maier
Kostüme
Ildiko Okolicsanyi
Kostüme
Dana Bieler
Maske
Magnus Pflüger
Ton
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