Wer sich an die Szenen der Räumung des Ghettos in Steven Spielbergs "Schindler's Liste" erinnert, hat ohne Zweifel das in Rot einkopierte kleine Mädchen vor Augen. Sie hat in Soren Kragh-Jacobsens Verfilmung des autobiographischen Berichts von Uri Orlev einen elfjährigen Leidensgenossen bekommen, der in der bewegenden Lebensgeschichte als eine Art jüdischer Robinson Crusoe allein unter Polen und Nazis unglaubliche Holocaust-Abenteuer erlebt. Der junge Alex wird von Jordan Kiziuk in einer derart herausragenden Leistung gespielt, daß ihm unschwer eine blendende Karriere vorauszusagen ist.
Alex lebt im Warschauer Ghetto und liest den "Robinson Crusoe", um der täglichen Not zu entfliehen. Sein Vater (Patrick Bergin) hat ihn indes auf die Fluchtmöglichkeiten und Verstecke vorbereitet, so daß Alex, als das Ghetto geräumt wird, und Vater und Onkel (Jack Warden) abgeführt werden, verschwinden kann. Mit dem Versprechen des Vaters im Hinterkopf, er komme auf alle Fälle wieder, richtet sich Alex in einer zerbombten Wohnung hoch oben an einer Wand ein, die nur mit einer Strickleiter zu besteigen ist. Er hilft verwundeteten Widerständlern, lernt bei gefährlichen Ausflügen die junge Stasya kennen, erlebt die Grausamkeit der Deutschen und ist völlig am Ende, als seine Wand, "die Insel", abgerissen wird.
Das Schicksal gönnt Alex in der Schlußszene das auch vom Zuschauer herbeigesehnte Wiedersehen mit dem Vater, ohne Sentimentalität, wozu auch die klug instrumentierte Musik von Zbigniew Preisner ("Drei Farben"-Trilogie) beiträgt. Die Anspielungen auf Daniel Defoes Abenteuerklassiker sind dabei keineswegs überstrapaziert, Alex Gefährte, eine weiße Maus, bekommt dramatische Bedeutung und die beklemmende Atmosphäre im verlassenen Ghetto wirkt gespensterhaft auch für die, die Filme wie "Korczak" oder "Der Daunenträger" kennen. Ein wunderbar unspektakulärer und ergreifender Film zum Thema.ger.
| Darsteller: | Patrick Bergin | als Stefan | |
|---|---|---|---|
| Jordan Kiziuk | als Alex | ||
| Jack Warden | als Boruch | ||
| James Bolam | als Dr. Studjinski | ||
| Simon Gregor | als Henryk | ||
| Lee Ross | als Freddy | ||
| Stefan Sauk | als Goehler | ||
| Michael Byrne | |||
| Sian Nicola Liquorish | |||
| Heather Tobias | |||
| Suzanna Hamilton | |||
| Regie: | Søren Kragh-Jacobsen | ||
| Drehbuch: | John Goldsmith | ||
| Tony Grisoni | |||
| Produzent: | Rudy Cohen | ||
| Tivi Magnusson | |||
| Ausf. Produzent: | Rolf Deyhle | ||
| David Korda | |||
| Kim Magnusson | |||
| Buchvorlage: | Uri Orlev | ||
| Kamera: | Ian Wilson | ||
| Schnitt: | David Martin | ||
| Musik: | Zbigniew Preisner | ||
| Produktionsdesign: | Norbert Scherer | ||
| Alexander Scherer | |||
Mit seinem verwitterten Reibeisengesicht und den kurzen roten Locken ist Jack Warden (geb. 1920) eines der knorrigen Urgesteine aus Hollywood....
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