Originaltitel: Les femmes du 6ème étage
Frankreich 2011
Fabrice Luchini
Sandrine Kiberlain
Natalia Verbeke
Regie: Philippe Le Guay
Verleih: Concorde
Dienstbare Geister sind die Frauen, die im sechsten Stock wohnen. Temperamentvolle spanische Zimmermädchen und Putzfrauen, die so gar nicht in das bourgeoise Pariser Herrenhaus passen. Der elitäre Börsenmakler Jean-Louis Joubert ist ob dieser Damen zunächst höchst irritiert, kommt mit deren Temperament gar nicht klar. Sie passen nicht in die konservative Gesellschaft, in der er sich sonst bewegt. Doch irgendwie faszinieren die Frauen ihn, und vor allem das Dienstmädchen Maria hat es ihm angetan.

Zärtliche Komödie über den Zusammenprall von französischer Bourgeoisie und spanischem Dienstmädchenalltag im Paris der 1960er Jahre.
Molière und Marivaux brachten das schier unerschöpfliche Thema schon mit scharfer Zunge auf der Bühne, jetzt hat sich Philippe Le Guay des Verhältnisses zwischen Dienstboten und "Herrschaft" im standesbewussten Frankreich angenommen und lässt sich dabei von Erzählungen inspirieren. Die charmante Komödie führt in die 1960er Jahre. Spanische Dienstmädchen hausen im berühmt-berüchtigten "6. Stock", den "chambres de bonnes", winzigen Kammern. Wasserhähne gab es nur auf dem Flur und die Domestiken müssen sogar einen extra Eingang "Nur für Personal" benutzen. Zwischen denen da "oben", die für die da "unten" in ihren Luxuswohnungen putzen, liegen Welten - bis die hübsche Maria bei den Jouberts (er erfolgreicher Börsenmakler, sie beschäftigte Hausfrau) als Haushaltshilfe anheuert. Monsieur finde Gefallen nicht nur an ihren perfekt gekochten Eiern, sondern auch an ihrer Natürlichkeit und ihrem Temperament und freundet sich bald mit den sechs Spanierinnen unterschiedlichen Alters im sechsten Stock an, sorgt für eine saubere Toilette und die lukrative Anlage des Gesparten, begleitet die fröhliche Kohorte in die Kirche und beim Festschmaus, schwingt auch schon mal das Tanzbein zu südlichen Klängen. Als es zwischen Monsieur und konventioneller Madame kriselt, packt er seine Siebensachen und zieht auch unters Dach.
Natürlich ist die Fraternisierung zwischen den Schichten reine Utopie, ein nettes, modernes Märchen, was vor allem von seiner Menschlichkeit und seinen auf den Punkt spielenden Darstellern lebt, Fabrice Luchini als biederer Bourgeois mit Gattin Sandrine Kiberlain, Natalia Verbeke als frisch-fromme Maria und die weibliche Armada angeführt von Carmen Maura. Bis ins Detail stimmt alles bei dieser nuancenreichen Milieustudie - die ständig maulende Concierge, die heruntergekommene Dienstbotentreppe, die sich langweilende feine Gesellschaft mit ihren Rissen und Brüchen, die zusammen geschweißte Solidargemeinschaft der Spanierinnen. Dieu merci verirrt sich Le Guay nicht in sozialer Larmoyanz oder Theorien, sondern mixt Kitsch, Klischee und Komik zu einer französisch-leichten Melange, in der Lebenslust über Lebensfrust triumphiert. mk.
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